Globalisierung
Der Begriff Globalisierung beschreibt eine komplexe Entwicklung, welche weit in die Geschichte zurückreicht. Kaum ein anderer Begriff der Internationalen Beziehungen hat aufgrund der unterschiedlichen zeitlich gestreuten Verwendung und inhaltlichen Dimension dermaßen viele leidenschaftliche Debatten ausgelöst, Erklärungsansätze hervorgerufen und Missverständnisse erzeugt. Das vielschichtige Phänomen der Globalisierung kann als ein dynamischer realhistorischer Prozess verstanden werden. Der Globalisierungsprozess, der in seinen Ausprägungen und Strukturveränderungen stark asymmetrisch verläuft, muss gleichwohl als globaler Trend verstanden werden. Globalisierung ist darüber hinaus als Bestandteil eines Modernisierungs- bzw. Verwestlichungsprozesses zu verstehen, bei dem sich ein tendenziell globaler Übergang von traditionellen zu modernen Gesellschaften vollzieht. Diese Entwicklung verläuft relativ unabhängig von politischen Entscheidungen.
Dimensionen der Globalisierung
Der Prozess der Globalisierung umfasst wirtschaftliche, soziale, politische, kulturelle und ökologische Aspekte und Dimensionen. Im Zeitalter der Globalisierung werden nach wie vor neue supraterritoriale Räume geschaffen, die bestehende Grenzen nicht auflösen, sondern allenfalls ergänzen und überlagern. Neben Staaten und internationalen Organisationen sind überdies transnationale Konzerne und eine transnational vernetzte Zivilgesellschaft als neue Akteure auf der Bühne der Weltpolitik tätig. Zentrale Merkmale des mehrdeutigen Begriffs der Globalisierung sind eine zunehmende politische Interdependenz, weltwirtschaftliche Arbeitsteilung, Regionalisierungstendenzen, Fragmentierungsphänomene sowie Individualisierungs- aber auch Homogenisierungserscheinungen.
Globalisierung und Individualisierung
Der Prozess der Individualisierung lässt sich als zunehmend stärkere Differenzierung von Personen gegenüber sozialen Systemen beschreiben. Diese Entwicklung hat in zunehmendem Maße eine subjektzentrierte Lebensführung zur Folge, die mit einer Tendenz zur reflexiven Aneignung von Wissen über die Gesellschaft einhergeht. Die Individualisierung der Gesellschaft vollzieht sich dabei auf unterschiedlichen Ebenen, die sowohl die objektiven Lebenslagen als auch das subjektive Bewusstsein der Menschen betreffen. Der Deutsche Soziologe Ulrich Beck spricht in diesem Zusammenhang von der "Dimension der Entzauberung". Der Soziologe beschreibt, dass traditionelle Sicherheiten in Bezug auf Handlungswissen, Glauben, leitende Normen und Werte sowie Interaktionsformen verloren gehen und sich neue Formen des Vertrauens erst entwickeln müssen. Der Prozess der Individualisierung ist allerdings in sich widersprüchlich. Demgemäß geht die Ausdifferenzierung von Lebenssituationen mit einer verstärkten Standardisierung und Abhängigkeit von Institutionen einher. Diese Entwicklung reproduziert wiederum soziale Ungleichheit und festigt Machtverhältnisse. Die individualisierten Gesellschaften sind demgemäß durch multidimensionale Ungleichheiten sowie vielfältige Lebensformen und Interessenslagen gekennzeichnet. Diese plurale Differenzierung drückt sich in einer Fülle von Lebensstilen und -welten, sozialen Milieus sowie Sub- und Spezialkulturen aus und führt dazu, dass viele Menschen heute nicht nur eine, sondern viele Identitäten ausbilden. Neue Entwürfe von Identitätsbildern und Identitätsfragen rücken folglich verstärkt in den Blickpunkt erwachsenenbildnerischer Tätigkeiten.
Globalisierung und Regionalisierung
Die Menschen leben derzeit in kulturellen globalen und regionalen Kontexten, die sich durch Migration, offene Grenzen, vielfältige Informationen und Kulturimporte kontinuierlich vermischen. Aufgrund dieser Entwicklungen steht dem Globalisierungsprozess gegenwärtig ein weltweiter Regionalisierungsprozess gegenüber. Die Menschen ziehen sich vermehrt in ihr vertrautes soziokulturelles Umfeld zurück und beziehen sich in wachsendem Maße auf ihre eigenen historischen Erfahrungen. Parallel zur unverständlichen Globalisierung gewinnt folglich die Heimat - der Nahraum, als Rückzugsgebiet und Schutzraum wieder an Bedeutung. Diese Entwicklungen können als eine Reaktion auf die Verunsicherung im Zeitalter der Globalisierung interpretiert werden, die als Herausforderung für die Erwachsenenbildung zu erkennen sind. Die Dialektik zwischen Globalisierung und Lokalisierung wird mit dem Begriff der Glokalisierung beschrieben. Das Phänomen der Glokalisierung beschreibt, dass sich globale Entwicklungen auf die lokale Ebene auswirken und das alltägliche lokale Leben in vielfältiger Weise verändern. Der Begriff Glokalisierung unterstreicht dabei die mehrdimensionale und widersprüchliche Tendenz von globalen Entwicklungen. Der Philosoph Peter Sloterdijk argumentiert jedoch, dass Ausdrücke wie lokal und global und der Hybridausdruck Glokalisierung irreführend sind, denn sie unterstellen eine Symmetrie, die es nicht gibt.
Globalisierung und Ungleichheit
Eine wachsende Ungleichheit und Polarisierung der Einkommensverteilung und eine Ungleichzeitigkeit von wirtschaftlichen, sozialen, politischen, kulturellen und ökologischen Entwicklungen charakterisieren die aktuelle Weltgesellschaft. Die globale Entwicklung verläuft asymmetrisch und die Großregionen Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik dominieren als Triade den Welthandel, während Afrika, Lateinamerika und das übrige Asien zurückfallen; speziell Afrika droht bei dieser Entwicklung vollends an den Rand gedrängt zu werden. Die Teilhabe am Globalisierungsprozess ist für viele Länder schwierig, setzt sie doch stabile politische Institutionen, den sukzessiven Aufbau nationaler technologischer Kompetenz, soziale Sicherungssysteme sowie kontinuierliche und breitenwirksame Investitionen in die Grundbildung sowie die Erwachsenenbildung/Weiterbildung voraus. Die fortwährende Ungleichheit kann künftig zu einem Sprengsatz für bildungspolitische Anforderungen sowie das internationale System werden. Während Armut ein absoluter Begriff ist und den Teil der Bevölkerung, der unterhalb einer definierten Schwelle lebt, erfasst, ist Ungleichheit ein relativer Begriff, der die Spreizung in der Verteilung von Einkommen bezeichnet. Wenn also aufgrund wirtschaftlichen Wachstums die Armut zurückgeht, ist noch nicht klar erkennbar, was das für die Ungleichheit in einer Gesellschaft bedeutet. Es wird letztendlich auf die Verteilung des Zuwachses ankommen, denn eine Verringerung der Armut kann mit weniger, unveränderter oder erhöhter Ungleichheit einhergehen. Infolgedessen kann selbst eine "Welt ohne Armut" - die der Slogan der Weltbank bewirbt - noch immer eine recht ungleiche Welt sein. Um eine "faire Globalisierung" (World Commission on the Social Dimension of Globalization) oder eine "Globalisierung mit menschlichem Gesicht" (UNDP) zu erreichen, ist es daher notwendig, die unbändige Eigendynamik der Globalisierung bildungspolitischen, sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Regelwerken zu unterwerfen.
Globalisierung und Kommunikation
Die Ausprägungen und Auswirkungen der Informationsrevolution sind derzeit noch nicht vollständig abzuschätzen, sie tragen aber bisher dazu bei, räumliche und zeitliche Grenzen aufzuheben. Es gab schon immer einen grenzüberschreitenden Austausch von Kultur und Kommunikation, doch gegenwärtig laufen die kulturellen Veränderungen aufgrund der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien schneller und wahrscheinlich homogener ab als in früheren Jahrhunderten. Im Bereich der Kultur und Kommunikation kann man folglich davon ausgehen, dass eine neue Globalkultur im Entstehen ist. Diese Entwicklung bedeutet die Erfüllung des Menschheitstraumes von der Überwindung sprachlicher und kultureller Hürden zwischen den Menschen. Auch in der Erwachsenenbildung sind, durch die Einführung neuer Technologien, veränderte Rahmenbedingungen durch netzwerkartige digitale Lernumgebungen zu registrieren die zu einer Neuorientierung bei Lern- und Bildungsinhalten führen.
Die Möglichkeit der globalen Vernetzung kommt derzeit jedoch vorwiegend Menschen in den westlichen sowie in den Schwellenländern zugute. Um die Kluft zwischen Ländern mit unterschiedlichen Kommunikationsniveaus zu verringern, kommt den Industrienationen die Verantwortung zu, verstärkt für die Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien Sorge zu tragen. Die Einbindung und Anwendung neuer Technologien in der Grundstufe aber auch in Erwachsenen- und Weiterbildungsprogrammen erlaubt es Ländern mit einem niedrigen Kommunikationsstatus, international Anschluss zu finden sowie die überlebensnotwendige interne Kommunikation zu verbessern. Wird die Informationsrevolution positiv betrachtet, kann die gegenwärtige Entwicklung zu verstärkter Selbstbestimmung auf globaler Ebene führen, wobei neue Strukturen verantwortungsbewussten Verhaltens und bildungspolitischen Handelns entstehen, die sich unabhängig von bestehenden Grenzen organisieren.
Die Möglichkeit der globalen Vernetzung kommt derzeit jedoch vorwiegend Menschen in den westlichen sowie in den Schwellenländern zugute. Um die Kluft zwischen Ländern mit unterschiedlichen Kommunikationsniveaus zu verringern, kommt den Industrienationen die Verantwortung zu, verstärkt für die Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien Sorge zu tragen. Die Einbindung und Anwendung neuer Technologien in der Grundstufe aber auch in Erwachsenen- und Weiterbildungsprogrammen erlaubt es Ländern mit einem niedrigen Kommunikationsstatus, international Anschluss zu finden sowie die überlebensnotwendige interne Kommunikation zu verbessern. Wird die Informationsrevolution positiv betrachtet, kann die gegenwärtige Entwicklung zu verstärkter Selbstbestimmung auf globaler Ebene führen, wobei neue Strukturen verantwortungsbewussten Verhaltens und bildungspolitischen Handelns entstehen, die sich unabhängig von bestehenden Grenzen organisieren.



