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Wissensmanagement für digital kompetente Erwachsenenbildungs-Einrichtungen

31.01.2019, Text: Birgit Aschemann, Online-Redaktion
Digitales Know-How ist eine kostbare, bewegliche und auch flüchtige Ressource. Um digital kompetent zu sein, sind gerade EB-Einrichtungen auf kluges Wissensmanagement angewiesen.
  • Foto: Pixabay Lizenz, http://pixabay.com
    Auch für das Dokumentieren und Austauschen von Wissen über digitale Themen braucht es eigene Räume, Zeiten und Abläufe.

Digitalisierung in Erwachsenenbildungseinrichtungen umsetzen

BildungsmanagerInnen erleben die Digitalisierung mittlerweile durchgehend als Aufruf zum Handeln. Worin dieses Handeln bestehen soll, löst oft noch Unsicherheit aus. Wenn sich EinrichtungsvertreterInnen auf Tagungen oder Workshops dazu austauschen, denken die meisten zuerst an die Kompetenzen des Personals und fast gleichzeitig an die Infrastruktur. Oft werden danach der Bedarf an neuen Bildungsformaten und die Frage nach neuen Geschäftsmodellen genannt. Dass juristische Expertise und technischer Support eng einzubinden sind, wird ebenfalls häufig erkannt. Nur selten ist jedoch zu hören, dass es neue Funktionen und Zuständigkeiten braucht, und dass ein spezifisches Wissensmanagement erforderlich ist.

 

Digitales Know-How kommt oft „von unten"

2018 zeigte der Monitor Digitale Bildung der Bertelsmann-Stiftung eindrucksvoll, was viele längst ahnten: digitales Lernen erfolgt zu 80% zuhause per Internet, also informell und selbstorganisiert. Das gilt für erwachsene Lernende generell und damit auch für ErwachsenenbildnerInnen – zumal diese selten angestellt sind und daher über wenig Weiterbildungsangebote der Arbeitgeber verfügen. Gerade ErwachsenenbildnerInnen sind auf kostenfreies Online-Lernen angewiesen. Zugleich gelten ErwachsenenbildnerInnen als besonders lernfreudige Berufsgruppe, und es hat sich breit herumgesprochen, dass die Zukunft der Erwachsenenbildung den digital gebildeten KollegInnen gehört. Daher wird hier sehr viel individuell gelernt, und fast immer gibt es im Lehrenden-Team einige, die mit digitalen Werkzeugen besser vertraut sind als die Leitung.

 

Digitales Know-How als flüchtige Preziose

Für Bildungsanbieter ist dieses digitale Know-How – bezogen auf Technologien, Werkzeuge, Didaktik und Formate – die zentrale Ressource schlechthin, wenn sie die Digitalisierung positiv beleben oder auch nur bewältigen wollen. Auf dieses Know-How kommt es an, und es ist in der Regel sehr ungleich im Team verteilt. Außerdem gibt es für digitale Kompetenzen noch kaum anerkannte Zertifikate, die auf den ersten Blick klarmachen, wer hier was kann und wer von wem etwas lernen könnte. Organisationsinterne Know-How-TrägerInnen sind meist nicht eindeutig ausgewiesen.

 

Wissensmanagement – warum gerade für digitale Kompetenz?

Die Arbeitsbedingungen haben sich seit Jahrzehnten kaum verändert, und so ist eine gewisse Fluktuation in Erwachsenenbildungseinrichtungen üblich. Know-How-TrägerInnen verlassen die Organisationen, im ungünstigen Fall bevor ihr Wissen expliziert oder gar weiter verteilt wurde. Das gilt seit langem und für alle Kompetenzfelder, hat aber im Bereich digitaler Kompetenzen besondere Brisanz: digitales Know-How ist schnell veraltet, es gibt kaum standardisierte Kompaktausbildungen, und oft haben sich MitarbeiterInnen organisationsspezifische Lösungen angeeignet. Gerade beim digitalen Wissen und Können, das so individuell, fragmentiert und auf unterschiedlichen Levels erworben wurde, ist es zentral, dieses explizit zu beschreiben.

 

Wissen managen: erheben – explizieren – weitergeben

Wissenslandkarten helfen zu erheben, welches digitale Know-How in der Organisation vorhanden ist und wer die Know-How-TrägerInnen sind. Will man organisationale Lücken erkennen, verwendet man als Basis dafür einen aktuellen Kompetenzkatalog für Unterrichtende. Interne Weiterbildungen können bedarfsorientiert stattfinden und von den Know-How-TrägerInnen gestaltet werden; sie werden übrigens oft für Qualitätssicherungsverfahren genauso anerkannt wie externe. Vor allem aber bieten sich gemeinsame Wissenssammlungen in 'lebenden' Dokumenten an, um das vorhandene Wissen zu bestimmten digitalen Themen zu bündeln und fortlaufend zu erweitern. Als digitale Unterstützung empfiehlt sich ein Online-Texteditor mit Passwortschutz.

 

BildungsmanagerInnen sollten dabei eines nicht übersehen: „Dieses Wissensmanagement sollte mit ausreichend Ressourcen ausgestattet sein und in der Organisation systematisch gefördert, eingesetzt und laufend weiterentwickelt werden", so Susanne Studeny und Anna Stiftinger in ihrer Broschüre „Digital kompetente Bildungseinrichtungen". Gemeint ist damit unter anderem, dass man auch für das Dokumentieren und Austauschen von Wissen eigene Räume, Zeiten und Abläufe braucht. Wer erwartet, dass das nebenbei passiert – ohne einen Prozess dafür aufzusetzen – überlässt das digitale Know-How seiner Einrichtung dem Zufall.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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