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Lern- und Bildungsräume in Veränderung

13.12.2018, Text: Karin Kulmer, Online-Redaktion
Der wEBtalk vom 12.11. mit Elke Gruber und Kurt Schmid ist nun zum online Nachsehen und –hören verfügbar.
  • Grafik: CC0 Public Domain, pixabay.com, Montage: CONEDU, auf erwachsenenbildung.at
    „Die Vielfalt der Lernräume spiegelt unser lebenslanges Lernen wider" - wie sich diese Räume verändern, war Gegenstand des wEBtalks.
Wie verändern sich Lern- und Bildungsräume im Laufe der Zeit? Wie zeigt sich die räumliche, zeitliche und örtliche Entgrenzung des Lernens? Welche Möglichkeiten, aber auch Gefahren sind mit der Pluralisierung für die Erwachsenen- und Weiterbildung verbunden? Welche Kriterien machen einen guten Lernort aus? Dazu diskutierten Bildungswissenschafterin Elke Gruber und Berufsbildungsforscher Kurt Schmid am 12. November im wEBtalk.

 

Aufzeichnung: wEBtalk „Lern- und Bildungsräume in Veränderung"

wEBtalk erwachsenenbildung.at | CC BY 4.0 CONEDU November 2018

 

„Die Vielfalt der Lernräume spiegelt unser lebenslanges Lernen wider"

Von Hörsälen und Seminarräumen über Museen, Bibliotheken und Nationalparks bis hin zum digitalen Raum: die große Vielfalt an Lernorten ist offensichtlich. „Unserer Ansicht nach ist das eine Widerspiegelung dessen, was der Mensch ist – die Vielfalt der Lernräume spiegelt unser lebenslanges Lernen wider", so Kurt Schmid. Gemeinsam mit Elke Gruber ist er Herausgeber der bevorstehenden Doppelausgabe des Magazin erwachsenenbildung.at (Meb), die Ende Jänner 2019 erscheinen wird.

 

Anthropologisch gesehen könne der Mensch nicht nicht lernen, so Elke Gruber: „So gesehen ist jeder Ort in Wirklichkeit ein Lernort." Auch das Gegenüber mache einen Lernort aus „Das kann ein Mensch sein, ein Tier, ein Ding – das Gegenüber kann ich auch selbst sein, wenn ich über etwas nachdenke oder reflektiere", so Gruber.

 

„Viel Lernen findet im Arbeitskontext statt"

Kurt Schmid wies darauf hin, dass der Betrieb bzw. die Arbeit immer schon ein Lernort war – „man denke nur an die Lehrlingsausbildung". In den letzten Jahren beobachte er, dass es zu einer immer stärkeren Durchmischung von Arbeit und (Weiter-)Bildung komme. „Gerade über die digitalen Lernmedien wird dieser Trend stark befördert." Die Entgrenzung vom konkreten Lernort, die damit einhergehe, ermögliche einerseits autonomes Lernen von ArbeitnehmerInnen, berge gleichzeitig aber auch die Gefahr, dass viel Verantwortung auf die ArbeitnehmerIn übergewälzt wird. Dennoch sei nach wie vor das Bild der Entgrenzung vorherrschend, ein Trend zum (Wieder-)Begrenzen sei auch in der Literatur noch nicht zu beobachten.

 

Das „Haus des Lernens" als theatraler Erlebnisraum

Dorit Günther von der TU Kaiserslautern stellte im Rahmen des wEBtalks ein Praxisprojekt vor: Das „Haus des Lernens" nimmt Anleihe an der Museums- und Ausstellungspraxis und soll eine neue Art des Lernraums am Campus in Kaiserslautern darstellen. „Die Rolle der BesucherInnen soll sehr aktiv sein", erzählte Günther, „sie sollen mitgestalten und Dinge nach eigener Präferenz aufsuchen können." Inhaltlich wird es um Themen wie Zeitmanagement, Persönlichkeitsbildung und überfachliche Kompetenzen gehen.

 

„Für mich ist ein guter Lernort, wo ich Beziehungen aufbauen kann"

Dass es immer auch physische Lernorte brauche, bestätigte Elke Gruber: „Menschen brauchen eine Verortung, sie brauchen die Nähe zu anderen Menschen." Dies gelte auch im digitalen Zeitalter: „Für mich ist ein guter Lernort, wo ich Beziehungen aufbauen kann." Medien und Methoden sollen Gruber zufolge immer auf Basis der Ziele ausgewählt werden, die man verfolgen möchte. Daran werde sich auch durch das Internet nicht viel ändern. Sie glaube, dass in Zukunft ganz neue Formate entstehen werden, die momentan noch nicht vorstellbar seien.

 

Neue Möglichkeiten werden auch beim Lernen in Betrieben entstehen, schätzt Kurt Schmid. Denn Lernen am Arbeitsplatz werde zukünftig noch stärker als Lernraum erkannt, so Schmid. Dass Prozesse im Betrieb gut funktionieren, werde weiterhin wichtig sein, genauso wie die Möglichkeit, Lernprozesse selbst mitgestalten zu können.

 

Elke Gruber fasste abschließend zusammen: „Auch wenn die Zukunft manchmal etwas Angstbehaftetes ist, die Menschen werden sich die Lust am Sozialen nicht nehmen lassen."