Interkulturelle Pädagogik
Die Pädagogik setzt sich seit den späten 1960er Jahren intensiver mit dem Phänomen der neuen Einwanderung auseinander. Zunächst standen die Kinder der sogenannten "GastarbeiterInnen" im Mittelpunkt schulpädagogischer Bemühungen. Dem damals als "Ausländerpädagogik" bezeichneten Ansatz wurde in den 1970er und 80er Jahren seine Defizitorientierung vorgeworfen. Man forderte nunmehr eine Wertschätzung von Differenz, die Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft und ihrer Mitglieder rückte ins Blickfeld. Dies drückte sich auch in einer veränderten Terminologie aus: "Interkulturelle Pädagogik" hat sich mittlerweile als eigenständiges Fachgebiet in der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung etabliert. Es umfasst eine Vielfalt an Konzepten und Diskursen. Defizitorientierte Zugänge sind in der Praxis sicher nicht gänzlich überwunden. Auch die zitierte Wertschätzung der Differenz ist aus heutiger Sicht kritisch zu reflektieren (siehe Kritische Diskurse).
Forschung
Im Vergleich zur Schul- und Sozialpädagogik hat sich die
Erwachsenenbildungsforschung bislang eher wenig mit der Thematik
beschäftigt. So sind beispielsweise nur wenige empirische Erkenntnisse
zum Weiterbildungsverhalten von MigrantInnen vorhanden. In der Praxis
der Erwachsenenbildung stellt Migration längst ein wichtiges Thema dar.
Viele theoretische Arbeiten der interkulturellen Pädagogik aus dem
Bereich Schule oder Sozialpädagogik beschäftigen sich mit Grundfragen
und sind daher auch für die Erwachsenenbildung relevant. Ergebnisse aus
der Schulforschung (z.B. in Bezug auf die Bildungsbenachteiligung von
MigrantInnen oder den Spracherwerb) zeigen außerdem im Sinne des
Lebenslangen Lernens wichtige Ansatzpunkte für Fragen der Weiterbildung
auf.
Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Österreich
Studien aus dem Bereich der Schulforschung, unter anderem die Daten aus PISA, machen darauf aufmerksam, dass Kinder mit Migrationshintergrund im Durchschnitt einen schlechteren Schulerfolg aufweisen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Dies gilt v.a. für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache. Einen wesentlichen Einflussfaktor stellt die sozioökonomische Lage der Familien dar. Weiters sind Kinder mit Migrationshintergrund überproportional in Schultypen mit einem niedrigen Leistungsniveau vertreten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Unter anderem wirken geringe Partizipation an vorschulischen Bildungsangeboten, eine frühe schulische Selektion, wenig elaborierte Konzepte zur Förderung von Mehrsprachigkeit oder aber auch Diskriminierungsphänomene als negative Einflüsse. In den meisten Studien zeigen sich als dominante Einflussfaktoren der soziale Status sowie das kulturelle Kapital der Familien.
Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen ist allerdings differenziert zu betrachten: Er hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert, nicht alle Gruppen können jedoch von dieser Aufwärtsbewegung gleichermaßen profitieren. So zeigt sich beispielsweise bei Angehörigen der Zweiten Generation mit türkischem und ex-jugoslawischen Hintergrund eine geringere soziale Mobilität als bei anderen Gruppen. Die Bildungserfolge der Mädchen stellen sich günstiger dar als jener der Burschen mit derselben Staatsangehörigkeit. Förderstrategien müssen daher differenziert auf Benachteiligungsphänomene eingehen und strukturelle Reformen des Schulsystems mitberücksichtigen.
Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen ist allerdings differenziert zu betrachten: Er hat sich in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert, nicht alle Gruppen können jedoch von dieser Aufwärtsbewegung gleichermaßen profitieren. So zeigt sich beispielsweise bei Angehörigen der Zweiten Generation mit türkischem und ex-jugoslawischen Hintergrund eine geringere soziale Mobilität als bei anderen Gruppen. Die Bildungserfolge der Mädchen stellen sich günstiger dar als jener der Burschen mit derselben Staatsangehörigkeit. Förderstrategien müssen daher differenziert auf Benachteiligungsphänomene eingehen und strukturelle Reformen des Schulsystems mitberücksichtigen.
Konzepte interkultureller Pädagogik
Eine eindeutige Differenzierung bestehender Theorien und Konzepte interkultureller Pädagogik lässt sich aufgrund der Komplexität und Widersprüchlichkeit des Feldes nicht vornehmen. Ordnungen können beispielsweise anhand von Zielvorstellungen (Programme), Perspektiven der AutorInnen auf das Thema, zugrundeliegenden Gesellschaftstheorien oder konkreten Konzeptionen getroffen werden (vgl. Krüger-Potratz 2005). Es liegen mehrere Systematisierungsvorschläge vor, von denen einige hier kurz umrissen werden.
Systematisierung nach Gogolin und Krüger
Gogolin und Krüger Potratz (2006, S. 109ff.) führen zum einen Ansätze an, die auf unterschiedlichen Kulturbegriffen aufbauen (z.B. nationalstaatliche Definitionen und daraus resultierende Begegnungskonzepte). Weiters differenzieren sie zwischen kulturanthropologisch und gesellschaftstheoretisch orientierten Konzepten. Soziologisch argumentierende Zugänge werden entweder struktur- bzw. systemtheoretisch (hier steht z.B. die Frage der Chancengerechtigkeit im Vordergrund) oder kultursoziologisch fundiert.
Systematisierung nach Nohl
Nohl (2006) unterscheidet vier Konzepte: Als "Ausländerpädagogik" werden defizitorientierte Modelle bezeichnet. Die "klassische interkulturelle Pädagogik" hebt Differenzen zwischen Gesellschaftsmitgliedern hervor, postuliert ihre Gleichwertigkeit und fördert den Einbezug der Mehrheitsangehörigen in pädagogische Prozesse. Innerhalb dieser Kategorie ließen sich weitere Unterscheidungen, etwa in konflikt- und begegnungsorientierte Konzepte, oder nach dem zugrundeliegenden Gesellschaftsmodell, vornehmen. Eine "Antidiskriminierungspädagogik" warnt vor Ausgrenzungsphänomenen, die auf institutioneller Ebene verankert sind. Der Blick richtet sich auf Exklusions- und Inklusionsprozesse und in erster Linie auf die Bildungssysteme. Antidiskriminierungsansätze verweisen auf den Konstruktionscharakter von "Kultur" und "Ethnizität". Als viertes Konzept entwickelt Nohl eine "Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten", die mehrere Dimensionen von Zugehörigkeiten (Milieus) einbezieht.
Systematisierung nach Auernheimer
Georg Auernheimer (2003, S. 124 ff.) arbeitet unterschiedliche Zielsetzungen und Prämissen heraus: Interkulturelles Lernen als soziales Lernen, Umgang mit Differenzen, Befähigung zum interkulturellen Dialog, multiperspektivische Allgemeinbildung, mehrsprachige Bildung und antirassistische Erziehung.
Systematisierung nach Leenen
Für die außerschulische Bildungsarbeit hat Leenen (2001) Trainingansätze in Verständigungsansätze, Interkulturelle-Kompetenz-Ansätze, Diversity-Ansätze sowie Antirassismusansätze unterteilt.
Interkulturelle Trainings - Konzepte, Methoden, Programme
Hier werden am Deutschen Bildungsserver unterschiedliche Programme der interkulturellen Bildungsarbeit beschrieben, zum Teil stehen auch Materialien zum Download zur Verfügung.



