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Vier-Ecken-Methode und Placemat

05.05.2014, Text: Online-Redaktion
Vier-Ecken-Methode und Placemat helfen, Vorwissen sichtbar zu machen und zu systematisieren. (Serie: Methoden der Erwachsenenbildung).
  • Bild: (C) EDUCON/Friesenbichler
    Raster Vier-Ecken-Methode
  • Bild: (C) EDUCON/Friesenbichler
    Raster Placemat
Vorwissen aktivieren mit der Vier-Ecken-Methode
Ziel der Vier-Ecken-Methode ist es, sich zu einem Thema Gedanken zu machen, zu dem die TeilnehmerInnen bereits unsystematisches Vorwissen haben. Dieses wird anhand gezielter, strukturierter Vorgaben geordnet, die je nach Bedarf variiert werden können.

Dazu wird auf Flipchart- oder Packpapierbögen für je vier TeilnehmerInnen ein Vier-Ecken-Raster (eine Art viereckige Zielscheibe) gezeichnet, in dessen Zentrum das zu bearbeitende Thema steht. Die Vierer-Gruppe setzt sich um den Tisch. Jede/r TeilnehmerIn notiert in einer ersten Runde im inneren Bereich der eigenen Ecke einen Begriff, der ihm/ihr zum Thema einfällt. Doppelungen sollten dabei möglichst vermieden werden. Das Papier wird weitergedreht und die Lernenden werden beauftragt, den Begriff des Kollegen/der Kollegin weiterzubearbeiten, etwa ihn zu erklären.

Eine weitere Drehung des Papiers folgt und mit ihr ein weiterer Auftrag an die Lernenden, etwa Fragen zu formulieren. Nun wird das Papier ein letztes Mal gedreht. Die TeilnehmerInnen sind jetzt gefordert, die ersten drei Schritte ihrer KollegInnen im Plenum vorzustellen und wenn möglich die Frage zu beantworten.

Beispiel: Verantwortungsvolle Führung
Wenn beispielsweise das Vorwissen der TeilnehmerInnen zum Thema "verantwortungsvolles Führen" aktiviert werden soll, so könnte der Arbeitsauftrag folgenderweise lauten:

1. Runde: Überlegen Sie sich zentrale Begriffe, den Sie mit verantwortungsvollem Führen verbinden. Notieren Sie einen dieser Begriffe und vermeiden Sie dabei Doppelungen mit Ihren KollegInnen am Tisch.


2. Runde: Drehen Sie das Papier um 45 Grad und schreiben Sie einen erklärenden, wertneutralen Satz zum Begriff, den Sie in Ihrer Ecke vorfinden.


3. Runde: Drehen Sie das Papier um weitere 45 Grad. Lesen Sie den Begriff und die Erklärung in Ihrer Ecke. Welche Fragen fallen Ihnen dazu ein, die im Seminar behandelt werden sollten?


4. Runde: Drehen Sie das Papier abermals um 45 Grad und lesen Sie reihum den Begriff, die Erklärung und die Fragen zum verantwortungsvollen Führen, die Sie in Ihrer Ecke vorfinden.

Hilfreicher Einblick in Vorwissen
Die Lehrenden erhalten mit dieser Methode einen guten Einblick in das Vorwissen der TeilnehmerInnen und können in der Folge darauf aufbauen. Auch Vorurteile oder falsche Grundlagen seitens der Lernenden werden zutage gebracht und können so abgeschwächt bzw. korrigiert werden. Zudem erlaubt die Methode Lehrenden, besondere Interessen der TeilnehmerInnen zu berücksichtigen und Schwerpunkte bei der Gestaltung der Lehre zu setzen.

Variante "Placemat"
Eine Variante der Vier-Ecken-Methode zur Aktivierung von Vorwissen, die aber stärker auf kollektives Lernen zielt, ist das sg. "Placemat". Placemat heißt übersetzt Platzdeckchen und bezieht sich auf die Form der dabei benutzten Arbeitsunterlage - einem tischsetartigen Flipchart- oder Packpapierbogen.

Auch hier wird in Vierer-Gruppen gearbeitet. Das Placemat wird mit einem Stift in vier Ecken geteilt, in der Mitte bleibt jedoch im Unterschied zur Vier-Ecken-Methode ein Feld frei. Die vier Gruppenmitglieder schreiben zunächst zu einer Aufgabenstellung bzw. einem Thema einen Kommentar in eines der Eckfelder. Das Blatt wird gedreht, sodass die Notizen der KollegInnen jeweils weitergeführt werden können. Nach vier Runden diskutiert die Gruppe über die Notizen und schreibt die Ergebnisse dieser Diskussion in das leere Feld in der Mitte. Diese Ergebnisse werden anschließend im Plenum vorgestellt.

Serie "Methoden der Erwachsenenbildung"
Die Serie "Methoden der Erwachsenenbildung" ist ein Service von und für Studierende und EinsteigerInnen in das Berufsfeld der Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Serie stellen wir einzelne Lehr-Lernmethoden sowie ihre Varianten und Einsatzmöglichkeiten vor. Wir unterscheiden dabei, welche Funktion die jeweilige Methode im Lehr-Lernprozess hat (zum Beispiel Informieren, Motivieren usw.). Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.