Europa für Bürgerinnen und bürger (Citizenship)

Das Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger" soll eine aktive europäische BürgerInnenschaft fördern und den BürgerInnen die EU näher bringen. Es fördert einerseits Städtepartnerschaften und BürgerInnenbegegnungen, andereseits jedoch auch Projekte die beispielsweise einen Beitrag zu gegenseitigem Verständnis für unterschiedliche Kulturen und Sichtweisen leisten.

Programm und Ziele

Das Programm soll zur Erfüllung folgender Zielsetzungen beitragen:

  • Den BürgerInnen die Interaktion und Partizipation am Aufbau eines noch stärker zusammenwachsenden, demokratischen, weltoffenen Europas ermöglichen, das durch seine kulturelle Vielfalt geeint und bereichert wird. Auf diese Weise soll die Entwicklung einer Staatsbürgerschaft der Europäischen Union unterstützt werden.
  • Es soll ein Sinn für die europäische Identität gefördert werden, die auf anerkannten gemeinsamen Werten, einer gemeinsamen Geschichte und Kultur aufbaut (C 285/14 DE Amtsblatt der Europäischen Union 22.11.2006).
  • Unter den BürgerInnen soll ein Bewusstsein der Verantwortung für die Europäische Union gefördert werden.
  • Es soll zwischen den europäischen BürgerInnen die Toleranz und das gegenseitige Verstehen bei gleichzeitiger Achtung und Unterstützung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt verbessert und ein Beitrag zum interkulturellen Dialog geleistet werden.

Zielgruppen

Europa für Bürgerinnen und Bürger richtet sich an alle Interessenten, die eine aktive europäische Staatsbürgerschaft fördern:

  • lokale Behörden und Organisationen
  • gesellschaftspolitische Forschungseinrichtungen ("Think-Tanks")
  • BürgerInnengruppen
  • zivilgesellschaftliche Organisationen
  • Nichtregierungsorganisationen (NGO)
  • Gewerkschaften
  • Bildungseinrichtungen
  • Freiwilligenorganisationen und Vereine
  • Amateursportvereine und -verbände usw.

Geförderte Aktivitäten

Aktion 1: aktive BürgerInnen für Europa

  • Kommunalpartnerschaften (Städte- und Kreispartnerschaften)
    Unterstützt werden Aktivitäten, die den direkten Austausch zwischen europäischen BürgerInnen - durch ihre Teilnahme an kommunalpartnerschaftlichen Aktivitäten - zum Inhalt haben oder fördern. Dies können punktuelle Aktivitäten oder Pilotprojekte, aber auch strukturierte mehrjährige Vereinbarungen zwischen mehreren PartnerInnen sein. Im Rahmen von Kommunalpartnerschaften können eine Reihe von Aktivitäten organisiert werden - von BürgerInnenbegegnungen bis zu spezifischen Konferenzen oder Seminaren zu Themen von gemeinsamem Interesse sowie deren Veröffentlichung. Maßnahmen sollen das gegenseitige Kennen lernen und Verstehen der BürgerInnen sowie der verschiedenen Kulturen aktiv unterstützen.

  • BürgerInnenprojekte und flankierende Maßnahmen
    Förderbar sind verschiedene transnationale und sektorenübergreifender Projekte mit direkter BürgerInnenbeteiligung. Vorrang erhalten dabei Projekte zur Förderung der Beteiligung auf lokaler Ebene. Diese Projekte sollen BürgerInnen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenführen, die gemeinsam handeln oder über gemeinsame europäische Themen diskutieren und so gegenseitiges Verständnis entwickeln und Interesse für den europäischen Integrationsprozess wecken. Auch die Entwicklung flankierender Maßnahmen zur Verbesserung von Kommunalpartnerschaften und BürgerInnenprojekten wird gefördert, um bewährte Praktiken auszutauschen, die Erfahrungen der Akteure auf lokaler und regionaler Ebene, einschließlich staatlicher Stellen, zu bündeln und neue Fähigkeiten (z.B. durch Schulungen) zu kreieren.

Aktion 2: aktive Zivilgesellschaft in Europa

  • Strukturförderung für Forschungseinrichtungen, die sich mit europäischen öffentlichen Politiken beschäftigen (Think Tanks)
    Dabei geht es um die Stärkung transeuropäischer Netzwerke und Unterstützung von Einrichtungen, die neue Ideen und Überlegungen zu europäischen Themen beisteuern und in der Lage sind, unabhängige strategische sektorübergreifende Empfehlungen an die EU-Organe auszusprechen. Die Maßnahmen sollen die institutionelle Leistungsfähigkeit jener Einrichtungen stärken, die repräsentativ sind, einen echten europäischen Mehrwert erbringen, große Multiplikatorwirkung erzielen können und schließlich in der Lage sind, mit anderen Programmbegünstigten zusammenzuarbeiten. Zuschüsse können für ein mehrjähriges Arbeitsprogramm mit einer Palette von Themen oder Aktivitäten gewährt werden.

  • Strukturförderung für zivilgesellschaftliche Organisationen auf europäischer Ebene
    Abgezielt wird auf die Schaffung von Kapazität und Stabilität für Organisationen der Zivilgesellschaft, um für ihre Mitglieder und für die Zivilgesellschaft auf europäischer Ebene in sektorübergreifender Hinsicht die Rolle transnationaler Katalysatoren zu übernehmen. Als Teil der staatsbürgerlichen, pädagogischen, kulturellen und politischen Maßnahmen für die Beteiligung an der Gesellschaft sollen sich diese im Wege der Anhörung an der Politikgestaltung beteiligen. Zuschüsse können für ein mehrjähriges Arbeitsprogramm mit einer Palette von Themen oder Aktivitäten gewährt werden.

  • Unterstützung für Initiativen von Organisationen der Zivilgesellschaft
    Organisationen der Zivilgesellschaft auf lokaler, regionaler, nationaler oder europäischer Ebene sollen unterstützt werden, um durch Diskussionen, Veröffentlichungen, Parteinahme und andere konkrete transnationale Projekte BürgerInnen einzubinden oder ihre Interessen zu vertreten. Diese Aktivitäten sollen eine europäische Dimension erhalten bzw. ausbauen, die Leistungsfähigkeit dieser Organisationen verbessern und ein größeres Publikum erreichen. Die direkte Zusammenarbeit von Organisationen der Zivilgesellschaft aus verschiedenen Mitgliedstaaten als Beitrag zu gegenseitigem Verständnis für unterschiedliche Kulturen und Sichtweisen wird dabei besonders gefördert. Dies ist auch im Rahmen einzelner Projekte möglich, es soll jedoch grundsätzlich ein längerfristiger Ansatz verfolgt werden, der eine nachhaltigere Wirkung gewährleistet sowie Synergien und den Aufbau von langfristigen Netzwerken ermöglicht.

Aktion 3: gemeinsam für Europa

  • Veranstaltungen der EU-Kommission mit großer Öffentlichkeitswirkung, wie z.B. Gedenkfeiern, Preisverleihungen, künstlerische Veranstaltungen, europaweite Konferenzen
  • Studien, Erhebungen und Meinungsumfragen sowie diesbezügliche Informations- und Verbreitungsinstrumente

Aktion. 4: aktive Europäische Erinnerung

  • Erhalt und die Pflege der Gedenkstätten und Archive im Zusammenhang mit nationalsozialistischen und stalinistischen Deportationen sowie das gemeinsame Gedenken an die Opfer dieser Gewaltherrschaften

Für alle Aktionen des Programmes gibt es mehrmals im Jahr so genannte Bewerbungsaufrufe und es muss ein Projektantrag eingereicht werden. Dieser Antrag kann nur von einer juristischen Person (einer Einrichtung wie z.B. einer Organisation, Unternehmen, etc.) eingereicht werden, nicht jedoch von einer Einzelperson. Die Antragsformulare sind vorgegeben und können bei der Exekutivagentur angefordert bzw. downgeloaded werden.

Einsatzbeispiel: "E(U)quality"

Projektbeschreibung

Ziel dieses Projekts war es, einerseits den Mitarbeiterinnen und Klientinnen der jeweiligen Frauenberatungsstelle das oft als abstrakt empfundene "Konstrukt EU" näherzubringen und andererseits verschiedenen Gruppen von MultiplikatorInnen Themen wie Gleichstellungspolitik in der EU, Einfluss dieser Politik auf Österreich oder aber auch die Auswirkungen des EU-Beitrittes auf das tägliche Leben von Frauen in Österreich - Fokus auf "Beruf und Arbeit" - näherzubringen. Um die Themenbandbreite einzugrenzen, konzentrierte sich das Projekt auf die Bereiche Gleichstellung und Demokratie, auf den Nutzen der EU für Frauen und frauenpolitische Einrichtungen sowie auf Bedürfnisse und Wünsche, die Frauen und Frauenorganisationen an die EU haben.

Desweiteren leistete das Projekt einen Beitrag zur Vernetzung zwischen alten und neuen Beitrittsländern der EU. Kontakte für Kooperationen für zukünftige gemeinsame Aktivitäten und Projekte wurden geschlossen.

Zu diesem Zweck wurden PartnerInnenorganisationen aus 5 europäischen Staaten eingebunden: Deutschland, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Tschechischen Republik. Aus Österreich beteiligten sich neben der koordinierenden Einrichtung Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen (Netzwerk FMBS) drei weitere Stellen: Gleichbehandlungsanwaltschaft, Kammer für Arbeiter und Angestellte und Frauenministerium.

Das Projekt wurde im Rahmen von 3 Event-Typen durchgeführt:

  • 11 E(U)quality-Diskurscafés waren in verschiedenen Orten in Österreich, der Slowakei und Deutschland niederschwellig organisiert, fanden überwiegend im ländlichen Raum statt und es wurde nach einem speziell erstellten Diskussionsleitfaden zu relevanten Fragen diskutiert, z.B. "Welche Auswirkungen hat(te) der EU-Beitritt auf das tägliche Leben von Frauen und Männern, auf Berufs- und Bildungssituation in Österreich und in Tschechien/Slowakei/Deutschland? Wie hat er sich auf Gender-Gleichstellung ausgewirkt?". Ein Fragebogen sollte Wünsche an EU-Politiken erheben. Frauen, die es nicht gewohnt waren, Konferenzen zu besuchen, konnten sich in einem Vertrauen schaffenden Rahmen über die EU informieren und  ihre Wünsche und Anliegen austauschen.

  • 4 fachspezifische EU-Seminare für MultiplikatorInnen
    Eine internationale Konferenz zu Projekt-Ende fasste die Ergebnisse aus den Veranstaltungen zusammen und stellte sie einem breiten Publikum aus ExpertInnen und interessierter Öffentlichkeit vor. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Konferenz waren Vorträge zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Rumänien und in der Slowakei  - mit einem Fokus auf tatsächlichen Veränderungen seit dem EU-Beitritt bzw. das Veränderungspotential durch die EU-Mitgliedschaft.

in Österreich und Spanien informierten zum Thema "EU-Equality-Politik", wie z.B. Gleichstellungspolitik in der EU - Richtlinien, Dokumente, gesetzliche Regelungen; Kommunikationsmöglichkeiten von Frauen mit EU-Institutionen - Ansprechpersonen, Gremien und ähnliches auf nationaler und EU-Ebene; Auswirkungen des EU-Beitritts auf das tägliche Leben von Frauen in Österreich - Fokus auf "Beruf und Arbeit"; Vorschläge für eine weitere Zusammenarbeit im Rahmen von EU-Projekten und Netzwerken; die Vermittlung dieser Themen an Frauen, die zu den Beraterinnen in Berufsberatungseinrichtungen kommen usw.

Direkte Zielgruppen

  • MultiplikatorInnen: Beraterinnen und Mitarbeiterinnen von Frauen- und Mädchenberatungsstellen, ExpertInnen aus Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik, lokale PolitikerInnen
  • Interessierte Öffentlichkeit: BesucherInnen der Schlusskonferenz, TeilnehmerInnen an den E(U)quality-Diskurscafés (vor allem aus dem Nutzerinnen-Umfeld der Frauen- und Mädchenberatungsstellen)

Projektergebnisse

  • Website
  • Informations-Booklet "E(U)quality: Gleichstellung und Antidiskriminierung in der EU und in Österreich"
  • Ergebnisse der Fragebogenerhebung "Wünsche an die EU-Politik"

Koordination

Netzwerk österr. Frauen- und Mädchenberatungsstellen
E-Mail: ulrike.faltin@netzwerk-frauenberatung.at
Webseite: http://www.frauenberatung.eu/euquality
Kontakt: Ulrike Faltin

ProjektpartnerInnen

Instituto Canario de la Mujer, ES
Gender Studies, o.p.s., CZ
Záujmové združenie žien, SK
Frauentherapiezentrum - FTZ München e.V., D

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