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Steirisch-steyrische Konkurrenz beim Staatspreis

03.10.2013, Text: Adrian Zagler, Online-Redaktion
5.000 Euro winken dem Siegerprojekt beim Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung. Das Online-Voting läuft noch bis 9. Oktober.
  • Österreichischer Staatspreis für Erwachsenenbildung - Publikumsvoting auf erwachsenenbildung.at
    Ihre Stimme ist gefragt: An wen geht der Staatspreis 2013?
"Politische Bildung" lautet der Themenschwerpunkt des Österreichischen Staatspreises für Erwachsenenbildung 2013. Unter allen im Vorfeld eingereichten Projekten wurden nun drei von einer unabhängigen ExpertInnenjury nominiert: "ARTLAB", "interaktive, partizipative und politische Theaterarbeit" und "GenerationenUNI". Gleich zwei steirische Projekte sind unter den diesjährigen Finalisten, das dritte kommt aus Steyr in Oberösterreich.

 

Welches Projekt letztendlich gewinnt, das entscheiden nicht nur die ExpertInnen, sondern die gesamte Erwachsenenbildungs-Gemeinde. Noch bis einschließlich 9. Oktober kann online abgestimmt werden (Link am Seitenende).

 

ARTLAB

Das "ARTLAB", initiiert von uniT, dem Verein für Kultur an der Karl Franzens-Universität Graz, benutzt innovative Theatermethoden zur politischen Bildung. Die TeilnehmerInnen beim ARTLAB sollen reflektieren, Handlungskompetenzen entwickeln und neue Strategien ausprobieren können. Themen wie Altern, Frauenbilder, Medien, Widerstand, aber auch Glück werden in den Projekten behandelt. Zielgruppe waren anfänglich Studierende; mittlerweile finden die InitiatorInnen es aber spannender, hochgebildete mit bildungsbenachteiligten, und junge mit hochbetagten Menschen zusammenzubringen - also Menschen, die sich normalerweise nicht begegnen, aber auf diese Weise gemeinsame gesellschaftliche Interessen entdecken können.

 

ARTLAB arbeitet mit Emotionen, denn diese, glaubt man bei uniT, beeinflussen politische Haltungen und Handlungen. Die TeilnehmerInnen müssen ihre Erfahrungen und Positionen für andere sichtbar machen, ob sprachlich, visuell oder performativ. Die erarbeiteten Ergebnisse werden anschließend der Öffentlichkeit präsentiert, was wiederum die Arbeit in der Gruppe beeinflusst. Die intellektuelle und emotionale Herausforderung soll die Lernprozesse ganzheitlich und damit besonders nachhaltig machen.

 

Bei ARTLAB arbeiten ErwachsenenbildnerInnen gemeinsam mit KünstlerInnen. "Kunst erzeugt sozialen Raum, der Austausch ermöglicht. Wir wollen mit Strategien der Kunst es Menschen möglich machen, sich zu äußern und mit einander zu denken", erklärt Edith Draxl von uniT. Unter dem Stichwort "ästhetische Forschung" sei dieser Ansatz in der Literatur zwar stark präsent, aber noch nicht im "Mainstream" verwurzelt. Der heurige Themenschwerpunkt des Staatspreises bedeutet für sie, dass Konzepte wie von ARTLAB eben doch gefragt seien. "Das ermutigt mich".

 

Interaktive, partizipative und politische Theaterarbeit

Als zweiter steirischer Nominierter geht der Verein InterACT, Werkstatt für Theater und Soziokultur, ins Rennen. Sein Konzept nennt sich "interaktive, partizipative und politische Theaterarbeit". Zielgruppe sind Personen und Gruppen in benachteiligten Lebenslagen, die nur wenig in Politik und Gesellschaft aktiv teilnehmen. "Interaktive, partizipative und politische Theaterarbeit" sorgt für Dialoge auf Augenhöhe zwischen Betroffenen, der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und der Politik. Eine Gruppe Betroffener erarbeitet Szenen zu existenziellen Fragen aus dem eigenen Umfeld, beispielsweise rund um das Thema "Armut und Verschuldung". Später stellt sie diese Szenen der Öffentlichkeit und den politischen EntscheidungsträgerInnen vor, beispielsweise im Grazer Rathaus, im österreichischen Parlament oder beim AMS. Die Aufführungen sind interaktiv, das Publikum sucht und reflektiert Veränderungsideen und Lösungsmöglichkeiten gemeinsam mit den DarstellerInnen.

 

"Durch die Theaterarbeit wird nicht nur die kognitiv-rationale, sondern auch die emotionale und die Handlungsebene angesprochen", erklärt Sprecher Michael Wrentschur. So könnten benachteiligte Menschen Zusammenhänge zwischen ihrer Lebenssituation und gesellschaftlichen Strukturen erkennen, während beispielsweise Politiker hautnahe Einblicke in Lebensbereiche bekämen, die sie sonst nur vom Papier kennen. Der konkrete, persönliche Zugang führe dazu, dass viele TeilnehmerInnen durch die Projekte stärker politisiert und engagiert werden.

 

InterACT bewirbt sich beim Staatspreis nicht mit einem konkreten Projekt, sondern mit einem Ansatz. Gelegenheiten zur Umsetzung gibt es zuhauf: Im Oktober will man mit Jugendlichen in sozial benachteiligten Lebenslagen im Grazer Landhaus spielen; mit dem Integrationsreferat Steiermark arbeitet man in Sachen "Charta des Zusammenlebens und der Vielfalt" zusammen. 2014 ist eine Aufführung beim Bund zum Thema "Inklusion von Migrantinnen am Arbeitsmarkt" geplant. Seine Arbeit hat den Verein InterACT in den vergangenen Jahren nicht nur quer durch Österreich, sondern bis nach New York und Teheran geführt.

 

"GenerationenUNI"

Kein Steirer, aber dafür ein Steyrer ist das oberösterreichische Projekt "GenerationenUNI". Initiiert vom Verein Dialoginstitut für Politische Bildung, Generationen und Kulturen wendet sich die GenerationenUNI an Menschen in der nachberuflichen Lebensphase. Die GenerationenUNI will ihnen den Dialog mit andern Generationen und Kulturen ermöglichen und damit der grassierenden Politikverdrossenheit entgegenwirken. Gleichzeitig möchte das Projekt Solidarität, Inklusion und Partizipation der Teilnehmenden stärken.

 

Die GenerationenUNI wird von einem vierköpfigen Team getragen, das überwiegend ehrenamtlich arbeitet. Minimale finanzielle Mittel aber hohes persönliches Engagement brachten bereits im Pilotjahr 2012 große Erfolge: Insgesamt besuchten rund 600 HörerInnen im Alter zwischen 17 und 87 die Vorlesungen, Filme und Workshops der GenerationenUNI. 2013 stehen die Aktivitäten unter dem Motto "Europa im Herbst - europäische Demokratie im Frühling", die Eingangsvorlesung hält der Schriftsteller Robert Menasse.

 

"Uns ist wichtig, die Herzen unserer HörerInnen ebenso zu erreichen, wie ihren Verstand. Wir achten daher darauf, dass einerseits unsere Vortragenden hohes inhaltliches aber auch pädagogisches Niveau haben, dass unser Vorlesungssetting ganzheitliches Lernen fördert und dass der dialogische Ansatz auf alle Fälle immer Beachtung findet", erklärt Sprecherin Christa Nowshad.

 

Herausforderung politische Bildung

Der Themenschwerpunkt des Staatspreises zeigt, wie wichtig das Thema "politische Bildung" aktuell ist. Die Herausforderung, das sehen alle Nominierten ähnlich, liegt vor allem im niedrigen Interesse in der Gesellschaft. Politische Bildung müsse rückgebunden werden in die Lebenswelten der Menschen, erklärt Wrentschur. Die politischen und gesellschaftlichen Strukturen müssten verändert werden, um mehr Beteiligung zuzulassen. "Wir sind weit entfernt von einem Verständnis einer partizipativen Demokratie, wo die EntscheidungsträgerInnen auch auf die Expertise von Betroffenen vertrauen und dafür entsprechende institutionelle Rahmenbedingungen gesetzt werden." Mit der Beteiligung komme auch das politische Interesse, glaubt Wrentschur.

 

Preisverleihung im November

Schon bald dürfen sich die Beteiligten an einem dieser Projekte über den mit 5.000 Euro dotierten Staatspreis freuen. Wer die glücklichen GewinnerInnen sind, wird allerdings erst am 11. November 2013 verlautbart, im Rahmen der Preisverleihung in Wien. Wrentschur, der die "Interaktive, partizipative und politische Theaterarbeit" in Wien vertritt, hält sowohl den Preis als auch die Veranstaltung für wichtig. "Man lernt dort andere spannende Personen und Projekte kennen". Und Draxl freut sich darüber, die eigene Arbeit als "good practice"-Beispiel präsentieren zu dürfen. Einzig Nowshad schlägt gedämpftere Töne an: "Persönliche Freude über die hohe Anerkennung, die uns durch die Nominierung zuteil wird, mischt sich mit leichter Verzweiflung darüber, dass es so schwierig ist, Dinge zum Besseren zu verändern."