Gender Mainstreaming in der österreichischen Erwachsenenbildung
Vorweg muss festgestellt werden, dass ein umfassender und empirisch fundierter Überblick zur österreichischen Gender-Mainstreaming-Situation in der Erwachsenenbildung noch nicht existiert. Die folgenden Ausführungen basieren auf Recherchen und Erfahrungen der AutorInnen. Sie befassen sich mit den HauptimpulsgeberInnen für Gender Mainstreaming, mit Leitbildern, Konzepten und Angeboten von Erwachsenenbildungseinrichtungen. Die Durchführung systematischer Erhebungen wäre dringend notwendig.
Warum Gender Mainstreaming in der Erwachsenenbildung?
1999 haben sich alle Mitgliedstaaten der EU im Zuge der Ratifikation des Amsterdamer Vertrags dazu verpflichtet, die Chancengleichheit der Geschlechter als Ziel in sämtlichen Bereichen der Politik und Gesellschaft zu verankern. Aus dieser Verpflichtung heraus besteht auch in Österreich Handlungsbedarf, aus dem sich drei federführende InitiatorInnen herausgebildet haben. Auf sie sind zahlreiche Gender-Mainstreaming-Aktivitäten in der österreichischen Erwachsenenbildung zurückzuführen: Das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS Österreich), das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kunst (BMUKK) und die Koordinationsstelle für Gender Mainstreaming im Europäischen Sozialfonds (ESF).
AMS
Das AMS Österreich hat einen ausdifferenzierten Gleichstellungsplan entwickelt, der die eigene Organisation, die Angebote und die KooperationspartnerInnen betrifft. Außerdem sind alle im Auftrag des AMS tätigen TrainerInnen zu einer Gender-Mainstreaming-Schulung verpflichtet. Als Hilfestellung für TrainerInnen hat das AMS eine Anleitung für Genderdidaktik veröffentlicht.
BMUKK
Das BMUKK hat 2001 eine Arbeitsgruppe für Gender Mainstreaming eingerichtet, welche seitdem zahlreiche Aktivitäten anregt, fördert und unterstützt. Das BMUKK hat sich dazu entschieden, Gender Mainstreaming in der eigenen Organisation, insbesondere in der Personalentwicklung umzusetzen. Im Bereich der Erwachsenenbildung hat das BMUKK Pilotprojekte zu Gender Mainstreaming an den LehrerInnen-bildenden Akademien und zu Gender Mainstreaming in der LehrerInnenfortbildung in Auftrag gegeben. In beiden Bereichen wurde laut Evaluationen ein guter Anfang gemacht und eine Gender-Mainstreaming-Struktur aufgebaut. Im Rahmen des Programms Leonardo da Vinci hat das BMUKK einen Leitfaden für Projekt- und Programmverantwortliche entwickelt und veröffentlicht. Die Weiterführung der Prozesse steht an. Zudem hat das bm:ukk viele Projekte und Initiativen im Bereich Gender Mainstreaming in der Erwachsenenbildung gefördert und unterstützt.
Leitbilder und Konzepte
Eine Durchsicht der Websites der KEBÖ-Einrichtungen zeigt, dass sich die meisten Einrichtungen zu einem humanistischen Menschenbild und zum Einsatz für Menschenrechte bekennen. Schon weniger Bildungsinstitute treten dezidiert gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auf. Ein klares Bekenntnis zur Strategie Gender Mainstreaming, zu Geschlechterdemokratie oder Gleichstellung findet sich in den veröffentlichten Leitbildern bislang noch nicht. Allerdings kann festgehalten werden, dass alle Websites in gendergerechter Sprache verfasst wurden.
In ihrer Studie "Der Gender Markt. Eine qualitative Studie zu AnbieterInnen, Strukturen und Standards" (2006) stellen Birgit Buchinger und Ulrike Gschwandtner fest, dass zur Konzeption von Gender Mainstreaming bei österreichischen AnbieterInnen eine sehr hohe Heterogenität vorliegt. In der praktischen Arbeit wird meist auf eine bewusst gewählte Mischung von Theoriezugängen Bezug genommen. Viele weisen vor allem auf die Wurzel der Frauenforschung und feministischen Wissenschaft hin. Auf welche Theorien zurückgegriffen wird, steht in engem Zusammenhang mit den Quellprofessionen der ErwachsenenbildnerInnen.
In ihrer Studie "Der Gender Markt. Eine qualitative Studie zu AnbieterInnen, Strukturen und Standards" (2006) stellen Birgit Buchinger und Ulrike Gschwandtner fest, dass zur Konzeption von Gender Mainstreaming bei österreichischen AnbieterInnen eine sehr hohe Heterogenität vorliegt. In der praktischen Arbeit wird meist auf eine bewusst gewählte Mischung von Theoriezugängen Bezug genommen. Viele weisen vor allem auf die Wurzel der Frauenforschung und feministischen Wissenschaft hin. Auf welche Theorien zurückgegriffen wird, steht in engem Zusammenhang mit den Quellprofessionen der ErwachsenenbildnerInnen.
Angebote
Die meisten großen Erwachsenenbildungseinrichtungen in Österreich, wie das Berufsförderungsinstitut (BFI), die Volkshochschulen (VHS) oder das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI), haben vereinzelt Gender-Mainstreaming-Veranstaltungen im Angebot. Quantität und Qualität der Angebote variieren je nach Einrichtung. So hat die VHS Ottakring ein eigenes Angebotsfeld für Managing Gender und Diversity, wie z.B. einen Lehrgang, eingerichtet. Das BFI und das WIFI in Wien beispielsweise bieten zweitägige Workshops zu Gender Mainstreaming an. Oft werden unter dem Titel Gender Mainstreaming auch spezielle Angebote für Frauen offeriert. Eine Integration von Gender Mainstreaming in die allgemein bestehenden Angebote ist bislang noch nicht zu beobachten. Der Großteil der Angebote in Österreich lässt sich auf Vereine, Trainings- und Beratungsfirmen sowie EinzelunternehmerInnen zurückführen.
Ausblick
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass eine systematische Erhebung zum Stand der Umsetzung in der österreichischen Erwachsenenbildung ansteht. Auf dieser Basis könnten daraufhin gezielte Maßnahmen und Projekte angeregt, gefördert und umgesetzt werden. Klar geworden ist auch, dass ein deutliches und veröffentlichtes Bekenntnis zu Gender Mainstreaming aussteht. Gerade die Verpflichtung bzw. Selbstverpflichtung zu Gender Mainstreaming bietet den Bildungseinrichtungen eine Chance zur Auseinandersetzung mit Geschlechterdemokratie in der eigenen Organisation und in Bezug auf ihre Angebote. Darüber hinaus kann auf diese Weise Know-how für Angebote im Bereich Gender Mainstreaming erworben werden. Es bleibt zu hoffen, dass auf dem bereits breit errichteten Fundament aufgebaut werden kann und Gender Mainstreaming in Österreichs Erwachsenenbildung zur Selbstverständlichkeit wird.



