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Literacy Games: Spielerisch lernen in der Basisbildung

15.06.2015, Text: Online-Redaktion
Alphabetisierungsspiele können Lernende motivieren und ihnen helfen, Lernstrategien zu entwickeln. (Serie: Methoden der Erwachsenenbildung)
  • (c) CONEDU\Kulmer Foto: (c) CONEDU/Kulmer
    Bingo! Spielerisch neue Wörter trainieren
Menschen, die wenig Lernerfahrung mitbringen, haben oft Schwierigkeiten, sich in einem formellen Lernprozess zurechtzufinden. Ein spielerischer Zugang kann helfen, diese Schwierigkeiten zu umgehen. Unter dem Begriff "Literacy Games" existieren zahlreiche Spiele, mit denen beispielsweise Lese- und Schreibkompetenz trainiert werden können. Das primäre Ziel ist dabei nicht, sofort Wissen zu erwerben, sondern eine Lernstrategie zu entwickeln, die den TeilnehmerInnen in zukünftigen Lernsituationen hilft. Zur Erkenntnis, dass Literacy Games den formellen Lernprozess unterstützen können, gelangte auch ein internationaler Workshop, der 2014 durchgeführt wurde.
 
The Paper Bag Game: Objekte kategorisieren
Für dieses Spiel benötigt man eine Einkaufstüte mit einigen Lebensmitteln oder Haushaltsprodukten, die sich in verschiedene Kategorien einteilen lassen - beispielsweise Obst, Putzmittel und Geschirr. Die Lehrperson zeigt zunächst alle Objekte einzeln, fragt die Lernenden nach deren Namen und schreibt die Bezeichnungen auf die Tafel. Danach sollen die TeilnehmerInnen sich überlegen, in welche Kategorien sich diese einteilen lassen - z.B. nach Farbe oder Preis geordnet. Danach kann man die TeilnehmerInnen in Gruppen einteilen und sie eine Liste oder ein Plakat gestalten lassen. Mögliche Überschriften: "Grünes Obst und Gemüse" oder "Dinge, die man in einer Drogerie kaufen kann". Die TeilnehmerInnen festigen so ihren Wortschatz und verknüpfen die Kursinhalte mit Einkaufen als alltäglicher Tätigkeit.

Wortbingo: Ein Lese-, Schreib- und Reaktionsspiel
Das beliebte Bingo-Spiel kann auch in Alphabetisierungskursen genutzt werden, um neue Wörter zu trainieren. TrainerInnen können entweder Wörter zu einem bestimmten Themenfeld vorgeben oder die TeilnehmerInnen bitten, selbst Wörter auf kleine Zettel zu schreiben. Je nach Kursniveau und Vorerfahrung kann man die zulässigen Wörter einschränken, beispielsweise sammelt man nur Wörter, die mit "A" beginnen, nur Adjektive, nur Wörter zum Thema "Möbel", etc. Sind mindestens 16 Vorschläge zusammengekommen, schreibt der/die Lehrende diese auf die Tafel und fordert die TeilnehmerInnen auf, diese in beliebiger Reihenfolge in ein vier mal vier Felder großes Bingofeld einzutragen. Schließlich liest die Lehrperson die Wörter vor, die TeilnehmerInnen kreuzen die richtigen Wörter auf ihrem Bingofeld an. Wer als Erste/r eine Vierrerreihe vollständig angekreuzt hat, ruft laut "Bingo!" und erhält einen Punkt.

 

Literacy Games wirken entspannend und integrativ
Spiele können auf Lernende entspannend wirken und helfen ihnen, sich in den Lernprozess eingebunden zu fühlen. Sie helfen, Inhalte klar darzulegen und eine übergeordnete Struktur zu erkennen. TeilnehmerInnen können durch Literacy Games bestehende Fähigkeiten verbessern, aber auch neue Kompetenzen erwerben. So fühlten sich die TeilnehmerInnen der Evaluation nach dem Spielen motivierter, Probleme selbstständig zu lösen. Bei all den positiven Aspekten ist dennoch wichtig zu beachten, dass Literacy Games kein isoliertes Tool darstellen. Vielmehr sind die Spiele als eine Ergänzung zum konventionellen Unterricht zu verstehen, als nützliche Teile eines durchdachten Blended-Learning-Zugangs, die in der richtigen Dosierung motivierend und befähigend wirken können. Zu diesen Ergebnissen kamen TrainerInnen aus 10 Ländern im Rahmen eines internationalen Workshops 2014, bei dem die Wirksamkeit von Literacy Games evaluiert wurde.

 

Serie "Methoden der Erwachsenenbildung"

Die Serie "Methoden der Erwachsenenbildung" ist ein Service von und für Studierende und EinsteigerInnen in das Berufsfeld der Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Serie stellen wir einzelne Lehr-Lernmethoden sowie deren Varianten und Einsatzmöglichkeiten vor. Wir unterscheiden dabei, welche Funktion die jeweilige Methode im Lehr-Lernprozess hat, zum Beispiel Informieren, Motivieren usw. Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.