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Orte der gelebten Geschichte gesucht!

10.08.2018, Text: Lisa Wagner, Redaktion: Gerald Gölles, Ring Österreichischer Bildungswerke - Steirisches Volksbildungswerk
Die Initiative Zukunftsgemeinde Steiermark ist auch 2018 von der Weiterbildungsakademie Österreich (wba) als Bildungsprozess anerkannt.
Das Steirische Volksbildungswerk richtet seit mittlerweile dreizehn Jahren alljährlich einen Gemeindewettbewerb mit unterschiedlichen Schwerpunkten aus. Dabei versuchen wir stets, einen neuen Blickwinkel zu finden, wenn wir uns der Frage widmen, was eine Gemeinde zukunftsfähig macht. Was bedeutet aber zukunftsfähig? Das heißt vorbereitet, resilient, flexibel, offen für Neues und Veränderungen, den Blick auf die Zukunft gerichtet, aber auch achtsam in Bezug auf Geschehenes. Genau diesem Aspekt möchten wir uns 2018 zuwenden und suchen heuer nach Orten der gelebten Geschichte!

 

Durch den Prozess des Einreichens muss sich eine Gemeinde Gedanken machen. Was passiert bei uns im Ort zum Thema Geschichte? Wer denkt darüber nach? Wie wird die Geschichte aufgearbeitet? Wem wird sie zugänglich gemacht? Diese und ähnliche Fragen müssen bei der Einreichung erwogen und besprochen werden. Gleichzeitig mit dieser systematischen Überlegung und Dokumentation in der Gemeinde erhalten wir im Volksbildungswerk eine Übersicht über die Initiativen vor Ort und somit die Möglichkeit, diese anderen Gemeinden zugänglich zu machen. Der Austausch und die Vernetzung zwischen den Gemeinden werden gefördert.

 

Der folgende Text ist in den steirischen berichten erschienen und beschäftigt sich mit dem Hintergrund des Wettbewerbs. Was hat uns zu diesem Thema bewogen? Was wollen wir mit diesem Wettbewerb erreichen? Warum geht uns das Thema Geschichte alle etwas an?

 

Wie wird Geschichte geschrieben?

Die steirischen Gemeinden, Märkte und Städte haben unterschiedliche Bedingungen und Umstände in ihrem Alltag – daraus ergeben sich verschiedene Einstellungen und Zugänge zum komplexen Thema „Geschichte". Geschichte wird geschrieben, aber aufgeschrieben wird dabei nicht alles. Die Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren bedeutet auch, eine Auswahl zu treffen und diese Auswahl für kommende Generationen aufzubereiten. Eine Auswahl ist stets geprägt durch den Faktor „Mensch". Was dem einen wichtig ist, zu erwähnen, wird die andere unter den Tisch fallen lassen; was die eine gerne vergessen würde, ist dem nächsten eine liebe Erinnerung.

 

Jeder Mensch und jeder Ort kann uns einen einzigartigen Zugang zu bisher Geschehenem bieten und dieses aus anderen Blickwinkeln betrachten. Kommunen binden idealerweise verschiedene Menschen von Jung bis Alt mit ein und berücksichtigen dabei Wandel und Veränderung. Den Einwohnerinnen und Einwohnern wird nicht nur gezeigt, was Geschichte ist und wo diese geschrieben steht, sondern verständlich gemacht, dass sie ein Teil dieser Geschichte sind.

 

Gleichzeitig gehört verstanden, dass diese Verbindung nicht ohne Weiteres geschluckt werden muss. Vergangene Ereignisse wie Jubiläen und Jahrestage können gefeiert, aber auch hinterfragt werden. Vorbilder aus vergangenen Jahrzehnten können wertgeschätzt, aber auch infrage gestellt werden. Dieses behutsame, aber aktive Lesen, bei dem nicht Akzeptanz, sondern Nachforschen und -fragen im Mittelpunkt steht, muss von Kindesbeinen erlernt werden. Vergessen dürfen wir dies jedoch auch im Erwachsenenalter nicht! Wir als Gesellschaft müssen lernen, unsere Geschichte nicht nur zu lesen, sondern auch den Sinn des Geschriebenen zu erfassen – und dabei zu erlesen, was zwischen den Zeilen steht, auch wenn es nicht immer angenehm ist.

 

Den Blick nach vorne dürfen wir nicht vergessen: sich mit der Vergangenheit zu befassen, bedeutet immer auch, ein Stück Weg für die Zukunft zu bereiten. Wir wollen einen offenen und freien Weg in die Zukunft ohne Scheuklappen oder Voreingenommenheit. Den gleichen Umgang müssen wir auch mit unserer Vergangenheit pflegen.

Weitere Informationen:

 

Partner, Sponsoren, Förderer

Partner, Sponsoren, Förderer der Initiative ZUKUNFTsGEMEINDE STEIERMARK 2018.

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