Einwanderungsland österreich

Empirische Daten


Österreich ist seit den 1960er Jahren zum Einwanderungsland geworden - nicht freiwillig und nicht selbstbestimmt, sondern durch die faktische Entwicklung. Es ist für ZuwanderInnen aus dem näheren und weiteren Umland ein attraktives Zielland und viele gesellschaftliche Bereiche benötigen ZuwanderInnen: als Arbeitskräfte, als KonsumentInnen, als SchülerInnen oder als BeitragszahlerInnen im sozialen Sicherungssystem. Allein zwischen 2001 und 2005 verzeichnete Österreich eine Nettozuwanderung von insgesamt 203.000 Personen. In diesem Zeitraum kamen durchschnittlich 112.000 Zuzüge auf 75.600 Wegzüge, was einen mittleren internationalen Wanderungssaldo von jährlich fast 40.000 Personen ergab. 10% der Gesamtbevölkerung Österreichs besitzen einen ausländischen Pass. 1,346 Mio. Menschen, also 17% der Gesamtbevölkerung, weisen einen Migrationshintergrund auf, was einem der höchsten Anteilswerte in der Europäischen Union entspricht. 2006 geht diese hohe Zuwanderung zurück, sicherlich auch eine Folge des Fremdenrechtspakets. Gleichzeitig stellt sich die Notwendigkeit einer koordinierten Integrationspolitik.


Ausländische Wohnbevölkerung

Im Jahr 2001 ergab die Volkszählung eine Gesamtbevölkerung von 8.032.926 Personen. 710.926 waren nicht im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft, das entspricht einem bundesweiten Anteil von 8,9%. Die wichtigsten Herkunftsländer waren und sind die Nachfolgerepubliken des ehemaligen Jugoslawien und die Türkei, die im Jahr 2001 zusammen einen Anteil von 63% an allen ausländischen StaatsbürgerInnen in Österreich stellten.
 
Zwischen 1991 und 2001 hat sich laut Volkszählung der Anteil an ausländischen StaatsbürgerInnen um 2,3 Prozentpunkte erhöht, die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung nach Herkunftsgebieten hat sich dabei nicht wesentlich verändert, wenn auch der Anteil der türkischen Bevölkerung zurückging und jener der Ex-Jugoslawen stieg. Das dürfte auf der einen Seite ein Effekt der verstärkten Einbürgerung der türkischen Wohnbevölkerung sein, auf der anderen Seite eine reale Zunahme der Zuwanderung aus dem ehemaligen Jugoslawien nach dem Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre. Die Zahlen für das Jahr 2007 zeigen bei weitem geringere Anteile für das ehemalige Jugoslawien und die Türkei, jeder/jede fünfte ausländische StaatsbürgerIn kommt mittlerweile aus dem EU-14-Raum und hier besonders aus Deutschland.

Österreich im europäischen Vergleich

Insgesamt liegt Österreich mit einem Anteil von mehr als 16% Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund im oberen Mittelfeld der EU-27. Höhere Anteile finden sich in Deutschland sowie in etwa gleichviel in Belgien und den Niederlanden. Die höchsten Ausländeranteile finden sich in europäischen Klein- und Zwergstaaten. In Staaten wie Andorra, San Marino, Liechtenstein oder Luxemburg beträgt der Ausländeranteil über ein Drittel, in der Schweiz fast ein Fünftel. Das hat in den aufgezählten Staaten aber nicht nur etwas mit hoher Zuwanderung zu tun, sondern auch mit einer schwierigen und langwierigen Prozedur zur Verleihung der Staatsbürgerschaft.

Räumliche Verteilung

In Wien lebt mit 257.000 Personen (Volkszählung 2001) mehr als ein Drittel (35%) der ausländischen Bevölkerung. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der ZuwanderInnen versucht in der Hauptstadt Österreichs Arbeit und Unterkunft zu finden. ZuwanderInnen haben generell in den Städten die größten Chancen. Denn dort gibt es eine starke Nachfrage nach Dienstleistungen und daher ein breites Arbeitsmarktsegment, das mit dem verstärkten Arbeitskräfteangebot kräftig expandiert. Hinter Wien folgen Oberösterreich mit 102.200 und Niederösterreich mit 95.800 ausländischen Staatsangehörigen. In diesen drei Bundesländern konzentrieren sich somit fast zwei Drittel aller ausländischen Staatsangehörigen, während nur 55% der ÖsterreicherInnen in diesen drei Ländern leben.
Gemessen an der Wohnbevölkerung stechen neben Wien auch Vorarlberg und einige Tiroler Bezirke (Zweitwohnsitzbevölkerung) hervor. In Vorarlberg waren 2001 fast 14% der Wohnbevölkerung AusländerInnen, in Wien immerhin 16%. In Vorarlberg ist die Textilindustrie ein Anziehungspunkt für viele ausländische Arbeitskräfte. Niedrige Einbürgerungsraten sorgen dort dafür, dass die Ausländerzahlen auch hoch bleiben. Das gilt nicht nur für die erste Generation der "Einwanderer", sondern meist auch für die Kinder der Eingewanderten.

Altersstruktur

Die ausländische Wohnbevölkerung ist laut Volkszählung 2001 deutlich jünger als die inländische. Bei der inländischen Bevölkerung beträgt der Anteil der unter 15-Jährigen 17,6%, bei ausländischen Staatsangehörigen jedoch rund 20%. Unter den AusländerInnen ist ebenso der Anteil von Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 60 Jahre) höher (73%) als bei den ÖsterreicherInnen.
Dagegen ist der Anteil älterer und alter Menschen bei den ausländischen Staatsangehörigen sehr niedrig. Während mehr als ein Fünftel (22%) der inländischen Wohnbevölkerung zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 bereits über 60 Jahre alt war, betrug der entsprechende Anteil bei der ausländischen Wohnbevölkerung nur 7%. Unter den BürgerInnen anderer EU-Staaten waren 18% älter als 60 Jahre, bei den Drittstaatsangehörigen waren es sogar nur 5%.
Die Altersverteilung der ausländischen Bevölkerung erklärt sich zum einen aus der Dominanz junger Erwachsener unter den ZuwanderInnen sowie einer Tendenz zur Rückwanderung unter den älteren AusländerInnen, die nach Beendigung der Erwerbsarbeit ihren Lebensabend im Herkunftsland verbringen. Dazu kommt, dass sich mit längerer Aufenthaltsdauer eine wachsende Zahl an AusländerInnen einbürgern lässt. Sie bleiben in Österreich, wechseln aber ihren Status.

Erwerbsstruktur

Die Mehrheit der ZuwanderInnen kam und kommt aus erwerbsbezogenen Gründen nach Österreich. Mehr verdienen oder überhaupt einer geregelten Beschäftigung nachzugehen, waren und sind wichtige Wanderungsgründe. Umgekehrt benötigen die Unternehmen Arbeitskräfte, um jene Positionen aufzufüllen, die von inländischen Arbeitskräften nicht oder nur unzureichend besetzt sind. Es handelt sich dabei vornehmlich um Arbeitsplätze, die belastend, gefährlich oder "schmutzig" sind. Sie sind in der Regel gering entlohnt und unterliegen einer flexiblen Arbeitszeitregelung.
Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei finden sich - diesen Nachfrage- und Angebotsrelationen folgend - überdurchschnittlich oft auf diesen wenig privilegierten Arbeitsplätzen. Sie arbeiten in Saisonbranchen, also in der Land- und Forstwirtschaft, im Tourismus und im Bauwesen, weiters in der Nahrungs- und Genussmittelerzeugung und im Verkehr. Türkische ArbeitnehmerInnen findet man aber auch im Bereich Textil-, Bekleidungs- und Ledererzeugung sowie in der Holzverarbeitung und Möbelindustrie, in der Chemie- und Metallindustrie sowie im Bergbau.
Einen Gegensatz dazu bilden die Beschäftigungsmuster der ZuwanderInnen aus der EU-15, vor allem aus Deutschland. Diese sind relativ breit über alle Branchen verteilt. Schwerpunkte sind jedoch in den Bereichen der unternehmensorientierten Dienste, des Unterrichts- und Forschungswesens sowie der Energieversorgung zu finden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Arbeitsplätze, die nicht nur gut entlohnt sind und hohes Prestige aufweisen, sondern auch eine Schlüsselfunktion in einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft besitzen.

Weitere Informationen

  • Fassmann, Heinz (Hrsg.) (2007): 2. Österreichischer Migrations- und Integrationsbericht 2001-2006: Rechtliche Rahmenbedingungen, demographische Entwicklungen, sozioökonomische Strukturen. Klagenfurt/Celovec: Drava.
Text: Heinz Fassmann
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Einwanderungsland österreich

Empirische Daten


Österreich ist seit den 1960er Jahren zum Einwanderungsland geworden - nicht freiwillig und nicht selbstbestimmt, sondern durch die faktische Entwicklung. Es ist für ZuwanderInnen aus dem näheren und weiteren Umland ein attraktives Zielland und viele gesellschaftliche Bereiche benötigen ZuwanderInnen: als Arbeitskräfte, als KonsumentInnen, als SchülerInnen oder als BeitragszahlerInnen im sozialen Sicherungssystem. Allein zwischen 2001 und 2005 verzeichnete Österreich eine Nettozuwanderung von insgesamt 203.000 Personen. In diesem Zeitraum kamen durchschnittlich 112.000 Zuzüge auf 75.600 Wegzüge, was einen mittleren internationalen Wanderungssaldo von jährlich fast 40.000 Personen ergab. 10% der Gesamtbevölkerung Österreichs besitzen einen ausländischen Pass. 1,346 Mio. Menschen, also 17% der Gesamtbevölkerung, weisen einen Migrationshintergrund auf, was einem der höchsten Anteilswerte in der Europäischen Union entspricht. 2006 geht diese hohe Zuwanderung zurück, sicherlich auch eine Folge des Fremdenrechtspakets. Gleichzeitig stellt sich die Notwendigkeit einer koordinierten Integrationspolitik.


Ausländische Wohnbevölkerung

Im Jahr 2001 ergab die Volkszählung eine Gesamtbevölkerung von 8.032.926 Personen. 710.926 waren nicht im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft, das entspricht einem bundesweiten Anteil von 8,9%. Die wichtigsten Herkunftsländer waren und sind die Nachfolgerepubliken des ehemaligen Jugoslawien und die Türkei, die im Jahr 2001 zusammen einen Anteil von 63% an allen ausländischen StaatsbürgerInnen in Österreich stellten.
 
Zwischen 1991 und 2001 hat sich laut Volkszählung der Anteil an ausländischen StaatsbürgerInnen um 2,3 Prozentpunkte erhöht, die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung nach Herkunftsgebieten hat sich dabei nicht wesentlich verändert, wenn auch der Anteil der türkischen Bevölkerung zurückging und jener der Ex-Jugoslawen stieg. Das dürfte auf der einen Seite ein Effekt der verstärkten Einbürgerung der türkischen Wohnbevölkerung sein, auf der anderen Seite eine reale Zunahme der Zuwanderung aus dem ehemaligen Jugoslawien nach dem Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre. Die Zahlen für das Jahr 2007 zeigen bei weitem geringere Anteile für das ehemalige Jugoslawien und die Türkei, jeder/jede fünfte ausländische StaatsbürgerIn kommt mittlerweile aus dem EU-14-Raum und hier besonders aus Deutschland.

Österreich im europäischen Vergleich

Insgesamt liegt Österreich mit einem Anteil von mehr als 16% Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund im oberen Mittelfeld der EU-27. Höhere Anteile finden sich in Deutschland sowie in etwa gleichviel in Belgien und den Niederlanden. Die höchsten Ausländeranteile finden sich in europäischen Klein- und Zwergstaaten. In Staaten wie Andorra, San Marino, Liechtenstein oder Luxemburg beträgt der Ausländeranteil über ein Drittel, in der Schweiz fast ein Fünftel. Das hat in den aufgezählten Staaten aber nicht nur etwas mit hoher Zuwanderung zu tun, sondern auch mit einer schwierigen und langwierigen Prozedur zur Verleihung der Staatsbürgerschaft.

Räumliche Verteilung

In Wien lebt mit 257.000 Personen (Volkszählung 2001) mehr als ein Drittel (35%) der ausländischen Bevölkerung. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der ZuwanderInnen versucht in der Hauptstadt Österreichs Arbeit und Unterkunft zu finden. ZuwanderInnen haben generell in den Städten die größten Chancen. Denn dort gibt es eine starke Nachfrage nach Dienstleistungen und daher ein breites Arbeitsmarktsegment, das mit dem verstärkten Arbeitskräfteangebot kräftig expandiert. Hinter Wien folgen Oberösterreich mit 102.200 und Niederösterreich mit 95.800 ausländischen Staatsangehörigen. In diesen drei Bundesländern konzentrieren sich somit fast zwei Drittel aller ausländischen Staatsangehörigen, während nur 55% der ÖsterreicherInnen in diesen drei Ländern leben.
Gemessen an der Wohnbevölkerung stechen neben Wien auch Vorarlberg und einige Tiroler Bezirke (Zweitwohnsitzbevölkerung) hervor. In Vorarlberg waren 2001 fast 14% der Wohnbevölkerung AusländerInnen, in Wien immerhin 16%. In Vorarlberg ist die Textilindustrie ein Anziehungspunkt für viele ausländische Arbeitskräfte. Niedrige Einbürgerungsraten sorgen dort dafür, dass die Ausländerzahlen auch hoch bleiben. Das gilt nicht nur für die erste Generation der "Einwanderer", sondern meist auch für die Kinder der Eingewanderten.

Altersstruktur

Die ausländische Wohnbevölkerung ist laut Volkszählung 2001 deutlich jünger als die inländische. Bei der inländischen Bevölkerung beträgt der Anteil der unter 15-Jährigen 17,6%, bei ausländischen Staatsangehörigen jedoch rund 20%. Unter den AusländerInnen ist ebenso der Anteil von Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 60 Jahre) höher (73%) als bei den ÖsterreicherInnen.
Dagegen ist der Anteil älterer und alter Menschen bei den ausländischen Staatsangehörigen sehr niedrig. Während mehr als ein Fünftel (22%) der inländischen Wohnbevölkerung zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 bereits über 60 Jahre alt war, betrug der entsprechende Anteil bei der ausländischen Wohnbevölkerung nur 7%. Unter den BürgerInnen anderer EU-Staaten waren 18% älter als 60 Jahre, bei den Drittstaatsangehörigen waren es sogar nur 5%.
Die Altersverteilung der ausländischen Bevölkerung erklärt sich zum einen aus der Dominanz junger Erwachsener unter den ZuwanderInnen sowie einer Tendenz zur Rückwanderung unter den älteren AusländerInnen, die nach Beendigung der Erwerbsarbeit ihren Lebensabend im Herkunftsland verbringen. Dazu kommt, dass sich mit längerer Aufenthaltsdauer eine wachsende Zahl an AusländerInnen einbürgern lässt. Sie bleiben in Österreich, wechseln aber ihren Status.

Erwerbsstruktur

Die Mehrheit der ZuwanderInnen kam und kommt aus erwerbsbezogenen Gründen nach Österreich. Mehr verdienen oder überhaupt einer geregelten Beschäftigung nachzugehen, waren und sind wichtige Wanderungsgründe. Umgekehrt benötigen die Unternehmen Arbeitskräfte, um jene Positionen aufzufüllen, die von inländischen Arbeitskräften nicht oder nur unzureichend besetzt sind. Es handelt sich dabei vornehmlich um Arbeitsplätze, die belastend, gefährlich oder "schmutzig" sind. Sie sind in der Regel gering entlohnt und unterliegen einer flexiblen Arbeitszeitregelung.
Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei finden sich - diesen Nachfrage- und Angebotsrelationen folgend - überdurchschnittlich oft auf diesen wenig privilegierten Arbeitsplätzen. Sie arbeiten in Saisonbranchen, also in der Land- und Forstwirtschaft, im Tourismus und im Bauwesen, weiters in der Nahrungs- und Genussmittelerzeugung und im Verkehr. Türkische ArbeitnehmerInnen findet man aber auch im Bereich Textil-, Bekleidungs- und Ledererzeugung sowie in der Holzverarbeitung und Möbelindustrie, in der Chemie- und Metallindustrie sowie im Bergbau.
Einen Gegensatz dazu bilden die Beschäftigungsmuster der ZuwanderInnen aus der EU-15, vor allem aus Deutschland. Diese sind relativ breit über alle Branchen verteilt. Schwerpunkte sind jedoch in den Bereichen der unternehmensorientierten Dienste, des Unterrichts- und Forschungswesens sowie der Energieversorgung zu finden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Arbeitsplätze, die nicht nur gut entlohnt sind und hohes Prestige aufweisen, sondern auch eine Schlüsselfunktion in einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft besitzen.

Weitere Informationen

  • Fassmann, Heinz (Hrsg.) (2007): 2. Österreichischer Migrations- und Integrationsbericht 2001-2006: Rechtliche Rahmenbedingungen, demographische Entwicklungen, sozioökonomische Strukturen. Klagenfurt/Celovec: Drava.

Text: Heinz Fassmann