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Rolle der TrainerInnen weiterhin im Wandel

05.12.2018, Text: Lucia Paar, Online-Redaktion
Wie Digitalisierung und gesellschaftliche Entwicklungen die Rolle von TrainerInnen in der Basisbildung verändern, erzählt Petra Eyawo-Hauk von DANAIDA: Apps im Unterricht sind Standard, der Umgang mit digitalen Behördenwegen ein neues Lernfeld geworden.
  • Foto: CC0 Public Domain, rawpixel, https://unsplash.com/
    "Digitalisierung gibt es schon lange" - Trotzdem verändere sich die Rolle der TrainerInnen immer wieder, sagt Petra Eyawo-Hauk.
"Digitale Entwicklungen gibt es ja schon lange" beginnt Petra Eyawo-Hauk das Gespräch und erzählt von den Anfängen bei DANAIDA, wo die Digitalisierung mit dem ersten PC in der Einrichtung begann. Seitdem hat sich in der Beratungs- und Bildungseinrichtung für Migrantinnen einiges getan. Petra Eyawo-Hauk erzählt, wie digitale Entwicklungen die Aufgaben von TrainerInnen in der Basisbildung verändert. Dabei gehe es nicht nur um neue Tools und Methoden, sondern auch darum, wie Politik und Gesellschaft mit den Entwicklungen umgehen und wie man Menschen gut darauf vorbereiten kann.

 

Apps im Unterricht sind Alltag geworden

Digitale Neuerungen gab und gibt es immer wieder. Aber gerade das Smartphone habe eine weitreichende Wende in der Arbeit der TrainerInnen bewirkt, erzählt Eyawo-Hauk: "Mit dem Smartphone ist so etwas wie eine Revolution gekommen. Es ist flexibler im Kurs einsetzbar und leichter zu bedienen". Die Berührungsängste seien kleiner geworden – auch für die TrainerInnen: "Eine App muss ich im Kurs nur gemeinsam mit den TeilnehmerInnen runterladen und installieren, der Rest funktioniert meistens von selbst". Außerdem gebe es Apps, die man nach Belieben den Bedürfnissen der Zielgruppe anpassen kann: "Wenn ich an LearningApps denke, kann ich fünf Varianten einer Übung erstellen. Das ist gut für heterogene Gruppen", so Eyawo-Hauk.

 

Die Arbeit am Computer wäre dagegen für die KursteilnehmerInnen vergleichsweise schwierig: "Bis zu einem Ergebnis braucht es meistens mehrere Schritte und das Arbeiten mit der Maus ist nicht immer so leicht", so Eyawo-Hauk. Im Unterricht selbst werde ein Computer somit seltener eingesetzt: "Die Arbeit am Computer ist in den Hintergrund getreten". Trotzdem sei es für KursteilnehmerInnen wichtig, Kompetenzen am PC zu erwerben – gerade wenn es um Arbeit geht. "Stundenzettel oder Bewerbungsschreiben muss man immer noch am PC schreiben können. Je selbstständiger die TeilnehmerInnen da sind, desto besser ist das natürlich", so die Trainerin.

 

Digitalisierung findet auch draußen statt

Eyawo-Hauk gibt zu bedenken, dass Digitalisierung nicht nur auf den eigenen Geräten passiert, sondern auch in der unmittelbaren Lebensumwelt. "Mit Digitalisierung umgehen lernen bedeutet hinaus zu gehen, denn da geht es auch um Automatisierungen wie bei Ticketautomaten oder Selbstbedienungskassen". Diese seien nicht immer selbsterklärend, Symbolik und Umgang müssen viele KursteilnehmerInnen erst lernen. Das sei also auch Aufgabe von TrainerInnen in der Basisbildung, die zukünftig noch stärker werden wird, schätzt Eyawo-Hauk.

 

Aber auch andere Alltagsthemen würden immer stärker digitalisiert und somit für die KursteilnehmerInnen und TrainerInnen als Lernfeld relevant: "E-Government zum Beispiel - das ist in der Basisbildung eine riesige Herausforderung. Oder auch die online Schulanmeldung - wenn ich das nicht schaffe, kann ich mein Kind nicht voranmelden und muss die Schule nehmen, die mir zugewiesen wird." Digitalisierte Behörden-Wege würden weiterhin zunehmen, denkt die Basisbildnerin und sieht den richtigen Umgang damit als wichtige Vermittlungsaufgabe von TrainerInnen.

 

Den Alltag erleichtern, kritische Medienkompetenz fördern – ein Spannungsfeld

Was durch die zunehmende Digitalisierung stärker nötig sei, sind ständige Recherchen zu digitalen Materialien im Unterricht, zu digitalen Behördenwegen und anderen digitalen Neuerungen im Alltag. "Damit ist auch digitale Medienkompetenz wichtig geworden. Das ist auch unsere Aufgabe als TrainerIn - dass wir alles, was mit der Digitalisierung daher kommt auch in sehr einfacher Form mit den TeilnehmerInnen diskutieren und ihnen erklären, was das bedeutet. Z. B. sind viele auf sozialen Netzwerken angemeldet. Da ist ihnen oft nicht bewusst, wie öffentlich sie sind, obwohl sie das vielleicht gar nicht möchten."

 

Die TrainerInnen seien selbst bei der Nutzung digitaler Medien meistens eher kritisch und nutzen Medien privat sehr bewusst. Das sei gut, so Eyawo-Hauk. Gleichzeitig gelte es hier, sich als TrainerIn zurückzunehmen. "Da muss man sich dann bewusst machen, dass es unser Auftrag ist, Menschen Handwerkszeug mitzugeben, damit sie den Alltag leichter gestalten können. Da muss ich wissen und zeigen, was es gibt".

 

Wer Menschen in Zeiten des Wandels begleitet, ist auch selbst mittendrin

"Ich finde, die digitalen Entwicklungen haben das Unterrichten einfacher, aktueller gemacht – ich kann besser reagieren, wenn eine Frage im Unterricht auftaucht, z.B. schnell ein Bild zeigen, oder eine Wegbeschreibung suchen", fasst Eyawo-Hauk zusammen. Über die Zukunft sagt sie: "Digitale Entwicklung schreitet schnell voran. Ich glaube schon, dass das unser Leben verändern wird und die Art wie wir arbeiten werden." Aber auch die Frage, wie Politik und Gesellschaft mit der Digitalisierung der Arbeitswelt weiter umgehen werden, werde von Bedeutung sein: "Das wird großen Einfluss haben auf unsere Rolle als TrainerInnen in der Basisbildung. Denn da geht es auch darum, die Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen. Dieser Fokus ist ja aktuell ganz stark. Damit müssen wir uns auseinandersetzen, ob uns das gefällt oder nicht. Denn das ist die Realität der Menschen."

 

Weil diese Entwicklungen nicht planbar sind, gelte es, als TrainerIn dran zu bleiben und sich zu informieren: "Was bedeuten neue Entwicklungen für die Menschen, mit denen ich arbeite?" Diese Frage sei unabhängig von den digitalen Entwicklungen zu stellen. "Denn darum geht es einfach - dass die Menschen mit den Dingen, die ihren Alltag betreffen, umgehen lernen, um partizipieren zu können".

Weitere Informationen:
Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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