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Bildung für Nachhaltige Entwicklung: EB hat Sensibilisierungsfunktion

15.09.2017, Text: Christine Bärnthaler und Una Ponsold, Redaktion: Christine Bärnthaler, Online-Redaktion
Migrationsforscherin Petra Wlasak sieht die Aufgabe der Erwachsenenbildung im Rahmen von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (kurz: BNE) darin, die Bevölkerung für die ungleiche Verteilung und Verknappung von Ressourcen zu sensibilisieren.
  • Foto: CC0 Public Domain, Domainkaboompics/pixabay.com, "rucola", https://pixabay.com/en/rucola-argula-sproutus-grow-791380/
    Erwachsenenbildung kann dafür sensibilisieren, dass Ressourcen begrenzt und ungleich verteilt sind.

Erwachsenenbildung leistet wichtigen Beitrag zu BNE

Laut Petra Wlasak vom Regionalen Zentrum für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (kurz: RCE Graz Styria) kommt der Erwachsenenbildung im Kontext von BNE eine Schlüsselrolle zu. Erwachsenenbildung kann dafür sensibilisieren, dass Ressourcen begrenzt und ungleich verteilt sind. Migration und Flucht können aufgrund dieser ungleichen Verteilungen entstehen. Um dafür ein Bewusstsein zu schaffen, können Erwachsenenbildungseinrichtungen gezielt Bildungsangebote für Betroffene und Interessierte zu den Themen Sprache, Migration und Flucht anbieten. Außerdem ist es wichtig, Basiswissen für Freiwillige über Flucht und Asyl bereitzustellen. Zusätzlich kann die Erwachsenenbildung Begegnungsmöglichkeiten schaffen und für MigrantInnen im Rahmen von Veranstaltungen Systemwissen über Krankenversicherungen, Sozialämter etc. bereitstellen.

 

BNE und Migration

„BNE ist „für MigrantInnen und Flüchtlinge essentiell für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft für und durch alle". Ziel von BNE ist es, für lokale Herausforderungen Lösungen zu entwickeln, so Wlasak. In Arbeitsteams findet dazu ein Wissens- und Ressourcenaustausch statt, von dem alle Beteiligten profitieren sollen. Die Arbeit erfolgt dabei in drei Phasen: Zuerst wird Vertrauen aufgebaut, dann wird Wissen ausgetauscht. Auf Basis dessen werden Lösungsstrategien entwickelt, die schließlich umgesetzt werden. Die Themen Migration und Flucht wurden bisher allerdings kaum von BNE beachtet. Das RCE Graz Styria will dies ändern. Deshalb arbeitete RCE Graz Styria an zwei Projekten mit, die sich mit den Themen Migration und Flucht beschäftigen.

 

Neue Perspektiven durch Erfahrungsaustausch

Das RCE Graz-Styria und das Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz organisierte einen Workshop für Flüchtlinge. Dieser beschäftigte sich mit dem Thema „Geographie Österreichs". Lehrende der Uni Graz kümmerten sich um die Organisation. Lehramtsstudierende konzipierten den Workshop. Der Workshop fand direkt vor Ort z.B. in Flüchtlingsquartieren statt, um niederschwellig zugänglich zu sein. Studierende berichteten, dass sie während der Durchführung mit den Flüchtlingen in einen Dialog kamen. Es entwickelten sich Gespräche zu Themen wie Fluchtgründe oder Lebenssituationen. Alle Beteiligten empfanden diesen Erfahrungsaustausch als Bereicherung. Dadurch konnten neue Perspektiven eingenommen werden. Petra Wlasak hält fest, dass den Studierenden im Vorfeld erklärt wird, dass es nicht um eine Belehrung der von Flucht Betroffenen geht. Stattdessen sollen Studierende und Flüchtlinge in einen Austausch kommen, der für beide Parteien profitabel ist. Im Zentrum steht dabei immer ein wertschätzender Umgang miteinander.

 

Wissens- und Ressourcenerweiterung durch Zusammenarbeit

Das RCE Graz Styria führte außerdem eine Begleitforschung in Form von teilnehmenden Beobachtungen, ExpertInneninterviews, Workshops und einer Online-Umfrage durch. In einer Kleinstadt in Österreich formierten sich zwei Gruppen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Die Begleitforschung ergab, dass die Zusammenarbeit verschiedener AkteurInnen zur Ansammlung von Wissen und Ressourcen führte. Damit konnten Lösungen für lokale Probleme gefunden werden. So wurden unter anderem Spendensammlungen, Deutschkurse und Spielenachmittage für Kinder organisiert.

 

Netzwerken als Ressource

Die größte Herausforderung für die engagierten BürgerInnen war zunächst der Rechtfertigungsdruck gegenüber anderen BürgerInnen, berichtet Petra Wlasak. Außerdem war wenig Wissen über Herkunftsländer der Flüchtlinge und das Asylsystem vorhanden. Der Aufbau von Netzwerken erleichterte die erfolgreiche Implementierung der Flüchtlingshilfe und half engagierten Freiwilligen, sich gegenseitig zu unterstützen.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
ESF - Aktuelle Calls EBmooc