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Buchvorstellung: Soziale Welten der Erwachsenenbildung

22.10.2018, Text: Petra Steiner, Redaktion: Online-Redaktion
Petra H. Steiner stellt ihre neue Publikation über "Professionalisierung“ vor und findet Diversität-integrierende Beschreibungsmodelle für ErwachsenenbildnerInnen.
  • Grafik: CC BY, Petra Steiner, auf erwachsenenbildung.at
    Die Publikation zu Professionalisierung in der Erwachsenenbildung ist ab sofort frei zum Download verfügbar.
Die Unterschiedlichkeit der ErwachsenenbildnerInnen wird als ein großes Hindernis für deren Verberuflichung und kollektive/strukturelle Professionalisierung gesehen. Fragen Sie eine/n Erwachsenenbildner/in, wie sie/er sich bezeichnet, werden Sie zig verschiedene Berufsbezeichnungen als Antwort bekommen...

 

Die Erwachsenenbildungsforschung hat das in den letzten 50 Jahren immer wieder erhoben. Und dennoch: BasisbildnerInnen, PersonalentwicklerInnen, und die sogenannten "BO-TrainerInnen" beispielsweise, haben heute bereits ein gemeinsames Selbstverständnis und damit haben diese Untergruppen auch ein geteiltes Verständnis ihrer eigenen Professionalität, ihrer Werte, sie teilen berufskulturelle Elemente. Untergruppen der Erwachsenenbildung bilden soziale Welten und professionsspezifische Subkulturen einer Profession Erwachsenenbildung, das ist die These des neu erschienenen Buches "Soziale Welten der Erwachsenenbildung".


Ein Ziel der Dissertation war es, ein Beschreibungsmodell für ErwachsenenbildnerInnen vorzulegen, welches die bestehende Diversität integriert und gleichzeitig erlaubt, den bereits bestehenden Zusammenhalt in (Sub-)Gruppen von ErwachsenenbildnerInnen aufzuzeigen. Letzteres, die Kohäsion innerhalb einer beruflichen Gruppierung, ist ein nötiges Element gelingender Professionalisierung und wurde bislang von der Erwachsenenbildungsforschung zu wenig in den Blick genommen.

Who's professionalisation?

An Professionalisierung kommt heute wohl niemand mehr vorbei. Professionalisierung beinhaltet unserem spontanen Verständnis nach die Forderung nach hoher Kompetenz in der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Und wer sollte dagegen etwas haben?


Dabei ist es gerade dann relevant weitere Fragen zu stellen, etwa: von wem wird Professionalisierung vorangetrieben? Mit welchem Ziel? Ein Erwachsenenbildner aus dem AMS-Bereich meint dazu: "Der wichtigste Kunde ist die Politik, ist die Öffentlichkeit." Der Interviewte erläutert weiter, dass in seinem Arbeitsbereich der Blick von der tatsächlichen Qualität und Leistung der ErwachsenenbildnerInnen weggewendet ist und auf Steuerungspolitiken und quantitativen Zielvorgaben liegt. Dies werde – hier zumindest – mit "Professionalisierung" benannt. Ganz entgegen einer positiv gesehenen Professionalisierung wird ersichtlich, dass Professionalisierungsbemühungen immer an Interessen und Interessensgruppen gebunden ist – und daher auch kaum alle Interessen, die im Bereich vorhanden sind, gleich berücksichtigen.

AkteurInnen benennen

Um aufzuzeigen, wie viele AkteurInnenebenen Professionalisierung der Erwachsenenbildung hat, werden in der Publikation sieben AkteurInnenebenen benannt. Viel wurde bislang bereits im Bereich der Professionalisierung geleistet, starke AkteurInnen waren und sind Träger und Anbieter der Erwachsenenbildung, Politik und Wissenschaft. Weniger stark vertreten sind ErwachsenenbildnerInnen selbst sowie Berufsvertretungen derselben abseits von Anbieterverbänden.

 

Das hat zur Folge, dass sich viele ErwachsenenbildnerInnen als AdressatInnen und "Objekte" der Professionalisierung erleben und nicht als deren (Mit)GestalterInnen. Hier ist ein Leck, welches schon seit langem bekannt ist und von den interviewten ExpertInnen auch benannt wird: Es bräuchte eine Berufsvertretung, "einfach um ein Gegenüber zu haben. Die meisten Initiativen in der Erwachsenenbildung werden sozusagen von Arbeitgeberseite gesetzt", meint ein/e jahrzehntelange/r Kenner/in der Erwachsenenbildung in Österreich.

Why professionalisation?

Die These des Buches ist, dass strukturelle Professionalisierung (Professionalisierung, die nachhaltige Strukturen ausbildet, etwa Ausbildungen, Zertifikate, definierte Zugangsmöglichkeiten zu Arbeitsmärkten) v.a. die Nachhaltigkeit professioneller Dienstleistung sichert. Durch strukturelle Elemente einer Profession können hohe Fluktuation, das baldige Ausscheiden hochqualifizierter ErwachsenenbildnerInnen aus dem Tätigkeitsfeld, und ein zu weites Auseinanderklaffen von Bezahlungsverhältnissen (soziale Gerechtigkeit) und besonders schlechte Bezahlungs- und Arbeitsverhältnisse verringert werden. Jedoch: Heute sind nicht nur strukturelle, sondern auch flexible und offene Elemente einer Profession nötig. Grund dafür ist, dass die Anforderungen des Arbeitsmarktes äußerst dynamisch und veränderlich sind.

 

Um dem gerecht zu werden wird im Buch ein Professionsmodell vorgestellt, das sowohl strukturelle als auch dynamisch-offene Elemente integriert. Letztere wären z.B. verschieden gelagerte Berufsbezeichnungen und Tätigkeitszuschnitte innerhalb einer definierten Profession. Die Grenzen zwischen struktureller und individueller Professionalisierung sind fließend und – so wie Professionalisierung – zu gestalten.

BasisbildnerInnen, PersonalentwicklerInnen, Bildungs- und BerufsberaterInnen usw. als berufliche Subkulturen und soziale Welten einer Profession?

 

Grafik: CC BY, Petra Steiner

 

In Kapitel sechs und sieben des Buches werden den Überlegungen über Professionalisierung entsprechend auch Beschreibungsmodelle für ErwachsenenbildnerInnen erarbeitet. Diese Modelle erlauben, die bestehende Diversität der ErwachsenenbildnerInnen zu beschreiben und lassen bestehende Kohäsion dennoch nicht außer Acht. Es handelt sich um "Professionsspezifische Subkulturen" (inspiriert von kulturwissenschaftlichen Zugängen) und "Soziale Welten in Arenen" (inspiriert von der Grounded Theory). Genau wie das erarbeitete Professionsmodell sind auch Soziale Welten fluide Konglomerate von Personen, welche ein gemeinsames Anliegen teilen. Genau wie Professionalisierung müssen sich soziale Welten innerhalb der Erwachsenenbildung permanent in Aushandlungsprozessen innerhalb von gesellschaftlichen Arenen bewähren.

 

So etwa wurde eine hypothetische Karte sozialer Welten der Erwachsenenbildung gezeichnet, die innerhalb der gesamten gesellschaftlichen Arena Migration und Integration steht. Viele kulturelle Phänomene innerhalb erwachsenenbildnerischer Subkulturen, die hier verortet sind, lassen sich damit erklären, wie sich AkteurInnen darin in der gesamten Arena verorten. Da haben etwa aktuelle politische, rechtliche, wirtschaftsgeografische, bildungspolitische Lagen Relevanz für die hier zu verortenden ErwachsenenbildnerInnen und umgekehrt. AkteurInnen einer Sozialen Welt werden darauf reagieren müssen, wenn sie bestehen wollen.

 

Über die Autorin

Petra H. Steiner ist seit 2009 Mitarbeiterin der Weiterbildungsakademie Österreich und freiberufliche Bildungswissenschaftlerin. Ihre Dissertation zu Konzepten und Vorstellungen von Professionalisierung der Erwachsenenbildung wurde durch die Erfahrung in der Weiterbildungsakademie angeregt. Petra Steiner Darin wurde ersichtlich, dass die Unterschiedlichkeit von ErwachsenenbildnerInnen enorm ist und sich ihr berufliches Selbstverständnis sowie ihre Wege in die Erwachsenenbildung mitunter stark unterscheiden.

 

Für Nachfragen: petrasteiner@chello.at

Portrait: Alle Rechte vorbehalten, Petra Steiner

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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