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Digitale Teilhabe soll kein Luxusgut sein

13.10.2015, Text: Karin Kulmer, Online-Redaktion
Für die Initiative "digital und deutsch" sind IKT und Basisbildung kein unvereinbarer Widerspruch. Das Projekt ist für den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2015 nominiert.
  • (c) Frauen aus allen Ländern Foto: (C) Frauen aus allen Ländern
    "digital und deutsch" kombiniert digitale u. analoge Methoden von Anfang an
  • Österreichischer Staatspreis für Erwachsenenbildung (c) CONEDU
    Nominiert für den Staatspreis Erwachsenenbildung
In einer Serie von Beiträgen stellen wir die Nominierten zum Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2015 vor - hier in der Kategorie "Digital Literacy", für die noch bis zum 20.10.2015 ein Publikumsvoting läuft.

 

Während in vielen Basisbildungsangeboten IKT isoliert behandelt wird, integriert die Initiative digital und deutsch IKT-Inhalte von Beginn an in Alphabetisierungs-, Basisbildungs- und DaZ-Kurse. Digitale und analoge Mittel werden kombiniert; PCs, Tablets, Kameras und Diktiergeräte kommen ebenso zum Einsatz wie analoge Schreibübungen. Unterrichtet wird in Kleingruppen von acht bis zwölf Teilnehmerinnen, die üblicherweise von zwei Trainerinnen und einer Volontärin betreut werden. Digital und deutsch ist als eines von drei Projekten für den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2015 nominiert.

Vielfältige Aufgabenstellungen
Im Zentrum des Unterrichts stehen die alltagsweltlichen Fähigkeiten der Teilnehmerinnen mit Deutsch als Zweitsprache. Wie man einen Ticketautomaten richtig bedient, gehört genauso zum gemeinsam festgelegten Lehrplan wie Deutschlernportale, Textverarbeitung und digitale Fotografie. Übungen am PC und Tablet - und deren alltagsrelevante Nutzungsmöglichkeiten - kombinieren die TrainerInnen zu diesem Zweck mit analogen Methoden wie Schreibübungen und Wortpuzzles. Auch andere Geräte wie Kameras oder Diktiergeräte werden im Unterricht verwendet, wodurch alternative Bildungsformate entstehen können, etwa ein Fotomarathon. "Wir möchten gemeinsam mit Teilnehmerinnen Wege finden, sich im digitalen Alltag besser zurechtzufinden", so Angelika Atzinger vom Verein Frauen aus allen Ländern, der hinter dem Projekt steht. "Unser Ziel ist es, auch Menschen, die am Anfang ihres formellen Bildungsweges stehen, die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu erleichtern."

Da jede Teilnehmerin andere Vorerfahrungen mitbringe, müssen die TrainerInnen flexibel auf die Bedürfnisse der jewiligen Gruppe reagieren. Angelika Atzinger: "Oft sehen wir gerade in den Alpha-Kursen, dass die TeilnehmerInnen bereits zahlreiche Strategien mitbringen, um etwa Smartphones zu benutzen". Geringe Schriftsprachenkenntnisse dürften daher nicht per se mit digital illiteracy gleichgesetzt werden.

Beispiel: Einstieg in Textverarbeitungsprogramme
Auf der Projekthomepage beschreiben die TrainerInnen, wie sie in einem DaZ-Kurs mit integrierter IKT-Komponente methodisch vorgegangen sind. Um die grundlegenden Funktionen eines Textverarbeitungsprogramms - in diesem Fall MS Word - zu erarbeiten, besprachen sie zunächst die wichtigsten Symbole und erklärten deren Bedeutung. Parallel konnten die Teilnehmerinnen die Funktionen in Partnerinnenarbeit in MS Word ausprobieren. Mit Hilfe von eines interaktiven Laufdiktats vertieften sie in der folgenden Unterrichtseinheit die erlernten Begriffe und erstellten schließlich in Teamarbeit Word-Dokumente mit Text und Bildern.

IKT kritisch reflektieren
Der kritische, reflektierte Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien ist den TrainerInnen besonders wichtig. So widmen sie dem Thema "Sicherheit im Internet" besondere Aufmerksamkeit und thematisieren etwa Spam-Mails oder Privatsphäreeinstellungen in Sozialen Medien. Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen erarbeiten sie grundlegende Regeln für den sicheren Umgang mit dem Internet und diskutieren richtiges Verhalten im Netz.

Projekthintergrund
Seit 2012 entwerfen die Trainerinnen der Bildungs- und Beratungseinrichtung "Frauen aus allen Ländern" Konzepte und Materialien, um IKT sinnvoll in die Basisbildung für Erwachsene mit nicht-deutscher Erstsprache zu integrieren. Neue Erkenntnisse fließen laufend in die Kurse ein und werden so in der Praxis getestet. Während man anfangs IKT-Elemente eher in fortgeschritteneren Kursen einsetzte, wurde nach und nach auch in Alphabetisierungskursen mit Computern, Tablets und Smartphones gearbeitet. Bei den Teilnehmerinnen komme das integrierte Kursformat gut an, so Angelika Atzinger: "Viele fragen dezidiert nach Computerunterricht - auch in Alphabetisierungskursen."