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Freiwillige als Lehrende und Lernende in der Erwachsenenbildung

27.03.2017, Text: Otto Rath, freier Redakteur/CONEDU, Redaktion: Karin Kulmer, Online-Redaktion
Beim Einsatz von Freiwilligen im Bildungsbereich geht es nicht nur um das Lehren. Durch freiwilliges Engagement können auch sinnvolle Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben werden.
  • Bild: CC0 first aid / pixabay.com
    Freiwillige sind auch Lernende
Ehrenamtlichkeit in der Erwachsenenbildung wird häufig unter dem Aspekt diskutiert, in welchen Bereichen Freiwillige (nicht) eingesetzt werden können und wie man deren Professionalisierung unterstützen könnte. Für die Erwachsenenbildung mindestens ebenso wichtig ist das Thema "Freiwillige als Lernende".

 

Formelle und informelle Freiwilligenarbeit

 

Die Unterschiede zwischen den Konzepten Ehrenamt, Freiwilligentätigkeit und Volunteering werden im 2. Freiwilligenbericht (2015) aufgegriffen. Zum Verständnis des Diskurses trägt die Unterscheidung von formeller Freiwilligenarbeit, die im Rahmen von Vereinen und Organisationen geleistet wird und informeller Freiwilligenarbeit auf privater Basis, die direkt zwischen Freiwilligen und LeistungsempfängerInnen stattfindet, bei. Der ohnehin höhere Anteil der informellen Freiwilligenarbeit (31% der österreichischen Bevölkerung) ist laut 2. Freiwilligenbericht im Vergleich zur formellen Freiwilligenarbeit (28% der österreichischen Bevölkerung) im Wachsen begriffen.

 

Einsatz von Freiwilligen im Bildungsbereich

 

"Die Erwachsenenbildung wäre ohne Ehrenamt nicht denkbar." (Alice Fleischer, Wifi Österreich, Vorsitzende der Konferenz der Erwachsenenbildung Österrreichs - KEBÖ). Überall dort, wo es um die Vermittlung von Praxis und von Erfahrung geht, wird der Einsatz von Freiwilligen begrüßt, vorzugsweise gemeinsam mit Hauptamtlichen. "Die Mischung macht‘s", hält Sabine Letz vom Verband österreichischer gewerkschaftlicher Bildung (VÖGB) fest.

 

Die Kombination von Ehrenamt und ExpertInnen kommt auch im Kontext von Deutschkursen, etwa in der Flüchtlingshilfe, zum Tragen. Freiwillige werden hier als LernpartnerInnen und UnterstützerInnen  eingesetzt. Im Projektcall des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds wird festgehalten, dass die "Sprachkenntnisse Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowohl niederschwellig mit ehrenamtlicher Unterstützung als auch in strukturierter, qualitativ entsprechender Form zu vermitteln" sind.

 

Der Einsatz von Freiwilligen in der Bildungsarbeit wird jedoch auch kritisch gesehen: "Problematisch sehe ich es in jenen Bildungsbereichen, wo ein Verdrängungsprozess vom qualifizierten Fachpersonal zur Freiwilligenarbeit stattfindet. Dies hat nicht nur negative arbeitsmarktpolitische Auswirkungen für Lehrende, auch die Qualität ist nicht sichergestellt." (Eva Braun, Referentin für Weiterbildungspolitik an der Arbeiterkammer Wien)

 

Freiwillige als Lernende

 

Wolfgang Kellner hält in seinem Vortrag am BIFEB zum Thema "Freiwilliges Engagement im Gemeinwesen" fest, dass Freiwillige im formalen, non-formalen und informellen Bereich Lernprozesse durchlaufen und so auch Lernende in der Erwachsenenbildung sind. Sie erhalten zum Teil formale Ausbildungen und Zertifizierungen, etwa im Blaulichtbereich. Im non-formalen Bereich nehmen sie an Weiterbildungen in ehrenamtlichen Organisationen teil. Um die professionelle Gestaltung dieser Bildungsangebote zu unterstützen stellt das Freiwilligenweb des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz Leitfäden zur Verfügung.

 

Zentrale Lernprozesse in der ehrenamtlichen Tätigkeit laufen informell ab. Sie finden in der praktischen Tätigkeit und im Austausch zwischen Ehrenamtlichen und ExpertInnen statt und es besteht ein großes Bedürfnis, die so erworbenen Kompetenzen auch sichtbar zu machen.

 

Qualifikationen darstellen

 

Die Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen der Freiwilligen ist in der österreichischen LLL-Strategie 2020 vorgesehen. In der Aktionslinie 6 wird die "Aufwertung von ehrenamtlichem Engagement und Freiwilligenarbeit durch umfassende Anerkennungsverfahren für informell erworbene Fertigkeiten und Kompetenzen" als notwendige Maßnahme formuliert, die mit der im Rahmen der Aktionslinie 10 entwickelten Validierungsstrategie umgesetzt werden kann.

 

Es herrscht Konsens in Bezug auf die Sinnhaftigkeit der Validierungsstrategie für das Ehrenamt: „Die Validierungsstrategie ist eine Chance für die Freiwilligenarbeit, da die vorhandenen Kompetenzen anerkannt werden und es ist dies auch ein Beitrag zur Professionalisierung des Ehrenamtes. Die Anerkennung gibt dem Ehrenamt den Stellenwert, der ihm zusteht.“ (Alice Fleischer) Auch Sabine Letz betont diese Notwendigkeit: „Die Umsetzung der Validierungsstrategie muss vorangetrieben werden, vor allem für Ehrenamtliche entsteht dadurch ein großer Nutzen.“ Als Unterstützung für die Validierung der Kompetenzen im Kontext der Ehrenamtlichkeit wird auf das Kompetenzenportfolio verwiesen, das vom Ring österreichischer Bildungswerke entwickelt wurde.

 

Erworbene Kompetenzen nutzen

 

Auch wenn die berufliche Qualifikation laut 2. Freiwilligenbericht nicht als primäres Motiv für eine ehrenamtliche Tätigkeit ins Treffen geführt wird, ergänzen die möglichen Vorteile im Beruf den Altruismus als Motivation. Die Nutzbarkeit in Hinblick auf Lebenslauf und beruflicher Karriere wird verstärkt, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit mit Weiterbildungsmöglichkeiten sowie mit Validierungsverfahren und Kompetenzportfolio verbunden ist. 93% der Unternehmen stimmen der Aussage zu, dass durch freiwilliges Engagement Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben werden können, die auch für den Beruf Nutzen bringen.