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Serie: Solidarität, Teilhabe und Ermächtigung in der Erwachsenenbildung

20.02.2017, Text: Wilfried Frei und Karin Kulmer, Online-Redaktion
Was solidarisches Denken und Handeln heute bedeuten kann, und wie Erwachsenenbildung es verhindert oder zu seiner Verwirklichung beiträgt, ist Gegenstand einer Serie von Beiträgen auf erwachsenenbildung.at im heurigen Jahr. (Serie: Solidarität, Teilhabe und Ermächtigung)
  • Bild: CC BY CONEDU/Sabine Schnepfleitner
    Solidarität in der Erwachsenenbildung: Gesellschaft mitgestalten
Heute ist Welttag der Sozialen Gerechtigkeit der Vereinten Nationen. Ein guter Anlass um sich zu fragen, in welcher Gesellschaft wir miteinander leben wollen. In Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche und demokratischer Erosion ist diese Frage für die Erwachsenenbildung von steigender Bedeutung. Mit freiem Auge erkennen wir längst die gesellschaftlichen Brüche und Verwerfungen, die von einer zunehmend entsolidarisierten Gesellschaft zeugen. Wo die Erwachsenenbildung steht, wenn es um das Fördern oder Verhindern von Solidarität geht, dem widmet sich ab sofort und bis Ende des Jahres eine Serie von Beiträgen auf erwachsenenbildung.at. KorrespondentInnen, GastautorInnen und das Team der Online-Redaktion gehen dabei wiederkehrend verschiedenen Aspekten von Solidarität als Basis von Teilhabe und Ermächtigung, von Demokratie und Zusammenleben nach. Die Beiträge werden unter dem Hashtag #ebsoli auch in den sozialen Medien zu finden sein. 

 

Worum wird es dabei gehen?

 

Erwachsenenbildung ist mehr als Jobfitness und Wettbewerbsorientierung

 

Erwachsenenbildung scheint mehr und mehr nur der Jobfitness und dem persönlichen Erfolg zuzuarbeiten statt auch für Zusammenhalt zu sorgen. Jedenfalls sind die Aufrufe in Richtung der Wettbewerbsorientierung im medialen und politischen Wettstreit deutlicher zu hören, als jene nach einer Bildung, die den Gemeinschaftssinn fördert, die Menschen verbindet und die Visionen einer lebenswerten Welt in den Vordergrund stellt. 

 

Zudem wird die Demokratie auf den unterschiedlichsten Ebenen ausgehöhlt. (Erwachsenen-)Bildung als eine Grundlage demokratischer Gesellschaften scheint zunehmend daran mitzuwirken, indem sie jene Geschichten weitererzählt, die uns vereinzeln, nicht verbinden. Desintegration und Zweifel an der Möglichkeit demokratisch errungenen Gemeinwohls sind die Folge. Was hat Erwachsenenbildung dem entgegenzusetzen? 

 

Zivilgesellschaftliches Engagement verbindet

 

Blicken wir über den engen Rand der Arbeitsmarktförderung und der Anforderungen einer Wissensgesellschaft hinaus, offenbart sich in der Erwachsenenbildung eine zivilgesellschaftliche Breite, in der das Handeln nach gemeinsamen Interessen und das Einstehen für Benachteiligte noch nicht ganz ins Hintertreffen geraten sind. Verbindende Ansätze und solidarische Anliegen wie Gender, Intergenerationalität und interkulturelle Öffnung im Rahmen der Migrationsgesellschaft - um nur einige zu nennen - haben Konjunktur. Manchmal tritt Erwachsenenbildung hier mit dem Etikett einer gesellschaftlichen "Inklusionsfeuerwehr" auf, manchmal aber auch präventiv gestaltend.

 

Solidarität zeigt sich auf viele Arten

 

Wie Erwachsenenbildung konkret Solidarität fördert oder verhindert, zeigt sich unter anderem in ihren Maßnahmen, Formaten und Methoden. Solidarität nimmt Gestalt an in der Planung der Bildungsangebote, bis hinein in eine partizipative Mikrodidaktik. Sie zeigt sich im Entwurf von Bildungsräumen, etwa, wenn Begegnungszonen angeboten - und nicht abgeschafft - werden. Sie drückt sich aus in der Umsetzung von Öffentlichkeitsarbeit, wenn die transportierten Bilder Werte wie Zusammenhalt und nicht nur persönlichen Vorteil vermitteln. 

 

Auch die Verhältnisse innerhalb der Institutionen der Erwachsenenbildung lassen sich vor dem Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklungen betrachten - zum Beispiel in der Frage nach dem Wesen des Mit- oder Gegeneinanders, der fairen Beschäftigungsverhältnisse und der Formen von Beteiligung an Entscheidungen.

 

Die Zusammenarbeit über den Bildungsbereich hinaus eröffnet zudem neue Fragen, Möglichkeiten und Zugänge für solidarisches Denken und Handeln, etwa in der hochsensiblen Frage nach der Renaissance der Freiwilligenarbeit, des "Ehrenamts". 

 

"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" (Adorno)

 

Eine solidarische Erwachsenenbildung erschöpft sich nicht in Zielgruppenangeboten für jene, die wir für benachteiligt halten. In welcher Gesellschaft wir leben wollen ist eine Frage, die beim Umgang mit uns selbst und unseren Nächsten anfängt, aber bei weitem nicht dort endet. In postdemokratischen Zeiten gehören die Verhältnisse, Strukturen und Exklusionsmechanismen mindestens ebenso sehr auf den Thementisch, wie humanistische Wertvorstellungen und Aufklärungsideale. Ein Blick, den uns das "Bildungsevangelium" als Erzählung vom persönlichen Erfolg durch Bildung immer wieder verstellt. 

 

Die Themen der Beiträge zur Serie

 

Die Serie von Beiträgen aus den verschiedensten Verbänden, Netzwerken und Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Österreich wird ab sofort bis Ende des Jahres laufend fortgeführt. Über 20 Beiträge sind bereits jetzt angekündigt, unter anderem zu folgenden Themen

 

  • Initiativen und Projekte von Verbänden und Institutionen, die solidarisches Handeln fördern
  • Umgang mit heterogenen Gruppen von TeilnehmerInnen
  • Freiwilligenarbeit als Beitrag zur Zivilgesellschaft
  • Politische (Erwachsenen-)Bildung und Solidarität
  • Schnittpunkte von Erwachsenenbildung und Community Education
  • Selbstorganisation benachteiligter Gruppen
  • und viele mehr

 

Wie in den vergangenen Jahren auch, werden die Beiträge zur Serie "Erwachsenenbildung und Solidarität" nach deren Abschluss als E-Paper zum Download zur Verfügung stehen.

 

Serie: Solidarität, Teilhabe und Ermächtigung in der Erwachsenenbildung

In welcher Gesellschaft wollen wir miteinander leben? In Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche und demokratischer Erosion ist diese Frage für Erwachsenenbildung von steigender Bedeutung. Mit freiem Auge erkennen wir die gesellschaftlichen Brüche und Verwerfungen, die von einer zunehmend entsolidarisierten Gesellschaft zeugen. Wie wir leben wollen ist eine Frage, die beim Umgang mit uns selbst und unseren Nächsten anfängt, aber bei weitem nicht dort endet. In postdemokratischen Zeiten stehen die Verhältnisse, Strukturen und Exklusionsmechanismen mindestens ebenso sehr zur Verhandlung, wie humanistische Wertvorstellungen und Aufklärungsideale. Ein Blick, den uns das "Bildungsevangelium" als Erzählung vom persönlichen Erfolg durch Bildung immer wieder verstellt. Alle bisher zur Serie #ebsoli erschienen Beiträge finden Sie hier.