Interkulturelle Kompetenz

Definition

Interkulturelle Kompetenz wird heute häufig als aktuelle Schlüsselqualifikation propagiert. Sie beschreibt die Fähigkeit, auf Grundlage bestimmter Einstellungen und Handlungskompetenzen in interkulturellen Situationen angemessen und effizient zu interagieren.
Interkulturelle Kompetenz kann als Sammelbegriff für vielfältige Anforderungen in kommunikativer und sozialer Hinsicht gelten, die unter anderem Konfliktfähigkeit, Ambiguitätstoleranz, Empathie uvm. umfassen. Inwieweit dabei länder- oder kulturkundliches Wissen relevant ist, wird  unterschiedlich beurteilt und drückt sich auch dementsprechend in einer Fülle von Trainingsansätzen aus.
Interkulturelle Kompetenz beschreibt keinen fixen Kanon an Kenntnissen und Verhaltensweisen. Sie muss situationsspezifisch verankert werden und kann eher als eine auf einen reflektierten Umgang mit Selbst- und Fremdverstehen basierende Orientierung gedeutet werden.

Kritische Debatte

Im pädagogischen Diskurs wurde mehrfach kritisch auf die Problematik der Kulturalisierung hingewiesen, welche durch einen expandierenden Marktanteil interkultureller Kompetenztrainings aktueller denn je erscheint. Die Kritik  bezieht sich dabei sowohl auf die theoretischen Grundlagen als auch die Praxis mancher Bildungsveranstaltungen, in denen über vermeintliche kulturelle Eigenheiten von MigrantInnen (oder BewohnerInnen anderer Länder, mit denen z.B. berufliche Kooperationen aufgebaut werden sollen) informiert wird.
 
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Umstand, dass Bildungsangebote zur Förderung interkultureller Kompetenz vorwiegend Angehörige der Mehrheitsgesellschaft ansprechen und von "einheimischen TrainerInnen" geleitet werden. MigrantInnen kommt in diesem Gefüge letztlich nur ein Objektstatus zu - über sie wird gelernt.

Die Qualität interkultureller Trainingsansätze bemisst sich demnach auch daran, inwieweit über eine mögliche kulturelle Stereotypenbildung oder die Gefahr der Stabilisierung  (diskriminierender) gesellschaftlicher Verhältnisse reflektiert wird. Interkulturelle Kompetenz muss ein prozesshaftes Kulturverständnis sowie eine Kontextualisierung im jeweiligen gesellschaftlichen Rahmen implizieren. Der Lernprozess ist als offen, mehrdimensional und "lebenslang" zu begreifen. Perspektiven auf "Rassismus" und "Diskriminierung" sollten selbstverständlicher Bestandteil in interkulturellen Trainings sein. Die Partizipation von TrainerInnen mit Migrationshintergrund  ist wünschenswert. Solche werden beispielsweise derzeit im Integrationshaus Wien ausgebildet.

Interkulturelle Kompetenz in Organisationen

Im Zusammenhang mit Fragestellungen zur interkulturellen Öffnung von Organisationen wird interkulturelle Kompetenz heute nicht nur als individuelle Fähigkeit, sondern auch als Qualitätsstandard in Institutionen eingefordert. "Interkulturelle Orientierung" bezeichnet in diesem Kontext eine Zielsetzung für Einrichtungen, die sich einem Öffnungsprozess zuwenden. Selbst einschlägig geschulte MitarbeiterInnen können nur dann interkulturell kompetent handeln, wenn die Institution auch die entsprechenden Strukturen zur Verfügung stellt.
WEITERSAGEN: 
Nachrichten
themen
Interkulturelle Erwachsenenbildung
Migration: Neue Herausforderungen für die Erwachsenenbildung.
»mehr
esf

Interkulturelle Kompetenz

Definition

Interkulturelle Kompetenz wird heute häufig als aktuelle Schlüsselqualifikation propagiert. Sie beschreibt die Fähigkeit, auf Grundlage bestimmter Einstellungen und Handlungskompetenzen in interkulturellen Situationen angemessen und effizient zu interagieren.
Interkulturelle Kompetenz kann als Sammelbegriff für vielfältige Anforderungen in kommunikativer und sozialer Hinsicht gelten, die unter anderem Konfliktfähigkeit, Ambiguitätstoleranz, Empathie uvm. umfassen. Inwieweit dabei länder- oder kulturkundliches Wissen relevant ist, wird  unterschiedlich beurteilt und drückt sich auch dementsprechend in einer Fülle von Trainingsansätzen aus.
Interkulturelle Kompetenz beschreibt keinen fixen Kanon an Kenntnissen und Verhaltensweisen. Sie muss situationsspezifisch verankert werden und kann eher als eine auf einen reflektierten Umgang mit Selbst- und Fremdverstehen basierende Orientierung gedeutet werden.

Kritische Debatte

Im pädagogischen Diskurs wurde mehrfach kritisch auf die Problematik der Kulturalisierung hingewiesen, welche durch einen expandierenden Marktanteil interkultureller Kompetenztrainings aktueller denn je erscheint. Die Kritik  bezieht sich dabei sowohl auf die theoretischen Grundlagen als auch die Praxis mancher Bildungsveranstaltungen, in denen über vermeintliche kulturelle Eigenheiten von MigrantInnen (oder BewohnerInnen anderer Länder, mit denen z.B. berufliche Kooperationen aufgebaut werden sollen) informiert wird.
 
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Umstand, dass Bildungsangebote zur Förderung interkultureller Kompetenz vorwiegend Angehörige der Mehrheitsgesellschaft ansprechen und von "einheimischen TrainerInnen" geleitet werden. MigrantInnen kommt in diesem Gefüge letztlich nur ein Objektstatus zu - über sie wird gelernt.

Die Qualität interkultureller Trainingsansätze bemisst sich demnach auch daran, inwieweit über eine mögliche kulturelle Stereotypenbildung oder die Gefahr der Stabilisierung  (diskriminierender) gesellschaftlicher Verhältnisse reflektiert wird. Interkulturelle Kompetenz muss ein prozesshaftes Kulturverständnis sowie eine Kontextualisierung im jeweiligen gesellschaftlichen Rahmen implizieren. Der Lernprozess ist als offen, mehrdimensional und "lebenslang" zu begreifen. Perspektiven auf "Rassismus" und "Diskriminierung" sollten selbstverständlicher Bestandteil in interkulturellen Trainings sein. Die Partizipation von TrainerInnen mit Migrationshintergrund  ist wünschenswert. Solche werden beispielsweise derzeit im Integrationshaus Wien ausgebildet.

Interkulturelle Kompetenz in Organisationen

Im Zusammenhang mit Fragestellungen zur interkulturellen Öffnung von Organisationen wird interkulturelle Kompetenz heute nicht nur als individuelle Fähigkeit, sondern auch als Qualitätsstandard in Institutionen eingefordert. "Interkulturelle Orientierung" bezeichnet in diesem Kontext eine Zielsetzung für Einrichtungen, die sich einem Öffnungsprozess zuwenden. Selbst einschlägig geschulte MitarbeiterInnen können nur dann interkulturell kompetent handeln, wenn die Institution auch die entsprechenden Strukturen zur Verfügung stellt.