Weiterbildungsbeteiligung und ihre Barrieren
Aufgrund fehlender Daten und empirischer Studien können über die Bildungsbeteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund nur eingeschränkte Aussagen getroffen werden. Die meisten Bildungsträger erfassen in ihren TeilnehmerInnen-Statistiken keine Kriterien wie Migrationshintergrund oder Staatsbürgerschaft. So lässt sich beispielsweise derzeit nicht österreichweit angeben, wie viele Mensche pro Jahr an einem Deutschkurs teilnehmen. Die vorhandenen Daten zeigen jedoch, dass MigrantInnen in der Weiterbildung unterrepräsentiert sind.
Statistische Daten
MigrantInnen sind in der Weiterbildung unterrepräsentiert. Eine Erhebung der Statistik Austria zum Lebenslangen Lernen (basierend auf dem Mikrozensus 2003) zeigt, dass sich 17% der ausländischen Staatsangehörigen an non-formaler Weiterbildung beteiligen, hingegen 22% der ÖsterreicherInnen. Die Unterschiede sind je nach Herkunftsland mehr oder weniger deutlich ausgeprägt. So bildeten sich beispielsweise 13% der türkischen Staatsangehörigen bzw. 12% der Personen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien weiter. Alle anderen Nicht-ÖsterreicherInnen weisen insgesamt mit 24% einen höheren Anteilswert als ÖsterreicherInnen auf. Diese Zahlen beinhalten alle Arten von Kursen inklusive der Deutschkurse (vgl. Statistik Austria 2004, S. 33).
Laut Statistik des Arbeitsmarktservice betrug im Jahr 2007 der durchschnittliche AusländerInnenanteil an allen Schulungsteilnehmenden in AMS-Maßnahmen 16% (vgl. AMS Österreich, Sonderauswertung vom 21.1.2008).
Laut Statistik des Arbeitsmarktservice betrug im Jahr 2007 der durchschnittliche AusländerInnenanteil an allen Schulungsteilnehmenden in AMS-Maßnahmen 16% (vgl. AMS Österreich, Sonderauswertung vom 21.1.2008).
Barrieren der Weiterbildungsbeteiligung
Die Ursachen einer geringen Weiterbildungsbeteiligung von MigrantInnen sind vielschichtig. Bekanntlich haben bestimmte sozioökonomische Faktoren wie Schul- und Ausbildung, Erwerbstätigkeit, Alter, Nationalität, Geschlecht, soziale Herkunft oder berufliche Stellung Einfluss auf die Partizipation an Weiterbildung. Einige der genannten Aspekte sind unter MigrantInnen besonders nachteilig ausgeprägt: So ist z.B. die Arbeitslosenrate der ausländischen Staatsangehörigen doppelt so hoch wie jene der InländerInnen. Die Position auf dem Arbeitsmarkt ist insbesondere bei sogenannten Drittstaatsangehörigen oft von ungünstigen Bedingungen und/ oder von Dequalifizierung gekennzeichnet. Benachteiligungen im Schulwesen haben Konsequenzen für den Zugang zu Weiterbildung.
Als weitere Barrieren gelten Informationsdefizite über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, mangelnde Deutschkenntnisse oder die rechtlichen Rahmenbedingungen (Fremdenrecht). Die Anerkennung von Bildungsabschlüssen aus dem Ausland gestaltet sich häufig schwierig und aufwändig. MigrantInnen sind zuweilen durch negative Erfahrungen in Kursen entmutigt: Sie stehen aufgrund sprachlicher Einschränkungen stark unter Druck dem Unterricht zu folgen. Es gibt meist wenig Zeit und Ressourcen für Übersetzungen. Sie haben weniger Gelegenheit ihre Kompetenzen adäquat einzubringen. Manche LernerInnen berichten von Diskriminierungen, die sowohl von anderen Teilnehmenden als auch Vortragenden ausgehen. Schließlich kann eine Ursache in einer mangelnden Offenheit der Bildungseinrichtungen für die Bedürfnisse von TeilnehmerInnen mit Migrationshintergrund liegen (Interkulturelle Öffnung).
Als weitere Barrieren gelten Informationsdefizite über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, mangelnde Deutschkenntnisse oder die rechtlichen Rahmenbedingungen (Fremdenrecht). Die Anerkennung von Bildungsabschlüssen aus dem Ausland gestaltet sich häufig schwierig und aufwändig. MigrantInnen sind zuweilen durch negative Erfahrungen in Kursen entmutigt: Sie stehen aufgrund sprachlicher Einschränkungen stark unter Druck dem Unterricht zu folgen. Es gibt meist wenig Zeit und Ressourcen für Übersetzungen. Sie haben weniger Gelegenheit ihre Kompetenzen adäquat einzubringen. Manche LernerInnen berichten von Diskriminierungen, die sowohl von anderen Teilnehmenden als auch Vortragenden ausgehen. Schließlich kann eine Ursache in einer mangelnden Offenheit der Bildungseinrichtungen für die Bedürfnisse von TeilnehmerInnen mit Migrationshintergrund liegen (Interkulturelle Öffnung).
Barriere: Bildungsinformation
Zu den zentralen Ursachen geringer Bildungsbeteiligung zählt der Mangel an Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten bzw. insgesamt über die Struktur sowie die Anforderungen des Arbeitsmarktes im Migrationsland. Eine im Jahr 2003 in Deutschland durchgeführte Befragung zum Weiterbildungsverhalten (vgl. Schmidt/Tippelt 2006, S. 36f.) bezog auch ProbandInnen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in die Untersuchung ein. Als Teilnahmebarrieren wurden bei dieser Gruppe u.a. persönliche Motivation oder fehlende Unterstützung des Partners/der Partnerin genannt (was öfter von Männern angegeben wurde). Am häufigsten bezogen sich die Befragten auf mangelnde Orientierung auf dem Weiterbildungsmarkt (63% der AusländerInnen, hingegen nur 17% der Deutschen) und auf Ängste vor Prüfungsanforderungen (44%). Aus diesem Ergebnis lässt sich unter anderem die Forderung nach einer verstärkten Bildungsberatung für ZuwanderInnen ableiten. Eine derartige Einrichtung wurde beispielsweise mit der Anerkennungs- und Weiterbildungsberatungsstelle für NeuzuwanderInnen 2007 in Wien begründet.
Barriere: Anerkennung von Qualifikationen und Kompetenzen
Ausländische Bildungsabschlüsse und Berufserfahrungen können in Österreich mit Hilfe bestimmter Verfahren anerkannt werden (Nostrifikation, Nostrifizierung, Gleichhaltung).
Menschen, die ihre Abschlüsse nicht in Österreich erworben haben, stehen bei der Arbeitssuche sowie beim Zugang zu weiterführender Bildung häufig vor Problemen. Diese spiegeln sich unter anderem im hohen Anteil an dequalifiziert beschäftigten MigrantInnen wider. Eine Nostrifizierung/Nostrifikation ist, abgesehen von den Kosten, für viele MigrantInnen aufgrund der bürokratischen Hürden nicht realisierbar. So kann beispielsweise eine Person, die aufgrund politischer Verfolgung aus ihrem Heimatland flüchten musste, nur schwer die geforderten Bestätigungen der heimischen Behörden und Universitäten erhalten.
IntegrationsexpertInnen setzen sich für formale Erleichterungen sowie intensivere Beratungsangebote bezüglich der Anerkennungsmöglichkeiten ein. Die Europäische Kommission hat unlängst im Aktionsplan Erwachsenenbildung den Ausbau von Maßnahmen zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen sowie Verfahren zur Validierung informell erworbener Kompetenzen gefordert.
Menschen, die ihre Abschlüsse nicht in Österreich erworben haben, stehen bei der Arbeitssuche sowie beim Zugang zu weiterführender Bildung häufig vor Problemen. Diese spiegeln sich unter anderem im hohen Anteil an dequalifiziert beschäftigten MigrantInnen wider. Eine Nostrifizierung/Nostrifikation ist, abgesehen von den Kosten, für viele MigrantInnen aufgrund der bürokratischen Hürden nicht realisierbar. So kann beispielsweise eine Person, die aufgrund politischer Verfolgung aus ihrem Heimatland flüchten musste, nur schwer die geforderten Bestätigungen der heimischen Behörden und Universitäten erhalten.
IntegrationsexpertInnen setzen sich für formale Erleichterungen sowie intensivere Beratungsangebote bezüglich der Anerkennungsmöglichkeiten ein. Die Europäische Kommission hat unlängst im Aktionsplan Erwachsenenbildung den Ausbau von Maßnahmen zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen sowie Verfahren zur Validierung informell erworbener Kompetenzen gefordert.
Wiener Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen
Das Wiener Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen entwickelte im Projekt "AMPEL" Materialien und Workshops, um ExpertInnen und MultiplikatorInnen über Wege zur Anerkennung von Qualifikationen zu informieren.
Bericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland (pdf)
Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.) (2006). Berichtssystem Weiterbildung IX. Integrierter Gesamtbericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland. Bonn, Berlin.
Bildungsberatung für Migrantinnen und Migranten
Schmidt, Bernhard/ Tippelt, Rudolf (2006). Bildungsberatung für Migrantinnen und Migranten. In: Report. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung (S. 32-42). 29. Jg., Nr. 2/2006. Bielefeld: Bertelsmann.
Lebenslanges Lernen
Statistik Austria (Hrsg.) (2004). Lebenslanges Lernen. Ergebnisse des Mikrozensus 2003. Wien.
Anerkennungs- und Weiterbildungsberatungsstelle
Kompetenzzentrum für NeuzuwanderInnen des Beratungszentrums für Migranten und Migrantinnen.
NARIC (National Academic Recognition Information Centre)
Anlauf- und Kontaktstelle für grenzüberschreitende Anerkennungsfragen im Hochschulbereich.
Aktionsplan Erwachsenenbildung - Zum Lernen ist es nie zu spät (pdf)
Kommission der Europäischen Gemeinschaften (2007): Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 27.9.2007.
Leitfaden AMPEL (pdf)
Leitfaden zur Anerkennung von Bildung, erstellt vom Beratungszentrum für Migranten und MigrantInnen.
Möglichkeiten der Kompetenzanerkennung
Unterschiedliche Möglichkeiten, Kompetenzen nachvollziehbar zu dokumentieren, die durch Lebens- und Berufserfahrung oder ehrenamtliches Engagement erworben wurden.
Kompetenzerfassung und -validierung von informellen Kompetenzen
Die Messung, Beschreibung und Derstellung von informell erworbenen Kompetenzen und ihre Anerkennung wird zunehmend wichtiger.
Bildungsbenachteiligung von Kindern
Studien zufolge weisen Kinder mit Migrationshintergrund im Durchschnitt einen schlechteren Schulerfolg auf als Kinder ohne Migrationshintergrund.
Erwerbsstruktur
Beschäftigungsmuster von unterschiedlichen Zuwanderungsgruppen.
Dequalifizierung
In Österreich verrichten viele Menschen in Hilfs- und Anlerntätigkeiten, obwohl sie einen Abschluss über der Pflichtschule haben. Das Risiko, trotz Ausbildung derartige Tätigkeiten zu verrichten, ist bei MigrantInnen stark erhöht.
Interkulturelle Öffnung und Diversity Management
Zunehmende gesellschaftliche Diversität fordert Bildungsinstitutionen heraus, Migration und Vielfalt als Querschnittsaufgabe wahrzunehmen und u. a. auch die Organisationsstrukturen einer Reflexion zu unterziehen.



