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Startschuss zum EBmooc

20.03.2017, Text: Karin Kulmer, Online-Redaktion
Schon mehr als 2.500 Angemeldete sind beim bislang weitreichendsten Onlinekurs für die österreichische Erwachsenenbildung mit dabei.
  • Bild: CC BY Karin Kulmer / CONEDU
    Über 250 TeilnehmerInnen beim begleitenden Webinar
  • Bild: CC BY EBmooc / erwachsenenbildung.at/ebmooc
    Digitale Tools für die Erwachsenenbildung
Anfang März ging der Startschuss zum weitestreichenden Onlinekurs über die Bühne, den die Erwachsenenbildungsszene in Österreich bislang erlebt hat. Beim EBmooc eignet sich seitdem eine stetig zunehmende Zahl an Teilnehmenden digitale Werkzeuge für die Erwachsenenbildung von heute an.

 

Der breit angelegte Onlinekurs (MOOC - Englisch für "Massive Open Online Course") läuft noch bis etwa Ostern in der begleiteten Form. Er kann aber auch danach noch bis einschließlich August im Selbststudium absolviert werden.

 

Erfolgreichster MOOC schon bei Kursstart

 

Am Montag, 6. März, fing der Kurs mit knapp über 1.700 Angemeldeten an. Noch am selben Tag wurden über 2.000 UserInnen gezählt. "Das ist der bislang erfolgreichste Kursstart, den je ein MOOC auf imoox.at hingelegt hat", berichtet Privatdozent Martin Ebner. Er forscht über Lehr- und Lerntechnologien und ist bei der Technischen Universität Graz für die österreichische MOOC-Plattform zuständig. iMooX besteht seit 2013 und steht wegen des völlig freien Bildungszugangs unter Schirmherrschaft der UNESCO.

 

In den ersten Tagen stellten sich bereits hunderte UserInnen im Forum vor. Die Postings zeugen von erheblicher Neugierde auf das Format, seine Inhalte und die Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch (siehe "Was sagen die Teilnehmenden?" weiter unten). Einige von ihnen wagen sich erstmals so richtig an digitale Werkzeuge heran. "Deren Bedürfnisse hatten wir bei der Konzeption als niederschwelliges Angebot vor Augen", beschreibt Birgit Aschemann, die Leiterin des EBmooc, die Zielgruppe.

 

Etliche Teilnehmende berichten von langjähriger Erfahrung im Einsatz von E-Learning, und das auch als Anbieter. Sie arbeiten bereits technologieunterstützt, kennen MOOCs und sind auf der Suche nach neuen Anregungen. Andere wiederum haben erste Erfahrungen mit digitalen Tools in der Teilnehmendenrolle gesammelt und möchten so etwas jetzt selbst einsetzen.

 

Auch wenn an der Bereitschaft zur Nutzung digitaler Technologien in der Erwachsenenbildung öfter Zweifel laut werden - an der digitalen Lernbereitschaft der ErwachsenenbildnerInnen dürften hiermit viele Zweifel ausgeräumt sein.

 

Breites Spektrum an Teilnehmenden

 

"Die Postings vermitteln uns den Eindruck, dass unsere Einladung zum gemeinsamen Ausprobieren gut ankommt und dass die TeilnehmerInnen einfache Werkzeuge wirklich suchen. Sie drücken auch deutlich ihre Freude über die Kultur des fehlerfreundlichen Lernens im EBmooc aus", beschreibt Kursleiterin Aschemann die Rückmeldungen aus den ersten Kurstagen.

 

Welchen beruflichen Hintergrund haben jene, die sich zur Teilnahme entschieden haben? Sie kommen zu einem großen Teil aus der allgemeinen und beruflichen Erwachsenenbildung und sind bei Weiterbildungsanbietern, im Kontext der Arbeitsmarktpolitik, bei Gewerkschaften oder der öffentlichen Verwaltung angestellt. Einige arbeiten in der Personalentwicklung in unterschiedlichen Unternehmen oder in privatwirtschaftlich geführten Weiterbildungsinstituten - viele davon selbst in Leitungspositionen.

 

Andere sind in betrieblichen und Weiterbildungsabteilungen oder als Selbständige tätig oder organisieren Fortbildungen für bestimmte Berufsgruppen und Standesvertretungen, von der KFZ-Branche über das Gesundheitswesen und Sport bis hin zum Consulting. Auch PädagogInnen aus der LehrerInnenfortbildung und den Hochschulen sind vertreten, manche davon auch noch selbst in Aus- oder Weiterbildung.

 

Anlaufen der Webinare und Begleitgruppen

 

Das erste Webinar, eine eineinhalbstündige Videokonferenz, fand bereits am dritten Kurstag statt. Zu Spitzenzeiten hielten sich gleichzeitig mehr als 250 Teilnehmende im virtuellen Konferenzsaal auf. "Das größte Webinar meiner bisherigen Karriere", beschrieb David Röthler von WerdeDigital.at seine Begeisterung. Angelegt als Online-Podiumsgespräch mit weitgehend offener Struktur nahm das Webinar schnell Fahrt auf. Die vielfältigen und rasch eintreffenden Fragen und Diskussionsbeiträge der interessierten Hundertschaft - via Chatfenster in schriftlicher Form - forderten sowohl das EBmooc-Team als auch die Teilnehmenden. "Ein außerordentlich verdichtetes Geschehen."

 

Die TeilnehmerInnengruppe erwies sich als sehr heterogen, sowohl was die Vorerfahrung mit digitalen Werzeugen betrag, als auch die inhaltlichen Fragen. Von "Bei mir funktioniert etwas mit dem Online-Kurs nicht" bis "Wie soll man MOOCs für Lernungewohnte anlegen" reichte das Spektrum der Anliegen. Das zeigt, dass der EBmooc auch über seine eigene Zielgruppe von digital ungeübten ErwachsenenbildnerInnen hinaus eine große Gruppe von Personen erreicht. Sie schauen hier den KollegInnen beim Abwickeln eines MOOCs auf die Finger und begleiten ihn ebenso wohlwollend wie auch kritisch. Gemeinsames Weiterlernen ist jedenfalls angesagt - natürlich auch im EBmooc-Team.

 

Aus den Begleitgruppen konnten ebenfalls erste Eindrücke dazu eingefangen werden. Deutlich sichtbar ist bereits das hohe Bedürfnis, für diese Gruppen auch eigene Strukturen zur Online-Vernetzung zu etablieren. So haben manche bereits zu bloggen begonnen oder Gruppen in Facebook oder Google Plus angelegt. "Wir erwarten mit Spannung weitere Eindrücke aus diesen Gruppen und glauben auch, dass die Begleitforschung eines Studenten der TU Graz uns darüber im Nachhinein noch Erkenntnisse bringt", hofft der Co-Leiter des EBmooc, Wilfried Frei von CONEDU.

 

Zahlen, Daten, Fakten zum EBmooc

 

Der EBmooc umfasst sechs Module, wovon jede Woche noch bis zum 10. April ein weiteres freigeschalten wird. Die begleitete Variante soll durch verschiedene Zusatzangebote den Austausch unterstützen, den ein reines Selbststudium nicht ermöglicht.

 

Insgesamt 23 Videos führen in die Inhalte ein. Kompakt wird darin das Wichtigste von Referentinnen und Referenten vermittelt. Zu jedem Video gibt es eine Abschrift (Transkript) oder eine ausführliche schriftliche Anleitung zum Ausprobieren. Konkrete Übungsvorschläge helfen beim Umsetzen.

 

Jedes der sechs Module schließt mit einer Selbstüberprüfung - in iMooX "Quiz" genannt - ab. "Die Quizzes sind nicht wirklich schwer, wenn man sich die Module genau angesehen hat. Mit Raten allein kommt man aber nicht durch", meint Frei dazu. Ziel sei es schließlich, ein valides Zertifikat ausstellen zu können.

 

Lernabzeichen für jedes einzelne Modul und den gesamten Kurs - "Badges" genannt - bilden eine moderne Erweiterung zur Dokumentation der Lernergebnisse. Die Geschäftsstelle der Weiterbildungsakademie (wba) hat ob der aussagekräftigen Zertifizierung in Aussicht gestellt, dass ein Abschluss mit 1 ECTS im Rahmen einer Zertifizierung als ErwachsenenbildnerIn angerechnet wird. "Für uns ist das eine wichtige Bestätigung, dass so ein Zertifikat auch Anerkennung findet", so Frei weiter.

 

Und was sagen die Teilnehmenden im Forum?

 

"Ich glaube, dass digitales Lernen für unsere Bildungseinrichtung eine zeitgemäße und sinnvolle Ergänzung zum analogen Lernangebot darstellt."

 

"Mir gefällt diese großzügige, humanistische und moderne Idee der MOOCs einfach sehr."

 

"...einmal selbst eine ganz andere Lernform testen."

 

"Die erste Hürde - Videos, Kalendereinträge, Reflexion und erfolgreich bestandener Onlinetest - habe ich geschafft und nun freue ich mich auf die kommenden Wochen."

 

"Ich finde das Angebot und die Möglichkeiten hier sehr interessant, spannend und liebevoll gestaltet. Auch wenn ich schon beim ersten Quiz heftig gescheitert bin ;)"

 

"Online zu lernen ist für mich eine große Herausforderung, der ich mich in diesem Kurs stellen möchte. Ich betreue einige Lernende auch online auf facebook und möchte gerne lernen wie ich dieses Medium noch professioneller nutzen kann."

 

"Im Laufe der letzten 2 Jahre habe ich viel mit der Implementierung einer E-Learning Plattform und der Entwicklung von Content zu tun gehabt. Auch Webinare habe ich im Zuge dessen eingeführt bzw. moderiert. 'Just do it' - wie in einem der Videos erwähnt, das war hierbei ein guter Slogan! Ausprobieren, Erfahrung sammeln, Nachbessern, Mitmenschen mit neuen Methoden konfrontieren und ev. auch davon begeistern - das hat mir zuletzt viel Freude bereitet!"

 

"Ich bin total dankbar, dass ich hier teilnehmen kann."

 

"Herzliche Grüße (gerade aus dem Urlaub - genau das ist toll bei MOOCS)."