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Kooperatives Lernen in der Basisbildung

13.10.2014, Text: Julia Rodlauer, Online-Redaktion
Neue Ansätze und erweitertes Angebot an Basisbildung für MigrantInnen wurden im Projekt K.L.I.B.A erprobt.
  • Foto: Danaida
    Lernen in der Basisbildung mit neuen Technologien wie z.B. Tablets
  • Foto: ISOP
    Offenes Atelier als persönlichkeitstärkende Maßnahme
In der Steiermark existieren wenig Basisbildungsangebote für MigrantInnen. Das Projekt K.L.I.B.A - eine Kooperation mehrerer steirischer NGOs - entwickelte daher neue Angebote und setzte neue Methoden in der Basisbildung ein. Es vernetzte Einrichtungen in der Basisbildung, um Einblicke in deren unterschiedliche Arbeitsweisen zu ermöglichen und – vielfach über kreative Schaffensprozesse, praxisnahe Workshops oder Projekte – den Zugang zu Basisbildungsangeboten für MigrantInnen zu erleichtern.

 

Basisbildung mit Tablet und Co.
Der Verein Danaida widmete sich in seinem Teilprojekt der Basisbildung einer auf Informations- und Kommunikationstechnologie basierenden Lernumgebung. "Mehrsprachige Mädchen und junge Frauen unterstützten hier als Lernpartnerinnen erwachsene Frauen beim Lernen mit neuen Technologien, wobei vor allem Tabletcomputer zum Einsatz kamen", berichtet Marianne Hammani-Birnstingl vom Verein Danaida.

 

Die Teilnehmerinnen verwendeten hier die Tablets beispielsweise für das selbstständige Lernen und Wiederholen mit Hilfe von Apps und dem Internet. Weiters filmten sie damit vorgegebene Kommunikationssituationen in der Kleingruppe, Präsentationen und Besprechungen im Plenum. Auch bei Exkursionen setzten sie die Tablets ein, um Fotos und Tonaufnahmen zu machen.

 

Offenes Atelier für TeilnehmerInnen …
Der Verein ISOP bot TeilnehmerInnen ein "offenes Atelier" - "ein Tool der Kunsttherapie", so Birgit Fedl-Dohr vom Verein ISOP. "KursteilnehmerInnen besuchten das offene Atelier auf freiwilliger Basis einmal pro Woche für zwei Stunden", führt Fedl-Dohr weiter aus. Diese aber zum Besuch zu motivieren, sei am Anfang nicht leicht gewesen. Einige Widerstände und Vorurteile wie "Ich kann nicht malen", "Beim Malen lerne ich nichts" oder die Angst vor Bewertung mussten zu Beginn überwunden werden.

 

Fedl-Dohr betont aber die starken Vorteile, die eine solche kunsttherapeutische, persönlichkeitsstärkende Maßnahme mit sich bringe: "Malen bietet die Möglichkeit, Emotionen und Unbewusstes auszudrücken. Auch kommt man in den Dialog mit sich selbst bzw. mit anderen, so kann man auch seine Sprachkompetenzen erweitern. Generell stärkt das Malen aber den Selbstwert, was wiederum lernbereit macht."

 

… und TrainerInnen
Auch TrainerInnen nutzten einmal im Monat für drei Stunden dieses persönlichkeitsstärkende Angebot. "Unter Anleitung einer Kunsttherapeutin konnten sie mit unterschiedlichen Materialien gestalten und sich ausdrücken, um Abstand zum beruflichen Geschehen zu gewinnen bzw. berufliche Probleme zu verarbeiten", erklärt Fedl-Dohr. Dabei komme es automatisch zum Austausch über Frustration und Scheitern im beruflichen Alltag. Diese intervisorischen Gespräche helfen, Krisensituationen aufzuarbeiten, stärken den Selbstwert und fördern die Handlungsfähigkeit im Berufsalltag.

 

Kreatives Ausleben in der Basisbildung der "LernBOX"
Die Vereine mafalda und uniT boten Mädchen und jungen Frauen von 15 bis 24 Jahren einen Lernraum, die sogenannte "LernBOX", für Basisbildung. Innerhalb von sechs Monaten festigten die Teilnehmerinnen in der Kombination von Basisbildung, künstlerisch-kreativen Angeboten und sozialpädagogischer Begleitung Lesen, Schreiben, Rechnen sowie den Umgang mit digitalen Medien und Computerprogrammen, um sich auf das Nachholen von Bildungsabschlüssen vorzubereiten. Lehrerinnen, Künstlerinnen und eine Sozialpädagogin begleiteten und unterstützten die Mädchen bzw. jungen Frauen dabei, ihre individuellen Lernziele zu erreichen.

 

Demokratie durch praxisorientiertes Lernen
Für die politische und anti-diskriminatorische Basisbildung entwickelte der Verein SOMM im Teilprojekt "IQRA" ein Workshopkonzept zu "Demokratie durch praxisorientiertes Lernen". "Der Workshop informierte die Teilnehmerinnen über Demokratie, dem damit verbundenen Wahlrecht und den Aufbau und die Funktionen von Parteien", erzählt Roswitha Al-Hussein vom Verein SOMM.

 

In einem Wahl-Rollenspiel gründeten die Teilnehmerinnen Parteien, entwickelten Wahlversprechen und versuchten im Rahmen eines "TV-Duells" möglichst viele "Wählerinnen" von sich zu überzeugen, um im anschließenden Wahlvorgang als Siegerinnen hervorzugehen.

 

Festigung der Muttersprache als Voraussetzung für das Deutsch-Lernen
Für die Alphabetisierung in der Erstsprache entwickelte SOMM ein "Curriculum Muttersprache". Im Kurs unterstützte eine muttersprachliche Trainerin die Migrantinnen, in ihrer Muttersprache lesen und schreiben zu lernen bzw. diese Fähigkeiten zu verbessern. Die Trainerin beachtete dabei die unterschiedlichen Niveaus und individuelle Lerntypen. So wurden auditive Typen mit Leseübungen sowie Dialogen in Zweiergruppen und visuelle Typen mit Wahrnehmungsfähigkeitsübungen gefördert.

 

Ziel des muttersprachlichen Kurses war, die Frauen in ihrer Identität zu stärken und ihnen somit einen leichteren Einstieg in die Alphabetisierung in deutscher Sprache zu ermöglichen.

 

Wissensdurst im Bereich Gesundheit
Weiters entwickelte SOMM ein Curriculum zu "Gesundheit und Eurythmie", da gerade der Gesundheitsbereich für viele Teilnehmerinnen eine große Lernmotivation darstellte. Die Frauen wünschten sich vor allem die Fähigkeit, Arzt- und Spitalswege selbstständig erledigen, Schmerzen und Krankheitssymptome auf Deutsch ausdrücken, aber auch Therapievorschläge von Ärztinnen verstehen zu können. Auch äußerten sie Interesse an der Lage von Organen, Erste Hilfe mit Kindern sowie an Natur- und Heilkunde.

 

Mit den Methoden "Eurythmie", "Psychodramaturgie Linguistik (PDL)" und "Generative Worte" brachte der Verein den Teilnehmerinnen diese und noch weitere Bereiche näher. "Beispielsweise setzen die Frauen mit der Methode 'Eurythmie' einzelne Buchstaben in Körperfiguren um, wobei jeder Buchstabe einer bestimmten Geste zugeordnet ist. Hierbei lernten die Teilnehmerinnen nicht nur spielerisch das Alphabet, sondern die Methode förderte durch die Bewegung auch zusätzlich die Gesundheit", so Al-Hussein.

 

Projektwochen
Über die Teilprojekte hinaus veranstalteten die ProjektpartnerInnen Projektwochen, um den Austausch unter den TeilnehmerInnen zu fördern. Da die am Projekt mitwirkenden Institutionen auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet sind, sollte es mit gemeinsamen Workshops, Exkursionen etc. für die TeilnehmerInnen möglich sein, auch die Arbeitsschwerpunkte der anderen beteiligten Einrichtungen kennenzulernen.

 

"Die Einrichtungen sollten hier einfach die Möglichkeit haben, ihre Expertise den TeilnehmerInnen präsentieren zu können. Beispielsweise verwendete Danaida in den Kursen Tablets; mafalda war vor allem im kreativen Bereich tätig und arbeitet vorwiegend mit Mädchen und jungen Frauen", so Marianne Hammani-Birnstingl, Geschäftsführerin von Danaida.

 

Das Projekt "K.L.I.B.A"
Der Grazer Verein Danaida war Projektträger von K.L.I.B.A. Als Partner waren ISOP, mafalda, uniT und SOMM beteiligt, die ebenfalls in Graz ansässig sind. Das Projekt, das am 1. September 2012 startete und am 30. Juni 2014 endete, gliederte sich in Teilprojekte, die jeweils von den einzelnen Projektpartnern übernommen wurden. Das hier gewonnene theoretische und praktische Wissen wurde mit den Partnerorganisationen ausgetauscht und diskutiert. Der Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) förderten das Projekt.

Konkrete Produkte wie Berichte, Leitfäden etc. stehen auf den Websites von Danaida, ISOP und SOMM zum Download bereit.

Weitere Informationen: