Den Ressourcenverbrauch von KI in der Erwachsenenbildung vermitteln

22.10.2025, Text: Nina Pauritsch, ecoversum, Redaktion: Redaktion/CONEDU
Bildungseinrichtungen können Digitalisierung und Klimaschutz gemeinsam denken, indem sie die Nutzung Künstlicher Intelligenz kritisch hinterfragen und ihre Umweltauswirkungen in der Bildungsarbeit aufgreifen.
Eine verschneite Landschaft mit eisigen Klippen und hohen Bergen. Mehrere Entdecker klettern und navigieren durch das verschneite Gelände, einige benutzen Seile, um Abgründe zu überbrücken. Unterhalb der Klippen befinden sich ein Netz aus Stromleitungen und Sendemasten, die sich über die Berge verteilen und die natürlichen und technologischen Elemente der Szene miteinander verbinden. Grafik: CC BY, Hanna Barakat & Archival Images of AI + AIxDESIGN , https://betterimagesofai.org

Künstliche Intelligenz (KI) verändert unsere Welt rasant. Ob beim Surfen im Internet, in der Textverarbeitung oder beim Einsatz von Chatbots wie ChatGPT – KI ist allgegenwärtig. Gleichzeitig verursacht ihre Nutzung erhebliche ökologische Belastungen. Im Rahmen des Projekts „Klimaschutz in der Erwachsenenbildung“ der Initiative „Klimabildung Steiermark“ war es ein zentrales Anliegen, Bewusstsein dafür zu schaffen und zu überlegen, wie diese Informationen in Bildungsprozesse eingebunden werden können, um zukunftsfähiges, umweltbewusstes Handeln zu fördern.

KI-Nutzung nimmt rasant zu

Die Zahl der KI-Nutzer*innen wächst rasant. Google verarbeitet täglich über 13 Milliarden Suchanfragen. ChatGPT zählt rund eine Milliarde Anfragen pro Tag von über 800 Millionen Nutzer*innen pro Woche. Weltweit entstehen derzeit etwa 34 Millionen KI-generierte Bilder täglich, bis zum Jahr 2026 soll diese Zahl auf bis zu 60 Millionen ansteigen. Die Nutzung von KI ist schon jetzt Teil unseres täglichen beruflichen und privaten Alltags.

In der Erwachsenenbildung eröffnet das Möglichkeiten, digitale Gewohnheiten zuallererst einmal bewusst zu machen und in Folge gezielt zu nutzen und zu hinterfragen sowie den Ressourcenverbrauch sichtbar zu machen. Informationen zur Entwicklung eines klimasensiblen Bildungsangebotes finden Bildungseinrichtungen in der E-Toolbox der Initiative „Klimabildung Steiermark“.

Hoher Energiebedarf durch Rechenzentren

Das Nutzen und Bereitstellen von KI benötigten neben einer Vielzahl an Ressourcen insbesondere große Mengen an Strom. Der Bedarf nach Rechenzentren nimmt laufend zu und die Dimensionen werden dabei immer gewaltiger. OpenAI baut zum Beispiel gerade in Abu Dhabi das „Stargate“ Project – ein Rechenzentrum, das in der Fläche größer sein wird, als Monaco und dessen Energiebedarf dem Output von fünf Atomkraftwerken entspricht. Das bisher größte Rechenzentrum in Österreich befindet sich in Wien Floridsdorf. Dort betreibt „Digital Realty“ ein Rechenzentrum mit 30 MW Anschlussleistung auf 21.000 m², das entspricht etwa dem Stromverbrauch eines Jahres von 75.000 Haushalten.

Prognosen zeigen: Der Strombedarf von Rechenzentren könnte sich bis 2030 verdoppeln – auf rund 945 Terawattstunden jährlich. Das entspricht dem gesamten Stromverbrauch von Japan. Bildungseinrichtungen können einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Fragen der Umweltauswirkungen von Rechenzentren leisten, indem sie Klimaschutz in der Lehre thematisieren und selbst innerhalb der Organisation tätig werden, indem sie zum Beispiel den eigenen Standort ganzheitlich mit Hilfe eines Klimachecks analysieren.

Bei der Auswahl von Hosting- oder Cloudanbietern haben Privatpersonen, Unternehmer*innen und Bildungseinrichtungen die Möglichkeit, den Anbieter aktiv auszuwählen und Informationen über den Standort des Rechenzentrums als auch über Zertifizierungen einzuholen. In Österreich gibt es zum Beispiel eine Richtlinie des österreichischen Umweltzeichens für Rechenzentren.

CO₂-Ausstoß durch KI-Anfragen

Jede ChatGPT-Anfrage erzeugt zwischen 0,5 und 4,32 Gramm CO₂. Bei einer Milliarde Anfragen täglich entstehen zwischen 500 und 4.320 Tonnen CO₂. Hochgerechnet ergibt das bis zu 1,6 Millionen Tonnen CO₂ im Jahr. Auch Google verursacht durch Suchanfragen etwa 1 Million Tonnen jährlich. Zusammengenommen entspricht das dem CO₂-Ausstoß von mehr als einer Millionen Autos.

In der Erwachsenenbildung kann man diese Zahlen in einfache Vergleiche übersetzen und Diskussionen über digitale Achtsamkeit und Effizienz anregen. Etwa zur Frage: Muss jede Suchanfrage wirklich sein? Oder: Wie lassen sich digitale Tools effizient und nachhaltig nutzen?

Kryptowährungen: Digital, aber nicht klimaneutral

Auch Kryptowährungen können in der Erwachsenenbildung als Thema aufgegriffen werden. Derzeit existieren weltweit mehr als 17.000 Kryptowährungen und etwa 659 Millionen Menschen weltweit investieren in sie. Das Schürfen (Mining) von Kryptowährungen benötigt zwischen 124 und 143 Terawattstunden pro Jahr – das ist vergleichbar mit dem Stromverbrauch von Schweden. Da Mining meist im Verborgenen passiert und es hierzu keine offiziellen Zahlen gibt, geht man diesbezüglich von Schätzungen aus.

Kryptomining wird meist in Ländern mit günstigen Stromtarifen betrieben, dies sind dann allerdings oft Länder, in denen der Strom aus Kohlekraftwerken oder AKWs kommt. Tools wie die World Electricity App können im Unterricht genutzt werden und zeigen, wo welche Energiequellen genutzt werden und wie hoch die CO₂-Emissionen sind, die dadurch entstehen.

Fazit

Projekte wie „Klimaschutz in der Erwachsenenbildung“ bieten die Chance, diese komplexen Zusammenhänge praxisnah und verständlich zu vermitteln. Wer in der Erwachsenenbildung tätig ist, kann durch Aufklärung, Reflexion und konkrete Handlungstipps dazu beitragen, Digitalisierung und Klimaschutz gemeinsam zu denken – und so einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Transformation leisten.

 

Serie und Dossier zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Hochwasser, Waldbrände, Hungersnot – Expert*innen der Klimaforschung warnen vor den Folgen extremer Wettereignisse durch den Klimawandel. Bildung ist gefordert Aufklärungsarbeit zu leisten, Diskurse zu ermöglichen und „grüne“ Kompetenzen zu fördern. Wo setzt die Erwachsenenbildung an? In der Serie „Klima- und Umweltschutzbildung“ und dem Dossier „Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung“ widmen wir uns dieser Frage.

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