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Sammelband: Professionelle Erwachsenenbildung im digitalen Wandel

04.10.2019, Text: Birgit Aschemann, Online-Redaktion
Schweizer Neuerscheinung zeigt Gestaltungsoptionen und Perspektiven für professionelles Handeln im Zeitalter der digitalen Erwachsenenbildung auf.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, CONEDU/Kulmer, auf erwachsenenbildung.at
    Der Sammelband bezieht vielfältige Perspektiven ein, um ein Gesamtbild des professionellen erwachsenenbildnerischen Handelns unter den Bedingungen der Digitalisierung zu liefern.
„Der digitale Wandel betrifft den Weiterbildungsbereich in vielfältiger Weise: Technologische Umbrüche werden zu Themen von Bildungsangeboten, Anbieter entwickeln Digitalisierungsstrategien, neue AkteurInnen drängen auf den Markt, Aus- und Weiterbildende müssen über neue Kompetenzen verfügen, Lehr- und Lernprozesse werden digital gestützt. Digitalisierung und Lernen, der neueste Band in der Reihe Forum Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung, zeigt auf, wie unter diesen Voraussetzungen professionelles Handeln in der Weiterbildung gestaltet werden kann. "Die Beiträge dieses Bandes stecken ein Feld von Digitalisierung, Weiterbildung und Lernen ab und zeigen eine Vielfalt der Themen, die in diesem Zusammenhang zu diskutieren sind", so die HerausgeberInnen Irena Sgier und Erik Haberzeth.

 

Digitalisierung und EB: Welche Perspektiven sind wichtig?

Der Sammelband bezieht mehrere Perspektiven ein, um ein Gesamtbild des professionellen erwachsenenbildnerischen Handelns unter den Bedingungen der Digitalisierung zu liefern: Es sind die Inhaltsebene, die Lehr-Lern-Ebene, die Organisationsebene, die Systemebene und die Ebene der Professionalität. Digitalisierung wird dabei als Prozess betrachtet, der zu einer Kultur der Digitalität überleitet – so Felix Stalder in seinem Beitrag zum Sammelband.

 

Zu selten thematisiert: der Kontext

Auf der Inhaltsebene halten die HerausgeberInnen fest, dass Digitalisierung als Thema und Inhalt von Bildungsangeboten bislang vorrangig berufsbezogene Medienkompetenz umfasst. Das entspricht einem anforderungsorientierten Zugang. Demgegenüber seien Angebote aus einer subjektorientierten Sicht – welche auch die Folgen der Digitalisierung für die Gesellschaft und die Grenzen der Digitalisierung umfasst – zu wenig vertreten. Analog dazu kritisieren sie auf der Lehr-Lern-Ebene, dass Weiterbildungsangebote für ErwachsenenbildnerInnen vorrangig ein instrumentelles Bedürfnis nach Methodenkenntnis befriedigen, ohne dabei einen größeren Kontext zu thematisieren. Auch hier wird eine Perspektiven-Erweiterung nachdrücklich empfohlen.

 

Was überraschen könnte: Bedrohungen

Es klingt überzeugend, dass eine künstliche Intelligenz mangels körperlich-sinnlicher Wahrnehmung dem Menschen partiell unterlegen ist (wie von Böhle et al gezeigt wird). Dass die Digitalisierung in Summe dennoch eine Bedrohung für die Erwachsenenbildung sein kann, zeigt der Beitrag von Ronald Schenkel anhand des Vergleichs mit der Medienbranche. Auf der Systemebene könnten neue Abhängigkeiten und neue Groß-Konkurrenten – beide gibt es schon – bald eine massive Veränderung am Weiterbildungsmarkt nach sich ziehen. Onlineplattformen und soziale Medien bewirken eine „Entmonopolisierung" der Weiterbildung (so Schenkel). Nicht nur diese Konkurrenzsituation, sondern auch geänderte Nutzungs- und Lerngewohnheiten (Lernen on Demand) dürfte eine veränderte Nachfrage in der Erwachsenenbildung bewirken.

 

Was tun? Reaktionen der Erwachsenenbildung

Auf der Organisations- und Planungsebene wird die erwachsenenbildnerische Praxis zur Digitalisierung mit aktuellen empirischen Daten aus der Schweiz hinterlegt. Einer relativ hohen Veränderungserwartung und strategischen Bedeutung der Digitalisierung steht bei den Anbietern eine geringe Nutzung von Technologien bei geringen finanziellen Möglichkeiten und geringen wahrgenommenen Kompetenzen gegenüber, so Sgier, Haberzeth und Schüepp: „Die Weiterbildungsinstitutionen erwarten keine Revolution, gehen aber doch davon aus, dass die Digitalisierung die Weiterbildung in den nächsten Jahren maßgeblich verändern und transformieren wird. Darauf reagieren sie gemäß dieser Studie hauptsächlich mit steigenden Anforderungen an ihr Personal."

 

Wie wird professionelles Handeln möglich?

Medienpädagogische Anforderungen, Kompetenzen und Professionalisierungswege von ErwachsenenbildnerInnen werden in mehreren Beiträgen angesprochen. Karin Julia Rott und Bernhard Schmidt-Hertha stellen das MEKWEP-Modell für die medienpädagogische Kompetenz von ErwachsenenbildnerInnen vor und zeigen auf, dass diese weniger mit dem Alter zusammenhängt als erwartet. Konkrete Weiterbildungsbedarfe und individuelle Möglichkeiten der Kompetenzentwicklung werden schließlich von Matthias Rohs konkretisiert, der auch mögliche Veränderungen des Berufsbilds unerschrocken unter die Lupe nimmt.

 

Fazit

"Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass die Weiterbildung als Bildungsbereich im Zuge der Diskussion um die Digitalisierung weiter in ihrer Bedeutung aufgewertet wird", meinen Erik Haberzeth und Irina Sgier im Einleitungskapitel zum Sammelband. Was das im Detail und in aller Komplexität bedeuten kann, illustrieren die vielfältigen Beiträge aus verschiedenen Perspektiven. Genau diese Perspektivenvielfalt und -auswahl ist es, die den Band besonders lesenswert macht. Wer sich erstmals mit der Thematik befasst, bekommt einen guten Überblick. Wer sich längerfristig in die Debatte vertieft, wird von einigen aktuellen Beiträgen überrascht sein.

 

Haberzeth, Erik / Sgier, Irina (Hg.) (2019): Digitalisierung und Lernen. Gestaltungsperspektiven für das professionelle Handeln in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Reihe: Forum Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung, Band 8. Bern: hep verlag. 216 Seiten, CHF 32,00. ISBN: 978-3-0355-1334-9

Weitere Informationen:
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