Klimaschutz in der Erwachsenbildung etablieren
Der Weltklimarat fordert, CO₂-Emissionen durch politische, wirtschaftliche und individuelle Maßnahmen zu begrenzen. Er betont, dass unter anderem Bildung eine wesentliche Rolle spielt, um grundlegende Veränderungen in Richtung einer nachhaltigeren Gesellschaft anzustoßen.
Da der Klimawandel uns alle betrifft, sind auch Einrichtungen der Erwachsenenbildung aufgefordert, sich dieser Thematik zu widmen. Als gesellschaftliche Akteur*innen, Arbeitgeber*innen und regionale Partner*innen können Bildungsorganisationen Verantwortung für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft übernehmen. So werden sie zu mehr als „nur“ Orten der Wissensvermittlung. Neben Bildungsangeboten können sie Nachhaltigkeit und Klimaschutz auch in die eigenen Organisationsstrukturen integrieren. Und: Klimaschutz ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit von Erwachsenenbildungseinrichtungen.
Wie das funktionieren kann, zeigt eine Ausbildung des Arbeitsbündnisses Green Jobs in der Steiermark, der Klimacheck des Unternehmens ecoversum, und die steirische Initiative Klimaschutz in der Erwachsenenbildung.
Klimaschutz in der Erwachsenenbildung: Kompetenzen für eine nachhaltige Zukunft
Klimaschutz spielt in der Weiterbildung eine wachsende Rolle, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch arbeitsmarktpolitisch. Viele neue Berufsfelder, etwa in der Energieberatung, Green Tech oder nachhaltigen Landwirtschaft, setzen grundlegende Kenntnisse zu Klima und Umwelt voraus. Weiterbildungsangebote, die diese Themen aufgreifen, stärken daher sowohl das ökologische Bewusstsein als auch die beruflichen Chancen der Teilnehmenden.
Ein Beispiel dafür ist die 2023 entwickelte, trägerübergreifende Basisqualifizierung „Green Skills“, die gemeinsam von fünf Bildungspartner*innen des AMS Steiermark entwickelt wurde. Das 20-Stunden-Modul vermittelt Grundlagen zu Klimawandel und Klimaschutz, Energie und Mobilität sowie Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Ein begleitendes „Green Journal“ unterstützt die Teilnehmenden dabei, das Gelernte in den Alltag und in den eigenen Arbeitskontext zu übertragen. Allein 2024 haben bereits rund 1.600 Personen in der Steiermark diese Qualifizierung abgeschlossen.
Didaktisch steht im Vordergrund, die individuelle Handlungsfähigkeit zu stärken: Durch Bewusstseinsbildung, Wissenstransfer und praxisnahe Anregungen, die alle umsetzen können. Dieses Prinzip gilt auch für die Trainer*innen: Sie sind keine Klimaschutzexpert*innen, sondern interessierte Lehrende, die ein eigenes Train-the-Trainer-Programm absolvieren. Dadurch können sie die Inhalte flexibel an verschiedene Berufsbilder anpassen. Ergänzend steht eine gemeinsame Plattform mit zentralen Lehr- und Lernunterlagen zur Verfügung.
Klimaschutz implementieren: Der Klimacheck für Erwachsenenbildungsorganisationen
Damit Klimaschutz in Einrichtungen der Erwachsenenbildung umgesetzt werden kann, ist ein Organisationsentwicklungsprozess erforderlich. Das bedeutet, dass sich die Organisation bereit erklärt, ihre Strategien, Abläufe und Kulturen im Rahmen eines geplanten und langfristigen Prozesses in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu verändern.
Ein erfolgreiches Beispiel ist der von ecoversum entwickelte Klimacheck. Dieser Prozess begleitet Erwachsenenbildungseinrichtungen über mehrere Monate und ermöglicht es, systematisch Handlungsfelder am Standort und im Bildungsprogramm zu identifizieren, die für Klimaschutz relevant sind. Dazu gehören Themen wie Energieverbrauch, Mobilität oder Beschaffung, aber auch die Frage, wie Klimaschutz in Lehr- und Lernprozesse integriert werden kann.
Die steirische Initiative „Klimaschutz in der Erwachsenenbildung“
Die Initiative „Klimaschutz in der Erwachsenenbildung“ entwickelt und implementiert seit 2016 Angebote und Aktivitäten zum Klimaschutz in Organisationen der Erwachsenenbildung. Gefördert vom Land Steiermark unterstützt sie diese dabei, aktiv zur Erreichung der Klimaschutzziele beizutragen.
Die Initiative richtet sich mit ihren Tätigkeiten an eine möglichst breite Zielgruppe, von traditionellen Erwachsenenbildungseinrichtungen über beschäftigungspolitische Maßnahmen bis hin zu betriebliche Akademien. So kann die Initiative Lernaktivitäten von unterschiedlichsten Erwachsenen berücksichtigen. Mittlerweile beteiligen sich an der Initiative 48 Einrichtungen der Erwachsenenbildung und 33 selbstständige Trainer*innen. Sie erreichen mit ihren Klimaschutz-Aktivitäten jährlich weit über 300.000 Teilnehmende, Mitarbeitende und Kund*innen. Das sind rund 30% der steirischen Bevölkerung.
Wissen und Erfahrungen aus dem steirischen Projekt wurden im deutschsprachigen Raum weitergetragen. Daraus entstand etwa die Artikelserie zu Klimaschutz in der Erwachsenenbildung und das Dossier Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf erwachsenenbildung.at. Außerdem sind sie in den Klima-Check des SVEB für die Schweizer Erwachsenenbildung eingeflossen..
Noch ungenutzte Potenziale und Hindernisse
Damit ein nachhaltiger Wandel gelingen kann, sollten sich Erwachsenenbildungseinrichtungen zusammentun und gemeinsam für Klimaschutzbildung auftreten. Durch stärkere Kooperation und gemeinsame politische Positionierung können sie so viel mehr zur ökologischen Transformation beitragen als allein.
Große Potenziale liegen in betrieblichen Akademien: Trotz vorhandener Klimaabteilungen fehlt Mitarbeitenden oft das Verständnis für Maßnahmen und Veränderungen. Der „Klimacheck“ setzt hier an, indem er Unternehmen unterstützt, ein gemeinsames Klimaschutzbildungskonzept zu entwickeln, das Fachwissen ergänzt und Motivation sowie Verhaltensänderung fördert.
Vor allem begrenzte Ressourcen und fehlende Zeit bleiben Hindernisse. Niederschwellige Angebote können unterstützen, doch langfristig braucht es stärkere politische Verankerung. Didaktisch herausfordernd bleibt, Klimaschutz als Querschnittsthema in allen Bildungsformaten mitzudenken.
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