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"Du bist selbst ExpertIn, um herauszufinden, was du kannst."

09.08.2017, Text: Lucia Paar, Online-Redaktion
Die Caritas Steiermark bietet interne Beratung für MitarbeiterInnen, die sich beruflich verändern wollen oder müssen. Dabei schlägt das Angebot die Brücke zur Weiterbildung.
  • Foto: CC0 pixabay.com/congerdesign
    Workshop Kompetenzprofi(l): Kompetenzen aufspüren und Entwicklungsperspektiven entdecken
  • Logo: (C) Caritas
    Kompetenzprofi(l): ein Angebot der Caritas Steiermark
Eva Hierzberger (Caritas Steiermark) berät im Rahmen des Workshops „Kompetenzprofi(l)" MitarbeiterInnen, die sich beruflich verändern wollen oder müssen. Dabei geht es neben dem Entdecken von Entwicklungsperspektiven auch darum, die eigenen Kompetenzen aufzuspüren und beschreiben zu können. Damit schlägt das Angebot die Brücke zur Weiterbildung und trägt zur Bewusstseinsbildung bei. Im Gespräch mit der Online-Redaktion gibt die Personalentwicklerin einen Einblick in das Bildungsangebot.

Lucia Paar: Welche Intention steckt hinter dem Angebot?

Eva Hierzberger: In der Personalentwicklung bin ich u.a. für die Begleitung und Beratung von MitarbeiterInnen zuständig, die sich innerhalb der Organisation verändern wollen oder müssen (z.B. weil ein Angebot wegfällt oder verkleinert wird wie zuletzt bei der Schließung von Flüchtlingsquartieren). Bis zur Einführung des Workshops „Kompetenzprofi(l)" waren das immer aufwändige Einzeltermine. Nun führe ich einmal im Jahr Workshops mit Gruppen durch. Das ist zeitlich intensiver und ich kann die Ressource "Gruppe" nützen. Zusätzlich hat sich herumgesprochen, dass dieses Beratungsangebot auch für jene gut geeignet ist, die innerhalb ihres Jobs andere Themen übernehmen wollen oder sich auf die Pension vorbereiten.

Lucia Paar: Mit welchen Erwartungen kommen die TeilnehmerInnen zu Ihnen?

Eva Hierzberger: Sie erwarten, dass sie am Ende wissen, was ihre nächsten Schritte hin zu einer Veränderung sind. Diese Erwartungen frage ich immer ganz zu Beginn ab, damit ich dann passgenau planen kann, sodass alle TeilnehmerInnen am Ende des Workshops ihrem Wunschzustand ein Stück näher gekommen sind.

Lucia Paar: Können und Wunschberuf entsprechen sich ja nicht immer. Welche Lösungsansätze gibt es, wenn Kompetenzen und gewünschtes Berufsfeld sich unterscheiden?

Eva Hierzberger: Ich habe als Personalentwicklerin eine gute Übersicht über benötigte Ausbildungen und Kenntnisse für die einzelnen Arbeitsfelder. Aus diesem Grund kann ich, wenn einmal klar ist, in welche Richtung es weiter gehen soll, Empfehlungen für Aus- oder Weiterbildungen geben und auch gleich mögliche finanzielle (z.B. Fördermodelle) und zeitliche (z.B. Bildungskarenz) Rahmenbedingungen klären.

Lucia Paar: Mit welchem Kompetenzverständnis arbeiten Sie? Wo sehen Sie Stärken im Vergleich zu anderen Konzepten?

Eva Hierzberger: Ich arbeite mit dem ProfilPASS. Dort sind die Kriterien, um von einer Kompetenz zu sprechen:

  • der Bezug zur Handlung
  • die Gebundenheit an eine Person
  • und die Übertragbarkeit dieser Kompetenz auf andere Zusammenhänge.
  • Kompetenzen beschreiben das, was ein Mensch tatsächlich und nachweisbar kann.

Kompetenzen erwirbt man ein Leben lang in unterschiedlichen Lebensbereichen.

 

Die Stärke des Modells liegt aus meiner Sicht in der Selbstbeschreibung: Nicht ein "objektiver" Test, nicht ein/e ExpertIn sagt mir, was ich kann, sondern ich selbst werde angeleitet, meine Kompetenzen aufzuspüren und zu beschreiben. Die Beratung dient dabei als Korrektiv, um gemeinsam zu einer realistischen Einschätzung zu kommen. Das führt zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins, was vor allem für Menschen hilfreich ist, die keine lineare Ausbildungs- und Berufsbiographie aufweisen. In der Therapie würde man sagen, es kommt zu einem "reframing", d.h. ein abgebrochenes Studium wird nicht primär als Scheitern gesehen. Der Fokus richtet sich viel stärker darauf, was man in dieser Zeit gelernt hat.

Lucia Paar: Die Berücksichtigung non-formal und informell erworbenen Kompetenzen gilt oftmals als Hauptargument für das Kompetenzkonzept. Aber was nützt es dann tatsächlich, wenn man sich umorientieren will und das Gelernte vorweisen muss?

Eva Hierzberger: Natürlich gibt es für die verschiedenen Berufsfelder klare Vorgaben, welche Ausbildungen man nachweisen muss. Aber gleich danach liegt der Fokus in Bewerbungsgesprächen darauf, wie gut die Person ihre Stärken und Kompetenzen benennen und auf praktische Beispiele herunterbrechen kann. Wie oft habe ich in Bewerbungsgesprächen erlebt, dass ein/e BewerberIn z.B. Teamfähigkeit als Kompetenz nennt. Auf meine Bitte, eine Situation zu beschreiben, in der sich diese gezeigt hat, folgte oft Ratlosigkeit. Führungskräfte nehmen gerne Personen auf, die Motivation und Begeisterung glaubhaft vermitteln und die auch gut benennen können, wo ihre Kompetenzen liegen. Und da ist der ProfilPASS ein wertvolles Instrument.

Lucia Paar: Entwicklungspotenziale zu erkennen ist eines der Ziele Ihres Angebots - das birgt die Möglichkeit, dass MitarbeiterInnen diese auch außerhalb der Organisation sehen. Wie gehen Sie damit um - immerhin handelt es sich um ein internes Angebot?

Eva Hierzberger: Bis jetzt hat dieses Angebot eher dazu geführt, dass die Bindung zur Organisation bestärkt wurde. Die TeilnehmerInnen wissen es zu schätzen, dass es ein solches Angebot im internen Weiterbildungsprogramm gibt und dass sie dieses auch in der Dienstzeit besuchen können.

 

Natürlich ist jede Form von Weiterbildung auch ein Beitrag, um die Person besser zu qualifizieren, was natürlich auch die Chancen am externen Arbeitsmarkt vergrößert. Gleichzeitig gehen diese Personen dann aber mit einem guten Bild von der Organisation nach außen und geben dieses weiter - leisten also dann auch einen Beitrag zum Employer Branding.

Lucia Paar: Wo sehen Sie das Konzept und die Orientierung an Kompetenzen zukünftig? Was kann es gerade für die berufliche Weiterbildung leisten?

Eva Hierzberger: In unserer großen Organisation werden wir Führungskräfte in ihrer MultiplikatorInnenfunktion noch stärker an Bord holen. Wir werden zum Beispiel in dem Workshop "Die Führungskraft als erste Personalentwicklerin" der Kompetenzorientierung viel Raum geben und auch Unterlagen zur Verfügung stellen, anhand derer die Kompetenzen in einem Team erhoben, gefördert und gut eingesetzt werden können.

 

Wir werden bei der Organisation der beruflichen Weiterbildung noch stärker darauf achten, ReferentInnen zu suchen, die diesen Ansatz in die Weiterbildung einbringen, die die vorhandenen Kompetenzen in der Gruppe heben und ihre dazulegen.

 

Und wir bringen unsere Haltung ein: Du hast dir in vielfältiger Weise Kompetenzen erworben, du bist selbst darin ExpertIn, herauszufinden, was du kannst - es gibt viele berufliche Einsatzfelder für dich.

Über das Bildungsangebot Kompetenzprofi(l)

Der Workshop der Caritas Steiermark richtet sich an MitarbeiterInnen, die sich ihre Kompetenzen bewusst machen möchten und/oder sich beruflich verändern wollen bzw. müssen. Das interne Beratungsangebot, das sich an der Schnittstelle zur Weiterbildung positioniert, findet in Kleingruppen statt. Ziel ist, dass die TeilnehmerInnen nach der Weiterbildung ihre Kompetenzen kennen und benennen können und eine Vorstellung davon haben, wo sie sich hin entwickeln wollen. Die Beraterin arbeitet hierfür mit dem ProfilPASS®. Der Workshop findet meistens an zwei Halbtagen statt und umfasst folgende Inhalte:

  • Vorstellung des Instrumentes ProfilPASS®
  • Angeleitetes Aufspüren von Kompetenzen
  • Vertiefende Einzelarbeit
  • Entdecken, Benennen von weiteren Entwicklungsperspektiven und Rahmenbedingungen

 

Mag.a Eva Hierzberger ist zertifzierte ErwachsenenbildnerIn und ProfilPASS-Beraterin und seit 2009 Referentin für Personalentwicklung der Caritas Steiermark.

 

Weitere Informationen:
Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa