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Flucht, Asyl und Erwachsenenbildung: „All das, und noch viel mehr…“

04.07.2017, Text: Karin Kulmer, Online-Redaktion
Erwachsenenbildung kann mehr als Deutsch- und Wertekurse – darin waren sich die Diskutantinnen des letzten wEBtalks einig. Jetzt online nachsehen und –hören.
  • Grafik: CONEDU/Schnepfleitner
    wEBtalk jetzt online nachhören und nachsehen
Wie geht es in der Erwachsenenbildung weiter, nachdem die brennendsten Fragen im Kontext von Flucht und Asyl geregelt scheinen? Vergangene Woche diskutierten wir dazu im wEBtalk. Mit dabei: Julia Schindler (Frauen aus allen Ländern), Christine Weiss (ISOP), Anita Pichler und Katja Kloimstein (KAMA Linz). Wer die Diskussion verpasst hat, kann diese nun auf dem YouTube-Kanal von erwachsenenbildung.at nachsehen und –hören.

 

wEBtalk erwachsenenbildung.at | CC BY 4.0 CONEDU Juni 2017

 

Ankommen. Weiterkommen?

Julia Schindler ließ in ihrem einleitenden Impulsvortrag die letzten zwei Jahre seit der großen Flüchtlingsbewegung Revue passieren. „Welche Fragen haben sich für die Erwachsenenbildung aufgetan?" fragte sie und spannte den Bogen von den ersten Reaktionen etablierter Einrichtungen über Professionalisierungsdiskurse und Bildungsinhalte bis hin zu Abschlüssen und Anschlüssen. „Mittlerweile scheint alles geregelt", so Schindler, „aber ist es gut geregelt?" Erwachsenenbildung bewege sich in einem Spannungsfeld zwischen eigenen Ansprüchen, gesetzlichen Vorgaben und strukturellen Rahmenbedingungen. Nun sei es an der Zeit, nachzudenken, wo in diesem Spannungsfeld man sich positionieren wolle.

 

Bildungsinformation als wichtiger erster Schritt

Christine Weiss betonte die wichtige Rolle der Bildungsberatung und –information. Gerade wenn Menschen neu nach Österreich kommen, sei es wichtig, grundsätzlich über Bildung zu sprechen. „Was bedeutet Ausbildung und Beruf in Österreich? Welche Angebote gibt es überhaupt?" seien oft die ersten, brennenden Fragen. Später gehe es dann um Anerkennung, Kompetenzberatung, aber auch um Vernetzung innerhalb der Bildungsberatungsszene sowie zwischen BeraterInnen und BildungsanbieterInnen. Dass es großen Bedarf an Information und Vernetzungsmöglichkeit gebe, bestätigten auch die anderen Diskutantinnen.

 

Kurzfristige Maßnahmen: „Wo bleibt die Kontinuität?"

Erschwert würde die Arbeit immer wieder durch kurzfristige, wenig übersichtliche Maßnahmen, so Christine Weiss. „Kaum hat man etwas erfahren, ist es schon wieder vorbei." Förderungen seien oft nur für kurze Zeiträume und bestimmte Zielgruppen verfügbar – „eine längerfristige Strategie ist kaum erkennbar". Qualitätsansprüche seien unter diesen Voraussetzungen schwer zu erfüllen. Auch auf die AkteurInnen wirke sich die fehlende Kontinuität negativ aus, so Julia Schindler. Die Arbeitsbedingungen seien oft unsicher, was die Professionalisierung erschwere.

 

Erwachsenenbildung: Mehr als nur Deutsch- und Wertekurse

Ein Großteil der Förderungen für Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Asyl entfalle auf Deutsch- und Wertekurse, so Julia Schindler. „Alles, was darüber hinaus geht, wird oft nicht finanziert." Zwar seien Deutschkurse ein wichtiges Angebot, allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass Erwachsenenbildung noch mehr könne. Katja Kloimstein schlug praktische Angebote wie Werkstätten, in denen Menschen selbst aktiv werden können, als Ergänzung zu klassischen Kursformaten vor. „Es gäbe sicher Unmengen an großartigen Ideen von engagierten Menschen, aber es fehlt oft die Finanzierung oder der Wille, das zu finanzieren."

 

Rollentausch: Von Lernenden zu Lehrenden

Einen alternativen Ansatz der Bildung verfolgt der Verein KAMA. Anita Pichler: „Bei uns halten die MigrantInnen die Workshops." Oft würde das nicht verstanden – „viele denken, KAMA bietet Deutschkurse an." Diese seien zwar als Basis wichtig, damit Empowerment stattfinden könne. Dann aber sei das Ziel, selbst ins Tun zu kommen. „Es ist spannend zu sehen, wie sich die Menschen entwickeln und eine aktive Rolle wahrnehmen."

 

Kontinuität und Vernetzung: Utopisch oder machbar?

In der Schlussrunde äußerten die Diskutantinnen ihre Wünsche und Utopien, wie die Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Asyl agieren solle. Gemeinsamer Nenner: Der Wunsch nach längerfristiger Finanzierung und besserer Vernetzung innerhalb der Community. Sei dies gesichert, könne es gelingen, ein kontinuierliches, teilnehmerInnenzentriertes Angebot aufrecht zu erhalten, was sowohl TeilnehmerInnen als auch ErwachsenenbildnerInnen entgegen käme.