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Was der „Aktionsplan für digitale Bildung“ für die EB vorsieht

13.08.2018, Text: Karin Kulmer, Online-Redaktion
Der „Digital Education Action Plan“ fokussiert primär auf Schulen und Hochschulen – die Erwachsenenbildung wird vor allem in Bezug auf die Strategie „Weiterbildungspfade“ angesprochen. (Serie: Digitale Erwachsenenbildung)
  • Foto: CC0 Public Domain, https://pixabay.com
    Innovation und digitale Technologien sollen helfen, den gesellschaftlichen Wandel zu bewältigen.
Anfang des Jahres stellte die EU-Kommission den Aktionsplan für digitale Bildung (Digital Education Action Plan) vor. Er skizziert, wie die EU Individuen, Bildungseinrichtungen und Bildungssysteme in Hinblick auf die digitale Transformation unterstützen möchte. Die Entwicklung relevanter digitaler Kompetenzen sei im Zeitalter rasanten digitalen Wandels sowohl beruflich als auch privat dringend nötig, so die Kommission.

 

Eine „lebenslange Investition in digitale Kompetenzen" soll entlang dreier Prioritätsachsen forciert werden. Auf Erwachsenenbildung verweist die Kommission dabei vor allem in der zweiten Prioritätsachse.

 

Priorität 1: Digitale Technologien besser für das Lehren und Lernen einsetzen

Innerhalb der ersten Prioritätsachse ist die Erarbeitung eines Qualifikationsrahmens zur Ausstellung digital zertifizierter Qualifikationen und zur Validierung digital erworbener Kompetenzen geplant. Dieser Rahmen soll mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) sowie mit der Klassifizierung ESCO abgestimmt werden. Außerdem soll es einen Ausbau von Weiterbildungen für Lehrende im Kontext digitaler Technologien geben.

 

Das SELFIE Tool – ein Selbstreflexionstool für digital kompetente Bildungseinrichtungen – soll zudem für Lehrkräfte und Lernende zur Verfügung stehen. Es basiert auf dem Rahmen für digital kompetente Bildungseinrichtungen (Conceptual Framework for Digitally Competent Educational Organisations). Zwar bezieht sich SELFIE auf den Schulbereich, die Idee eines Selbstreflexionstools scheint aber auch für Erwachsenenbildungseinrichtungen vielversprechend.

 

Priorität 2: Relevante Kompetenzen für die digitale Transformation entwickeln

Hier geht der Aktionsplan auf die fünf Kompetenzdimensionen aus dem Digital Competence Framework (DigComp) ein, nämlich Informations- und Datenkompetenz, Kommunikation und Zusammenarbeit, Erstellung digitaler Inhalte, Schutz und Sicherheit sowie Problemlösung.

 

DigComp soll ein gemeinsames Verständnis von digitalen Kompetenzen unterstützen und Menschen dazu befähigen, digitale Technologien selbstbewusst und verantwortungsvoll zu verwenden. Der Referenzrahmen ist online kostenlos zugänglich und kann sektorübergreifend verwendet werden, beispielsweise in der Entwicklung von Curricula oder Assessment-Tools. Damit ist der Rahmen auch für die Arbeit von ErwachsenenbildnerInnen relevant.

 

In der zweiten Prioritätsachse wird auch explizit auf die Erwachsenenbildung verwiesen – und zwar auf die Initiative „Weiterbildungspfade" (Upskilling Pathways). Dabei geht es um die Entwicklung eines Konzeptes, um die digitalen Kompetenzen der vielen Millionen Erwachsenen mit geringen Qualifikationen oder niedrigem Bildungsniveau zu verbessern.

 

Priorität 3: Bildungssysteme durch bessere Datenanalyse und Vorausplanung verbessern

Die Kommission möchte Schlüsseltrends in der Digitalisierung genauer beobachten, um diese für Bildungssysteme nutzbar zu machen. Im Aktionsplan ist dazu die Rede von „Umfragen und Studien über die Digitalisierung in allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen" – die Erwachsenenbildung wird nicht explizit angesprochen. Zugleich liefern gerade Studien über die digitale Transformation der Erwachsenenbildung, wie sie etwa aus Deutschland oder der Schweiz bereits vorliegen, wertvolle Informationen über die Bedürfnisse der Lernenden.

 

EAEA: „Zu wenig Erwachsenenbildung im Digitalen Aktionsplan"

Der europäische Erwachsenenbildungsverband EAEA kritisierte in einem Statement den engen Fokus des Aktionsplans. Die Kommission dürfe nicht vergessen, dass die digitale Transformation gerade für Erwachsene eine zentrale Herausforderung darstelle, so der EAEA. Der Verband würde eine LLL-basierte Strategie begrüßen, die den Aktionsplan, die New Skills Agenda und das Digital Competence Framework auf kohärente Weise zusammenfasst.

 

Warum digitale Kompetenzen gerade für Erwachsene wichtig sind

Angesichts dessen, wie schnell die digitale Transformation voranschreitet, ist es nicht genug, darauf zu vertrauen, dass junge Menschen digitale Kompetenzen entwickeln. Viele Menschen, die derzeit im Berufsleben stehen, werden noch jahrelang arbeiten müssen – auch sie müssen die Gelegenheit bekommen, ausreichend digitalen Kompetenzen zu entwickeln, um sich am Arbeitsmarkt „behaupten" zu können. Dies ist umso mehr so, als Digitalisierung ein „nachwachsendes Lernfeld" darstellt – das benötigte Wissen und die benötigten Fertigkeiten unterliegen einer ständigen Veränderung. Menschen müssen also die Möglichkeit erhalten, kontinuierlich weiterzulernen.

 

Nächste Schritte: Wie es weitergehen soll

Der Aktionsplan für digitale Bildung soll bis 2020 umgesetzt werden und zwar durch eine Zusammenarbeit der Kommission mit der ET2020 Arbeitsgruppe für digitale Kompetenzen. Der Aktionsplan ist Teil des größeren Vorhabens der Kommission, einen europäischen Bildungsraum zu schaffen, und versteht sich als Ergänzung zu gemeinsamen Werten und Schlüsselkompetenzen.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa