kommentar der expertinnen

In Österreich beschäftigt sich eine Vielzahl von ExpertInnen mit lebenslangem Lernen. Verschiedenste Fragestellungen, die nicht allein das Kernthema selbst, sondern auch weiterführende und grenzüberschreitende Inhalte betreffen, werden behandelt. Zur Weiterentwicklung und Umsetzung lebenslangen Lernens tragen Personen bei, die sich in politischen Entscheidungspositionen befinden, die in Kammern und Standesvertretungen, in politischen Gremien und in Fachabteilungen der öffentlichen Verwaltung tätig sind.

Im Folgenden finden Sie Kommentare von WissenschafterInnen, die unterschiedliche forschungsgestützte Perspektiven verdeutlichen.

Univ.-Prof.in Dr.in Lynn A. Chisholm, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

"Zu einer Welt des lebenslangen Lernens im 21. Jahrhundert gehören Bildungswelten, die persönliche Entfaltung, soziale und berufsbezogene Inklusion sowie aktive Partizipation im gesellschaftlichen und politischen Leben fördern. Alle sollten hiernach die Möglichkeit erhalten, ihr jeweiliges Potenzial im Laufe des Lebens auf verschiedene Art und Weise in vollem Umfang und im Einklang mit ihren eigenen Lebensentwürfen aktiv zu entfalten. In den kommenden Jahren geht es vor allem um die Frage, wie eine solche Vision des lebenslangen Lernens - als integrierende, offene Bildungsarchitektur und in ausdifferenzierten pädagogischen Kontexten - erfolgreich in der Praxis verwirklicht werden kann." (Innsbruck, Februar 2006)

Univ.-Doz. Dr. Wilhelm Filla, Verband Österreichischer Volkshochschulen

"In Österreich fällt die Neigung unangenehm auf, sich von ‚lebenslang' zugunsten von ‚lebensbegleitend' mit der Begründung zu distanzieren, jenes weckt Assoziationen an Gefängnisse. Lernen mit Gefängnissen in Verbindung zu bringen ist verräterisch. ‚Lebenslang' ist allerdings vom implizit angedeuteten ‚Muss' her problematisch." (Wien, Februar 2006)

Univ.-Prof.in Dr.in Elke Gruber, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

"Lebensbegleitende Bildung klingt nach einer wunderbaren Idee: sich lernend verwandeln und das ein Leben lang. Doch wie wird sie umgesetzt? Gerade die ‚Bildungslücke' in der zweiten Lebenshälfte scheint hierzulande wenige zu interessieren." (Klagenfurt, März 2006)

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Jütte, Donau-Universität Krems

"Konzepte lebenslangen Lernens sind vielfältig und erfahren Wandel. Ich halte die im UNESCO-(Delors-)Bericht über Bildung für das 21. Jahrhundert (1996) formulierten vier Pfeiler von Bildung bedeutsam: Learning to know, Learning to do, Learning to live together, Learning to be (Wissen lernen, Handeln lernen, Zusammenleben lernen, Sein lernen). Die dort formulierten Prinzipien entspringen einem humanistischen Verständnis und nehmen Bezug auf eine sich entwickelnde Weltgesellschaft." (Krems, März 2006)

Univ.-Prof. Dr. Werner Lenz, Karl-Franzens-Universität Graz

"'Lebenslanges Lernen' als europäisches Bildungskonzept ist eine komplexe - unabgeschlossene - Antwort auf die komplexe - unabgeschlossene - Entwicklung von Gesellschaft und Lebenswelt. Wir brauchen Institutionen, Anlässe und Gelegenheiten, die die Selbstlernfähigkeit fördern und pflegen. Wir brauchen Lehrpersonal, das nicht überwiegend belehrt, sondern Lernen und Weiterlernen anregt." (Graz, Februar 2006)

Mag. Peter Schlögl, Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung

"Der Anspruch lebenslang zu lernen mag vordergründig eine anmaßende Anforderung an Individuen sein. Bei genauerer Hinsicht zeigt sich jedoch, dass das Konzept - so vage es in den bildungspolitischen Diskursen auch gefasst sein mag - im Grunde das Programm einer radikalen Gesamtreform der Bildungssysteme darstellt. Diese Gesamtreform stellt darauf ab, alle Bildungsmöglichkeiten in allen Lebensphasen und -abschnitten aufnehmen oder beispielsweise mit Erwerbs- oder Betreuungstätigkeiten verschränken zu können. Eine große Herausforderung besonders für unsere Schulen und Hochschulen." (Wien, Februar 2006)

Dr. Lorenz Lassnig, Institut für höhere Studien

"Lifelong Learning - praktisch | Zeit: Regentag im August 2006. Ort: Wirtshaus am Gosausee. Die Wirtin zu einem ihr gut bekannten Gast: "...was hast denn du da für ein neues super Auto da draußen steh'n?" Der Gast: "...da muss ich erst einen Sprachkurs machen, bevor ich diesen Namen aussprechen kann..."

Lifelong Learning - abstrakt | Lifelong learning ist ein Teil der Dynamik der "kreativen Zerstörung" in der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung und treibt andererseits diese Dynamik wiederum an. Als Alternative zur Förderung des lebenslangen Lernens wird der neoliberale Preis- und Lohnwettbewerb gesehen, der vermutlich höhere Kosten und einen schlechteren Gesamtausgang für unsere Gesellschaft hat - man könnte sagen: Teufel oder Beelzebub... --- wenn man schon den Teufel wählen muss, dann wenigstens ordentlich durchdacht - dafür brauchen wir eine nationale lifelong-learning-Strategie, die für das Zusammenspiel der drei Stützen des formalen, des nicht-formalen, und des informellen Lernens im Prozess des lebenslangen Lernens effektive und gerechte Lösungen entwickelt." (Wien, Oktober 2006)
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In Österreich beschäftigt sich eine Vielzahl von ExpertInnen mit lebenslangem Lernen. Verschiedenste Fragestellungen, die nicht allein das Kernthema selbst, sondern auch weiterführende und grenzüberschreitende Inhalte betreffen, werden behandelt. Zur Weiterentwicklung und Umsetzung lebenslangen Lernens tragen Personen bei, die sich in politischen Entscheidungspositionen befinden, die in Kammern und Standesvertretungen, in politischen Gremien und in Fachabteilungen der öffentlichen Verwaltung tätig sind.

Im Folgenden finden Sie Kommentare von WissenschafterInnen, die unterschiedliche forschungsgestützte Perspektiven verdeutlichen.

Univ.-Prof.in Dr.in Lynn A. Chisholm, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

"Zu einer Welt des lebenslangen Lernens im 21. Jahrhundert gehören Bildungswelten, die persönliche Entfaltung, soziale und berufsbezogene Inklusion sowie aktive Partizipation im gesellschaftlichen und politischen Leben fördern. Alle sollten hiernach die Möglichkeit erhalten, ihr jeweiliges Potenzial im Laufe des Lebens auf verschiedene Art und Weise in vollem Umfang und im Einklang mit ihren eigenen Lebensentwürfen aktiv zu entfalten. In den kommenden Jahren geht es vor allem um die Frage, wie eine solche Vision des lebenslangen Lernens - als integrierende, offene Bildungsarchitektur und in ausdifferenzierten pädagogischen Kontexten - erfolgreich in der Praxis verwirklicht werden kann." (Innsbruck, Februar 2006)

Univ.-Doz. Dr. Wilhelm Filla, Verband Österreichischer Volkshochschulen

"In Österreich fällt die Neigung unangenehm auf, sich von ‚lebenslang' zugunsten von ‚lebensbegleitend' mit der Begründung zu distanzieren, jenes weckt Assoziationen an Gefängnisse. Lernen mit Gefängnissen in Verbindung zu bringen ist verräterisch. ‚Lebenslang' ist allerdings vom implizit angedeuteten ‚Muss' her problematisch." (Wien, Februar 2006)

Univ.-Prof.in Dr.in Elke Gruber, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

"Lebensbegleitende Bildung klingt nach einer wunderbaren Idee: sich lernend verwandeln und das ein Leben lang. Doch wie wird sie umgesetzt? Gerade die ‚Bildungslücke' in der zweiten Lebenshälfte scheint hierzulande wenige zu interessieren." (Klagenfurt, März 2006)

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Jütte, Donau-Universität Krems

"Konzepte lebenslangen Lernens sind vielfältig und erfahren Wandel. Ich halte die im UNESCO-(Delors-)Bericht über Bildung für das 21. Jahrhundert (1996) formulierten vier Pfeiler von Bildung bedeutsam: Learning to know, Learning to do, Learning to live together, Learning to be (Wissen lernen, Handeln lernen, Zusammenleben lernen, Sein lernen). Die dort formulierten Prinzipien entspringen einem humanistischen Verständnis und nehmen Bezug auf eine sich entwickelnde Weltgesellschaft." (Krems, März 2006)

Univ.-Prof. Dr. Werner Lenz, Karl-Franzens-Universität Graz

"'Lebenslanges Lernen' als europäisches Bildungskonzept ist eine komplexe - unabgeschlossene - Antwort auf die komplexe - unabgeschlossene - Entwicklung von Gesellschaft und Lebenswelt. Wir brauchen Institutionen, Anlässe und Gelegenheiten, die die Selbstlernfähigkeit fördern und pflegen. Wir brauchen Lehrpersonal, das nicht überwiegend belehrt, sondern Lernen und Weiterlernen anregt." (Graz, Februar 2006)

Mag. Peter Schlögl, Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung

"Der Anspruch lebenslang zu lernen mag vordergründig eine anmaßende Anforderung an Individuen sein. Bei genauerer Hinsicht zeigt sich jedoch, dass das Konzept - so vage es in den bildungspolitischen Diskursen auch gefasst sein mag - im Grunde das Programm einer radikalen Gesamtreform der Bildungssysteme darstellt. Diese Gesamtreform stellt darauf ab, alle Bildungsmöglichkeiten in allen Lebensphasen und -abschnitten aufnehmen oder beispielsweise mit Erwerbs- oder Betreuungstätigkeiten verschränken zu können. Eine große Herausforderung besonders für unsere Schulen und Hochschulen." (Wien, Februar 2006)

Dr. Lorenz Lassnig, Institut für höhere Studien

"Lifelong Learning - praktisch | Zeit: Regentag im August 2006. Ort: Wirtshaus am Gosausee. Die Wirtin zu einem ihr gut bekannten Gast: "...was hast denn du da für ein neues super Auto da draußen steh'n?" Der Gast: "...da muss ich erst einen Sprachkurs machen, bevor ich diesen Namen aussprechen kann..."

Lifelong Learning - abstrakt | Lifelong learning ist ein Teil der Dynamik der "kreativen Zerstörung" in der heutigen wirtschaftlichen Entwicklung und treibt andererseits diese Dynamik wiederum an. Als Alternative zur Förderung des lebenslangen Lernens wird der neoliberale Preis- und Lohnwettbewerb gesehen, der vermutlich höhere Kosten und einen schlechteren Gesamtausgang für unsere Gesellschaft hat - man könnte sagen: Teufel oder Beelzebub... --- wenn man schon den Teufel wählen muss, dann wenigstens ordentlich durchdacht - dafür brauchen wir eine nationale lifelong-learning-Strategie, die für das Zusammenspiel der drei Stützen des formalen, des nicht-formalen, und des informellen Lernens im Prozess des lebenslangen Lernens effektive und gerechte Lösungen entwickelt." (Wien, Oktober 2006)