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Siebe der Reduktion

30.10.2014, Text: Online-Redaktion
Reduktionstechniken helfen dabei, aus Inhalten das Wesentliche herauszuarbeiten und anlassgerecht zu vermitteln.
  • Illustration/Foto: Karin Kulmer/EDUCON Illustration: Karin Kulmer/CONEDU
    Von grob zu fein: Inhalte zeitlich anpassen
Viel Stoff und wenig Zeit - viele Lehrende kennen dieses Problem. Doch sind wirklich alle Inhalte, die man gerne vermitteln würde, auch relevant für die Lernenden? Mit Hilfe von Techniken wie den "Sieben der Reduktion" nach Martin Lehner können sich Lehrpersonen bei der Unterrichtsplanung auf das Wesentliche konzentrieren und ein besseres Verständnis bei den Lernenden bewirken.

 

Reduktion als Weg aus der Vollständigkeitsfalle

Das Bemühen, möglichst viel Wissen weiterzugeben, lässt Lehrende oft in eine "Vollständigkeitsfalle" tappen - sie geben Wissen ungefiltert weiter und überlasten damit die Aufnahmefähigkeit vieler Lernender. Die Methode "Siebe der Reduktion" des Erziehungswissenschafters und Trainingsexperten Martin Lehner basiert auf der Vorstellung, dass Inhalte je nach verfügbarer Zeit durch unterschiedliche Siebe gefiltert werden können, um das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. Auf einem feinen Sieb bleiben noch recht viele Inhalte zurück, auf einem groben nur die wichtigsten Aussagen.

 

Inhalte der verfügbaren Zeit anpassen

Hat man ein Thema ausgewählt und Inhalte ausgearbeitet, lässt man sie Lehner zufolge am besten durch drei verschiedene Siebe rinnen, die unterschiedliche Zeitbudgets repräsentieren. So kann man sich beispielsweise überlegen, welche Inhalte man auswählen würde, müsste man seinen Unterrichtsstoff in genau 15 Minuten, einer Stunde oder zwei Tagen vermitteln. Man beginnt zunächst beim gröbsten Sieb und wählt die Kerninhalte aus, die im kürzesten der drei Zeiträume vermittelt werden können. Danach ergänzt man die Kerninhalte um Zusatzinformationen, bis man genug Material für das nächstfeinere Sieb hat. Diesen Vorgang wiederholt man für das feinste Sieb. Methodenentwickler Martin Lehner betont, dass eine gute Lehrplanung immer von der Essenz eines Themas ausgehen müsse. Je nach verfügbarer Zeit könne diese mit Hintergrundinformationen ergänzt werden.

 

"Extremreduktion" auf einen Kernsatz

Eine besonders starke Form der Reduktion stellt die Extremreduktion dar - hier wird der Inhalt des Lernstoffs auf eine markante Kernaussage reduziert. Zum Thema "Prozessmanagement" könnte sich der/die Lehrende beispielsweise folgende Stichwörter zum Stoff notiert haben: "Prozess = Kette von Aktivitäten, auf Erbringen eines Outputs gerichtet, durch Input- und Outputbeziehungen charakterisiert, durch Kriterien wie Funktionszugehörtigkeit kategorisiert, Prozessmanagement erfordert Koordination und Planung und beinhaltet Prozesskosten, -dauer, -qualität und -strukturen." Als Extremreduktion könnte er oder sie das Thema wie folgt zu einer Kernaussage zusammenfassen: "Prozessmanagement heißt, in Prozessen zu denken, also in einer Folge von Aktivitäten, die zu einem Ergebnis führen".

 

Konkrete Inhalte statt Kategorien

Ein möglicher Stolperstein der Methode ist die Versuchung, statt Inhalten "Schubladen" zu beschreiben. Eine Reduktion zum Thema "Käse" könnte als Ergebnis beispielsweise "Herstellung, Lagerung, Sorten" bringen. Das Problem an dieser Lösung ist, dass sie keine inhaltlichen Informationen bietet, sondern lediglich eine Kategorisierung der Inhalte darstellt. Besser ist es, konkrete Inhalte zu formulieren - wie etwa "Käse wird aus Milch durch Zugabe eines Ferments hergestellt".

 

Zum Autor

Martin Lehner promovierte und habilitierte in Erziehungswissenschaft und ist Leiter des Instituts für Sozialkompetenz und Managementmethoden der Fachhochschule Technikum Wien. Von 1998 bis 2005 war er Professor an der Fachhochschule Vorarlberg, drei Jahre lang auch Vizerektor. Seit 20 Jahren ist er außerdem als Seminar- und Workshopleiter tätig. Er setzt sich in mehreren Büchern mit didaktischer Reduktion auseinander: im 2006 erschienenen Buch "Viel Stoff - wenig Zeit. Wege aus der Vollständigkeitsfalle" und in der 2012 erschienenen Publikation "Didaktische Reduktion".

 

Serie "Methoden der Erwachsenenbildung"
Die Serie "Methoden der Erwachsenenbildung" ist ein Service für Studierende und EinsteigerInnen in das Berufsfeld der Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Serie stellen Studierende und MitarbeiterInnen der Online-Redaktion einzelne Lehr-Lernmethoden sowie deren Varianten und Einsatzmöglichkeiten vor. Wir unterscheiden dabei, welche Funktion die jeweilige Methode im Lehr-Lernprozess hat, zum Beispiel Informieren, Motivieren usw. Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.