Was ist ein Blog und wozu kann er eingesetzt werden?
Was ist ein Blog und wozu kann er eingesetzt werden?

Der Blog, das unbekannte Wesen

08.06.2012, Adrian Zagler, Online-Redaktion
Langsam aber sicher werden Blogs ein immer beliebteres Medium der Erwachsenenbildung. Was steht dahinter? (Serie: Blogs in der Erwachsenenbildung, 1)
Blogging: Der Begriff ist längst schon in aller Munde, auch wenn viele in der Branche noch kein wirkliches Bild davon haben, was ein Blog (Langform: Weblog) ist, und wie er in der Bildungsarbeit eingesetzt werden kann. Kaum jemand betreibt selbst einen Blog. Dabei bieten Blogs eine Reihe von Vorteilen, sowohl wenn sie von ErwachsenenbildnerInnen für ErwachsenenbildnerInnen geschrieben werden, als auch wenn sie direkt in der Lehre zum Einsatz kommen. Dieser erste Teil einer dreiteiligen Reihe zum Thema "Blogs in der Erwachsenenbildung" widmet sich der Frage, was Blogs sind, welche Chancen sie bieten, und was sie mit dem Berufsethos in der Erwachsenenbildung zu tun haben.

Vielseitig einsetzbar und doch unterschätzt
Ein Weblog, auch Blog, ist eine persönliche Website auf der eine oder mehrere Personen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen kurze Einträge veröffentlichen. Diese Einträge können aus Texten, Links, Grafiken, Videos und anderen Medien bestehen, und werden in chronologisch umgekehrter Reihenfolge angeordnet, sodass der jüngste Eintrag immer an erster Stelle steht. Blogs sind leicht zu erstellen, einfach zu betreiben und vielseitig verwendbar: als öffentliches "schwarzes Brett" zu einem bestimmten Thema, als Tagebuch, als Linkliste, als Plattform für Publikationen etc. Und doch ist Bloggen hierzulande, im Vergleich z.B. zu den USA, kein Massenphänomen. Laut Tobias Hagemeister, der Blogging-Lösungen für Unternehmen anbietet, "nutzen nur noch 7% der Onliner Blogs. Dieser zu verzeichnende Rückgang ist meines Erachtens auf den großen Erfolg der sozialen Netzwerke wie Facebook zurückzuführen. Gedanken, Meinungen und Fotos privater Natur werden überwiegend dort mitgeteilt."

Blogs wird also von den sozialen Medien der Rang abgelaufen. Dabei ist richtiges Bloggen nicht nur das Posten der einen oder anderen Statusmeldung, sondern bedeutet Arbeit: in regelmäßigen Abständen müssen interessante und aktuelle, "zeitgeistige" Beiträge veröffentlicht werden. Nur dadurch kann ein Blog Publikum gewinnen und behalten, weiß Hagemeister. Gerade zum Thema Weiterbildung sollte es an Neuigkeiten und Entwicklungen nicht mangeln. Der Vorteil: Ein gut gemachter Blog mit regelmäßigen, informativen und hochwertigen Updates lässt sich als kostengünstige Werbemaßnahme oder zur informativen Vernetzung mit KollegInnen verwenden.
 
Blogs revolutionieren Kommunikation und Wissensaustausch
Blogs, ebenso wie andere Formen des Web 2.0 (auch Social Media genannt), bieten eine niederschwellige Möglichkeit zum Informationsaustausch. Sie sind schnell und einfach zu erstellen und ebenso schnell und einfach im Internet aktualisier-, abruf- und verbreitbar. Jedermann und jedefrau kann sein oder ihr Wissen mit anderen teilen und wiederum von Wissen anderer profitieren. Aus der sozialen Interaktion und Zusammenarbeit entwickeln sich breitere Wissensfundamente. Blogs bieten auch die Möglichkeit, öffentlich Themen zu diskutieren, die in den herkömmlichen Massenmedien vernachlässigt werden. Das Potential dieser "grassroots advocacy" wurde im Arabischen Frühling deutlich.

Aber auch für Themen der Erwachsenenbildung lassen sich Blogs einsetzen, besonders wenn sie in Verbindung mit anderen sozialen Medien, wie Facebook und Twitter, stehen: "Indem sie den jeweiligen Seiten "folgen" (Twitter) oder auf "gefällt mir" (Facebook) klicken, wählen die User selbst aus dem Informationsangebot und entscheiden, ob sie die verfügbaren Beiträge kommentieren oder mit anderen teilen wollen. Dadurch werden die Artikel und Ankündigungen im eigenen Netzwerk der User verbreitet und unterstützen damit das Anliegen einer Basisanwaltschaft für die Erwachsenenbildung", schreiben Reinhard Lechner und Wilfried Hackl zum Thema "Social Media in der Weiterbildung". Gesellschaftspolitische Themen, die in den starreren Printmedien oft zu kurz kommen, erhalten im Web 2.0 eine Stimme. Sie können per Mausklick um die Welt gehen und damit den Grundstein für positive Entwicklungen geben. Inzwischen bieten auch Blogs längst die Funktionalität sozialer Medien und Blogeinträge können rasch im eigenen Netzwerk geteilt werden.

Von und für PraktikerInnen
Ein Erwachsenenbildungsblog kann dazu dienen, Basisanwaltschaft für spezielle Anliegen der Erwachsenenbildung zu betreiben. Ebenso kann ein Blog dazu genutzt werden, eigene Erfahrungen aus dem beruflichen Alltag zu verarbeiten und zu reflektieren, mit anderen zu teilen und zu diskutieren, und sich darüber hinaus auch Ideen und Anstöße für Neuerung zu verschaffen. Blogs von Lehrenden für Lehrende dienen der nationalen und internationalen Vernetzung von ExpertInnen und Interessierten aus den verschiedensten Berufsfeldern. Ein solcher Blog kann der virtuelle Ort sein, an dem Theorie und Praxis aufeinander treffen. Aktive Blogger teilen ihre Erfahrungen mit anderen, geben Tipps und Anleitungen, tauschen Ideen aus, führen Diskussionen rund um didaktische und methodische Themen, machen auf neue Entwicklungen aufmerksam und sehen gleichzeitig, womit sich Gleichgesinnte beschäftigen. Blogger Andreas Rudolph fasst den Vorteil von Blogs zusammen: "Sie bieten Praxiserfahrungen von Leuten, die selbst in dem Gebiet arbeiten, über das sie schreiben".

Kognitive und soziale Arbeit
Bildungsblogs vernetzen oft PraktikerInnen. Speziell auf die Erwachsenenbildung umgemünzt, bedeutet dies, dass Blogs eine Chance sind, niederschwellig an ein Fachpublikum zu veröffentlichen und fachlich fundierte Diskussionen anzustoßen. Diese "kognitive Arbeit" ist laut den Forscherinnen Luehmann und Tinelli aber nur eine Möglichkeit, wie LehrerInnen - und im erweiterten Sinn auch ErwachsenenbildnerInnen generell - Blogs nutzen können. Zwei weitere Zwecke sind die "affektive" und die "soziale Arbeit". Diese passiert laut Luehmann und Tinelli weniger in Posts selbst, als in Kommentaren dazu. In diese Kategorie fallen der Austausch von Ressourcen, Mentoring, sowie Loben, Bemitleiden und Unterstützen. Besonders für JunglehrerInnen sei diese Kombination aus Partizipation und Anerkennung innerhalb der weiteren Lehrerschaft wichtig, um die eigene Identität zu formen. Netzwerke würden vor allem durch das Austauschen von gemeinsamen Erfahrungen gebildet.

Angst vor Transparenz
Das Handwerkszeug für die Arbeit im Web 2.0 lässt sich unter anderem am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) erlernen. In der Vergangenheit wurden dort immer wieder Trainings zum Web 2.0 und den sozialen Medien speziell für Bildungseinrichtungen angeboten. Kursleiter David Röthler sieht die Chancen von Blogs im Bereich der Erwachsenenbildung unter anderem auch darin, dass sie prozessorientiert sind und Kursentwicklungen ebenso wie persönliche Entwicklungen für die Kursteilnehmer und auch externe Interessierte sichtbar und transparent machen. Er plädiert für "open educational resources", also dass z.B. Lern- und Bildungsunterlagen frei zugänglich werden. Schließlich werde ja gerade in der Erwachsenenbildung viel mit öffentlichem Geld finanziert. Röthler stellt jedoch fest, dass in der Erwachsenenbildungsszene immer noch "Furcht vor Technik und Furcht vor Transparenz" herrschen: "Man kann nicht mit partizipativen Formaten umgehen. Erwachsenenbildung ist eben immer noch sehr stark traditionelle Wissensvermittlung". Und nicht zuletzt gäbe es auch noch jene, die kurz vor der Pensionierung stünden und darum aus Bequemlichkeit in alten Mustern verharrten, anstatt sich in Neuerungen einzuarbeiten. Röthler: "So viel zur Idee des Lebenslangen Lernens bei Menschen in Bildungsberufen".

Erfolgreiche Blogger
Noch halten also unter anderem zu wenig Zeit, fehlende Medienkompetenz und generelle Skepsis viele PraktikerInnen davon ab, selbst aktive BloggerInnen zu werden. Jochen Robes, Wolfgang Jütte und Christian Kloyber dagegen sind schon unter die Blogger gegangen. Im "Weiterbildungsblog" bzw. im "L3lab" veröffentlichen sie Gedankensplitter, Neuigkeiten, Forschungsergebnisse und vieles mehr in Bezug auf Bildungsberatung, e-Learning und Lebenslanges Lernen. Im Bereich Basisbildung ist seit Ende 2011 der "Blog Basisbildung" online und bietet ein Potpourri an relevanten Beiträgen. Alle drei Blogs laden Interessierte zur Diskussion ein. Wer lieber selbst einen Blog betreiben möchte, kann dies zum Beispiel über das Network of Trainers in Europe tun. Das durch LEONARDO geförderte Projekt bietet auf seiner Homepage registrierten Mitgliedern die Möglichkeit, sowohl Blogs als auch Foren zu erstellen oder Beiträge zu posten.
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