Frauen im ländlichen Raum: Zwischen Tradition, Verantwortung und Aufbruch

15.10.2025, Text: Christine Feiner-Laner, AndersOrt Haus der Frauen, Redaktion: Sabine Schnepfleitner, Redaktion/CONEDU
Frauen tragen Familie, Beruf und Gemeinschaft – und bleiben oft unsichtbar. „AndersOrt Haus der Frauen“ macht zum Internationalen Tag der Frauen in ländlichen Gebieten sichtbar, wie Bildung Frauen stärkt und neue Wege eröffnet.
Frauen diskutierten im März 2025 beim österreichweit vernetzten Barcamp zum Thema "Frau*Sein - Spagat zwischen Erwartung und Realität"
Foto: Alle Rechte vorbehalten, AndersOrt Haus der Frauen, auf erwachsenenbildung.at

Frauen in ländlichen Regionen stemmen viel und viel davon im Verborgenen. Sie sind Rückgrat, Kümmerer, Macherinnen und oft die tragende Säule des sozialen Lebens. Anlässlich des „Internationalen Tag der Frauen in ländlichen Gebieten“ gibt „AndersOrt Haus der Frauen“ einen Einblick in die Lebenssituation von Frauen in der Oststeiermark, zwischen traditionellen Rollenbildern und modernen Lebensentwürfen, und wie Bildung sie unterstützen kann.

Frauen in der Oststeiermark als kaum sichtbares Fundament der Gesellschaft

Die Oststeiermark bietet eine hohe Lebensqualität und ist geprägt durch die Landwirtschaft und ihre aktiven Gemeinden. Frauen übernehmen hier viele Rollen: sie führen den Haushalt, betreuen Kinder, pflegen Angehörige – und arbeiten im landwirtschaftlichen Familienbetrieb und/oder in einem Teilzeitjob. Ihre Arbeit wird jedoch selten angemessen sichtbar gemacht oder abgesichert.

Gut bezahlte Jobs in der Region sind begrenzt. Viele Frauen arbeiten im Handel, im Pflegebereich oder im Tourismus. Berufliche Weiterbildung ist durch Betreuungspflichten und mangelnde Mobilität zusätzlich erschwert.

Besonders betroffen sind ältere Frauen, Alleinerziehende oder Frauen mit Pflegeverantwortung. Viele von ihnen erleben finanzielle Unsicherheit, mangelnden Zugang zu Unterstützungseinrichtungen oder schlichtweg soziale Isolation – weil Mobilität, Infrastruktur und spezialisierte Angebote fehlen.

Bildung und Beruf: Wer „weiter“ will, muss oft weg

Obwohl die Oststeiermark einige starke Bildungseinrichtungen bietet, sind höhere Bildungswege oft mit Mobilität verbunden. Junge Frauen, die studieren oder sich beruflich weiterentwickeln möchten, müssen häufig in Städte wie Graz, Wien oder Leoben, ausweichen. Das führt dazu, dass sie in der Region keine langfristige Perspektive erkennen – und nicht zurückkehren. Dieser „Brain Drain“ schwächt nicht nur das regionale Fachkräftepotenzial, sondern auch die Sichtbarkeit lokaler weiblicher Vorbilder. Angebote von Frauenbildung in der Region können Frauen auf ihrem Lebens- und Berufsweg unterstützen und mögliche Perspektiven vor Ort zeigen.

Chance Bildung vor Ort – Empowerment für Frauen

„AndersOrt Haus der Frauen“, ein diözesanes Bildungshaus in St. Johann bei Herberstein, setzt genau hier an: mit einem Bildungs- und Erholungsprogramm speziell für Frauen. Oberstes Ziel ist das Empowerment von Frauen.

Die Inhalte sind breit gefächert. Neben persönlichkeitsbildenden Angeboten beispielsweise zu selbstsicherem Auftreten, Verhandlungssicherheit oder Resilienz, sind insbesondere die angebotenen Lehrgänge wie der „Diplomlehrgang Achtsamkeit“ oder auch der „Theologische Fernkurs“ bedeutend. Sie ermöglichen neben persönlicher Entwicklung auch Vernetzung - dabei entstehen oft langjährige Freundschaften.

Begleitete Auszeiten für Frauen

Frauen zu stärken heißt für den „AndersOrt“ als Bildungshaus auch den Erhalt oder das Erlangen eines ganzheitlichen Gesundheitszustandes zu unterstützen. Auszeiten sind dabei wesentlich, um aus dem alltäglichen Hamsterrad auszusteigen, sei es nach Pflegeverpflichtungen, Erholung nach Krankheiten oder als Zeit für sich selbst. Mit den „Wohlfühltagen“ bietet das Bildungshaus begleitete Auszeiten mit persönlichkeitsstärkenden Anteilen. Finanziell unterstützt wird das Angebot für Frauen vom Verein „Wir für das Haus der Frauen“.

Für Referent*innen, Initiativen, Unternehmen und kirchliche Gruppen gibt es zudem die Möglichkeit, Seminarräume, Zimmer und Verpflegung zu buchen. Damit erreichen sie nicht nur Frauen in ländlichen Gebieten, sie nutzen einen Lernort mitten im Grünen, der öffentlich erreichbar ist.

Der Wandel von Frauenbildung im ländlichen Bereich

Trotz aller Herausforderungen ist in der Oststeiermark aber auch ein positiver Wandel spürbar. Immer mehr Frauen vernetzen sich regional, bringen sich politisch ein oder gründen eigene Initiativen wie beispielsweise „Von Mama zu Mama“. Frauenberatungsstellen setzen wichtige Impulse und das EU-Programm LEADER unterstützt gezielt Frauenprojekte im ländlichen Raum und Community Education-Projekte. Auch die Bundes- und Landespolitik greift vermehrt Themen wie familienfreundliche Betriebe und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf. Das ist besonders wichtig, wenn es kaum finanzielle Förderungen für Bildungsangebote außerhalb des Fachbereichs gibt.

Zudem eröffnen digitale Arbeitsformen, flexible Weiterbildungsangebote und regionale Frauen-Netzwerke neue Chancen - vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen.

Erste Schritte in die richtige Richtung sind getan. Aber es bleibt noch viel zu tun – insbesondere braucht es mehr Frauen in Führungspositionen. Diese Frauen wirken als wichtige Role Models künftiger Generationen und haben die Möglichkeit, den Wandel mitzugestalten – für eine echte Gleichwertigkeit von Frauen und Männern, auch am Land.

Weitere Informationen:
Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.

Verwandte Artikel